Warum könnte es am Wochenende in Leipzig knallen?
Neben der pro-palästinensischen Demo mit erwarteten 600 Teilnehmern wurden bei der Versammlungsbehörde der Stadt Leipzig eine Gegendemonstration und zahlreiche Gegenkundgebungen mit bis zu 1.000 erwarteten Teilnehmern in Connewitz angemeldet. Die Polizei rechnet entsprechend mit vielen Demonstranten auf beiden Seiten, auch mit überregional anreisenden Teilnehmern und stellt sich auf eine dynamische und konfliktgeladene Lage ein. Ein Hubschrauber werde das Geschehen aus der Luft beobachten. Die Zahl der eingesetzten Beamten soll nach MDR-Informationen deutlich vierstellig sein, auch Beamte aus anderen Bundesländern wurden angefordert.
Tatsächlich ist es in der Vergangenheit immer wieder zu Gewalt zwischen den beiden Lagern gekommen. Im Oktober 2024 griffen Autonome einen Infostand der mit Handala verbandelten „Students for Palestine“ vor der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kunst (HTWK) an. Im Oktober 2025 bewarf eine pro-palästinensische Gruppe eine Kundgebung für die aus Hamas-Gefangenschaft freigelassenen Geiseln mit Flaschen. In der Folge kam es später zu einer körperlichen Auseinandersetzung.
Zuletzt kam es am Abend des 8. Januar laut Polizeimeldung in Connewitz zu einer Auseinandersetzung „bei der mindestens zwei Personen verletzt wurden.“ In ihrer damaligen Mitteilung schreibt die Polizei, die Hintergründe der Auseinandersetzung und die Anzahl der Beteiligten seien gegenwärtig noch unklar. Nach bislang unbestätigten MDR-Informationen soll es sich um einen Zusammenstoß der beiden Lager gehandelt haben.
Worauf wird es am Samstag in Leipzig möglicherweise ankommen?
Interessant wird einerseits, ob es den Behörden gelingt, die Lager zu trennen. Da innerhalb der Lager aber verschiedene Einzelgruppen agieren, die teilweise unterschiedliche Strategien verfolgen, ist unklar, ob das gelingt. Es besteht die Gefahr, dass es an vielen Einzelschauplätzen zu Eskalationen kommen könnte.
Interessant wird zudem, wie Polizei und Versammlungsbehörde mit Slogans auf Plakaten oder in Sprechchören umgehen. Von besonderem Interesse dürfte hierbei der Ruf „From the river to the sea“ sein, der immer wieder aus Reihen pro-palästinensischer Aktivisten gerufen wird.
Er kann als Kennzeichen der Terrororganisation Hamas aufgefasst werden und Verfahren nach sich ziehen. Rechtliche Klarheit, ob der Slogan generell oder in bestimmten Fällen strafbar ist, gibt es allerdings noch nicht; Gerichte haben dazu bislang unterschiedlich geurteilt. Wie die Polizei am Wochenende damit umgehen wird, ist offen.
Was hat die Linkspartei mit all dem zu tun?
Die Demo in Connewitz richtet sich konkret auch gegen die Linken-Landtagsabgeordnete und Leipziger Stadträtin Juliane Nagel und ihr Projektbüro Linxxnet. Erklärter Grund ist Nagels Solidarität mit Israel. Auf der Webseite des Linxxnet wird der Angriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 als antisemitischer Terroranschlag gegen die israelische Bevölkerung verurteilt, zugleich aber auch das Ausmaß des israelischen Gegenschlags kritisiert.
Obwohl die Demo-Organisatoren gezielt gegen eine Linken-Politikerin mobilisieren, rufen auch bestimmte Teile der Linkspartei zur Unterstützung von Handala auf. Der sächsische Landesverband der Linken kritisiert das scharf. „Aus unserer Sicht ist es nicht hinnehmbar, dass auch einige Mitglieder der Linken die Demonstration unterstützen und für sie werben“, schreiben die Landesvorsitzenden Anja Eichhorn und Marco Böhme auf MDR-Nachfrage. „Wir lehnen den Aufruf zur Demonstration ab, denn er besteht im Wesentlichen aus Unwahrheiten und Denunziationen.“
Zudem habe der Landesverband bereits im vergangenen Jahr festgestellt, dass eine Zusammenarbeit mit Handala unvereinbar mit den Grundwerten der Linken sei.
Um Solidarität mit Juliane Nagel zu zeigen, sollen laut Pressestelle der Landespartei unter anderem die Landesvorsitzenden und weitere Mitglieder des Landesvorstandes vor Ort sein. Auch die Bundespartei stellte sich hinter Juliane Nagel. Die Magdeburger Ortsgruppe des parteinahen Jugendverbands „Linksjugend [’solid]“ nahm daraufhin via Instagram-Post wiederum die Parteichefs Ines Schwerdtner und Jan van Aken ins Visier und warf ihnen Verrat vor.
Und warum bekommt Handala Zuspruch von rechts?
Unterstützung bekommt Handala auch von Rechtsextremen, da diese die autonome Connewitzer Szene ebenfalls als Feindbild betrachten. Die Partei Freie Sachsen wertete den „Protest gegen die militante Connewitzer Antifa“ in ihren Kanälen als „begrüßenswertes Anliegen“. Und: „Patriotische Streamer und Medienaktivisten“ würden das Geschehen am Samstag „konstruktiv-kritisch“ im Auge behalten.
Grundsätzlich hätten sich israelfeindliche Positionen seit dem 7. Oktober 2023 als „gesellschaftlich in hohem Maße anschlussfähig erwiesen“, schätzt der sächsische Verfassungsschutz ein und warnte davor, dass die Entwicklung bereits vorhandenem Antisemitismus neue Schubkraft verleihen könnte.