
Die deutsche Mannschaft hat einen erfolgreichen Auftakt in die Europameisterschaft gefeiert. Beim 30:27(12:8)-Erfolg über Österreich ließ sich das DHB-Team weder vom Überzahlspiel des Gegners beirren, noch von einem „ungebetenen Gast“.
Eine „phänomenale Abwehr“ attestierte Bundestrainer Alfred Gislason seinem Team bereits in der ersten Halbzeit und dazu hatte der Isländer auch allen Grund. Die Defensive um Debütant Tom Kiesler und Kapitän Johannes Golla zermürbte den Gegener aus Österreich über weite Strecken der Partie und ebneten früh den Weg zum wichtigen Auftakterfolg. Der taktische Kniff des Sieben-gegen-Sechs stellte das DHB-Team nur phasenweise vor Herausforderungen und bremste das deutsche Offensivtempo selten aus.
Ausbremsen ließ sich die deutsche Mannschaft auch nicht von einer Wespe in der eigenen Auszeit. Die dirigierte Juri Knorr genauso gelassen aus dem Spielerkreis, wie er im Spiel seine Kollegen in Szene setzte. Der Spielmacher aus Aalborg kam von der Bank und brachte der Mannschaft die erhofften Impulse, zuvor hatten Julian Köster und Marko Grgic das Spiel erfolgreich geleitet. Bester Torschütze der Deutschen war Golla mit sieben Toren, bei Österreich traf Sebastian Frimmel neunmal.
Lukas Zerbe erzielte das erste EM-Tor der deutschen Mannschaft per Siebenmeter (2.). Der Kieler begann die Partie genau wie EM-Neuling Kiesler, der neben Golla den deutschen Mittelblock bildete. Und der Mittelblock war es auch, der die Anfangsphase prägte. Österreich fand keine Lösungen gegen die deutsche Abwehr und traf in elf Minuten nur einmal. Zudem fand Andreas Wolff gut in die Begegnung und konnte sich früh mehrfach auszeichnen.
Starke Defensive des DHB-Teams: Johannes Golla und Renars Uscins gegen Lukas Hutecek
Gegen die Würfe von Rechtsaußen Jakob Nigg (TVB Stuttgart) war aber auch der Kieler chancenlos. Immer wieder spielten die Österreicher den Linkshänder im Sieben-gegen-Sechs geduldig frei und kamen damit in der 18. Minute zum 6:6-Ausgleich. Es war der von Wolff beschriebenen „Anti-Handball“, den Österreich perfektionierte. So gut wie die Überzahl in Teilen funktionierte, konnte das deutsche Team das leere Tor des Gegners aber auch bestrafen – Golla nach Steal zum 8:6 (20.).
Weltklasse von der Bank: Bundestrainer bringt Knorr
Danach wechselte der Bundestrainer Regisseur Knorr ein, was sich umgehend auszahlte, weil es der deutschen Offensive frische Impulse brachte. Mit viel Zug zum Tor und seinem bekannten Unterarmwurf stellte der Mann von Aalborg Handball auf 10:7 (24.). Erneut keine Chance für Österreichs Schlussmann Constantin Möstl (TBV Lemgo Lippe), der das direkte Duell gegen Wolff bis dato knapp verlor.
Besser startete die zweite Hälfte für den österreichischen Schlussmann, nämlich mit einem gehaltenen Siebenmeter gegen Zerbe (35.). Doch eine frühe Aufholjagd entwickelte sich daraus nicht, weil sich das DHB-Team vorne auf einen durchsetzungsstarken Miro Schluroff verlassen konnte. Der Gummersbacher holte nicht nur eine Zeitstrafe gegen Lukas Herburger heraus, sondern traf auch zweimal binnen weniger Minuten zum 17:12 (39.).
Nach Kopftreffer: Späth ersetzte Wolff im DHB-Tor
Dann gab es eine unfreiwillige Pause für Torhüter Wolff. Frimmel traf die deutsche Nummer eins unglücklich im Gesicht und musste folgerichtig zwei Minuten auf die Bank. Aber auch Wolff signalisierte sofort, dass es für ihn erstmal nicht weitergeht – Späth rückte in das deutsche Tor. Vorne zeigte sich die deutsche Mannschaft davon unbeeindruckt und kombinierte sich künstlerisch wertvoll zum 20:15 – per Kempa von Renars Uscins (43.).
In der Schlussphase nahm die Partie immer weiter an Fahrt und Tempo auf. Wo sich noch zuvor beide Mannschaften, aber vor allem die Österreicher, relativ viel Zeit für den Spielaufbau ließen, fielen jetzt sieben Treffer binnen drei Minuten. Für den Bundestrainer ein Grund den lädierten Wolff zurück in das Spiel zu bringen und das zahlte sich aus. Der 34-Jährige parierte beim Stand von 28:25 (58.) den Siebenmeter gegen Frimmel und sicherte den so wichtigen ersten Sieg bei dieser Europameisterschaft.