In puncto Risikoscheu bei der Geldanlage stehen die Franzosen den Deutschen in wenig nach. Zwar ist die Bereitschaft, in Immobilien zu investieren, deutlich höher. Nicht selten kaufen Franzosen schon im Studentenalter ihre erste Wohnung – finanziert über Immobiliendarlehen mit Laufzeiten von üblicherweise 20 Jahren und mehr.

Nach Zahlen des französischen Bankenverbands entfallen mehr als 60 Prozent des Vermögens privater Haushalte auf Immobilien, während es in Deutschland und auch im europäischen Durchschnitt deutlich weniger sind.

Die Skepsis gegenüber Aktien ist aber auch in Frankreich stark ausgeprägt. Neben Lebensversicherungen sind vor allem Sparkonten das Mittel der Wahl, allen voran das Livret A. Es ist die mit Abstand beliebteste Geldanlage. Im Jahr 1818 von König Ludwig XVIII. eingeführt, um die Kosten der napoleonischen Kriege zu decken, liegen nach jüngsten Zahlen nicht weniger als 439,7 Milliarden Euro auf den inzwischen 57 Millionen Livrets A.

Zusammen mit den verwandten Sparprodukten Livret de Développement Durable et Solidaire (LDDS), Plan d’Épargne Logement (PEL) und Livret d’Épargne Populaire (LEP) beträgt die Anlagesumme sogar mehr als 900 Milliarden Euro. Die Ersparnisse werden von der staatlichen Beteiligungsgesellschaft Caisse des Dépôts et consignations zentral gesammelt und fließen vor allem in den sozialen Wohnungsbau.

Zunehmend ein Politikum

In den vergangenen Jahren ist die Beliebtheit des Livret A weiter gewachsen. Die Gründe: Es lassen sich nicht nur unkompliziert bis zu 22.950 Euro darauf deponieren und jederzeit wieder abheben, sondern die Kapitalerträge sind auch vollständig von Steuern befreit. Das gilt ebenfalls für die in Frankreich auf Kapitalerträge sonst anfallenden Sozialabgaben. Auch gibt es dank staatlicher Garantie kein Kapitalverlustrisiko – außer der französische Staat geht insolvent.

Zusätzlich zum Livret A lassen sich bis zu 12.000 Euro auf dem LDDS deponieren, dessen Gelder in nachhaltige Projekte fließen. Zusammen kann also jede Privatperson knapp 35.000 Euro steuer- und risikolos anlegen. Und wer Geringverdiener ist, kann weitere bis zu 10.000 Euro auf das LEP einzahlen; das PEL ist als Sparprodukt für den Bau und Kauf von Immobilien hingegen etwas anders gestaltet.

Ein weiterer großer Vorteil: Die Zinssätze des Livret A, LDDS und LEP werden zweimal im Jahr staatlich festgelegt und sind universell gültig, nachdem die französische Notenbank auf Grundlage der Inflationsrate eine Empfehlung ausspricht. Meist folgt die Regierung dieser. Bis 2009 war das Angebot den Sparkassen und der Banque Postale vorbehalten.

Seither kann man das Livret A bei praktisch jeder französischen Bank eröffnen. Die Festlegung der Zinssätze wird von der französischen Öffentlichkeit aufmerksam verfolgt. Sie ist in den vergangenen Jahren auch zunehmend zu einem Politikum geworden, weil die Regierung vor allem das LEP stärker unters Volk bringen will.

Im Dezember nur noch 0,8 Prozent

Am Donnerstag teilte der französische Finanz- und Wirtschaftsminister Roland Lescure mit, dass der Zinssatz für das Livret A zum 1. Februar von aktuell 1,7 auf 1,5 Prozent sinken wird. Das gilt auch für das LDDS. Für das LEP sinkt der Zinssatz von 2,7 auf 2,5 Prozent.

Im Vergleich zum Januar 2025, als das Livret A und LDDS noch mit stattlichen drei Prozent verzinst wurden, wirkt die aktuelle Rendite nunmehr bescheiden. Doch die Inflationsrate liegt in Frankreich deutlich niedriger.

Am Donnerstag vermeldete das nationale Statistikamt Insee auf Grundlage finaler Daten einen Rückgang auf 0,9 Prozent im Gesamtjahr 2025 – nachdem es 2024 noch zwei Prozent gewesen waren. Besonders deutlich seien die Energiepreise gesunken. Im Dezember betrug die Inflationsrate laut Insee sogar nur noch 0,8 Prozent. Im Vergleich dazu bleibt die Verzinsung auf den populären Sparbüchern also vergleichsweise gut.

Die Eröffnung der Sparkonten ist nicht an die französische Staatsbürgerschaft geknüpft und steht grundsätzlich auch Ausländern offen. In der Praxis kann sich die Kontoeröffnung ohne Wohnsitz in Frankreich jedoch als schwierig erweisen. Die Eröffnung mehrerer Livrets A ist nicht erlaubt.