Die Versiegelung von Flächen ist schlecht für die Umwelt und das Klima. Deshalb möchte die Bundesregierung den Flächenverbrauch bis 2050 auf „Netto-Null“ reduzieren. Jedoch bauen Kommunen immer mehr: Täglich verschwinden 52 Hektar Fläche unter Asphalt und Beton.

Die Studie „Doomed to grow? German municipalities in the stranglehold of a growth logic – a policy analysis of barriers to a circular urban transformation“ des Wuppertal Instituts zeigt: Das deutsche Finanzierungssystem für Kommunen fördert sogar den zunehmenden Flächenverbrauch. „Um Einnahmen aus Gewerbe- und Einkommenssteuer zu sichern, stehen Städte unter enormem Druck, kontinuierlich neue Wohn- und Gewerbegebiete auszuweisen“, erklärt Oliver Wagner, Co-Leiter des Forschungsbereichs Energiepolitik am Wuppertal Institut und Studienautor.

Wuppertal ist Spitzenverbraucher beim Flächenverbrauch

Wuppertal zählt mit über einem Drittel Grünfläche eigentlich zu einer der grünsten Großstädte Deutschlands, dennoch haben die Forschenden in ihrer Auswertung den höchsten relativen Flächenverbrauch im Verhältnis zur vorhandenen Siedlungsfläche festgestellt. „Gründe können beispielsweise einzelne große Infrastrukturprojekte oder mehrere Maßnahmen zur Ansiedelung von Gewerbebetrieben im spezifischen Untersuchungsjahr sein. Deshalb haben wir das als statistischen Ausreißer eingeordnet“, erläutert Bettina Bahn-Walkowiak, die auch an der Studie mitwirkte und Senior Researcherin im Forschungsbereich Stadtwandel am Wuppertal Institut ist. Das zufällig gefundene Ergebnis zeigt aber den Widerspruch zwischen anspruchsvollen Strategien und der realen Praxis vor Ort.

Der Weg zur zirkulären Stadttransformation

Die Studie erläutert einige Ansätze hin zu einer zirkulären Stadtentwicklung, wie etwa das Flächenrecycling statt Neubau auf grünen Wiesen, Urban Mining und vor allem die konsequente Umnutzung von Bestandsgebäuden und Leerständen. Damit Maßnahmen wie diese auch funktionieren, müsse laut den Forschenden der finanzielle Rahmen für Kommunen verbessert werden. Denn: Solange Kommunen finanziell belohnt werden, wenn sie Flächen versiegeln, bleiben Nachhaltigkeitsstrategien oft nur Absichtserklärungen.

Die Studie „Doomed to grow? German municipalities in the stranglehold of a growth logic – a policy analysis of barriers to a circular urban transformation“ ist als referierter Artikel in Frontiers in Sustainability (Vol 6, 2025) im nachfolgenden Link in englischer Sprache abrufbar.