15. Januar 2026

Halle (Saale). Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt haben erstmals römische Marschlager auf dem Gebiet des Landes nachgewiesen. Die Fundplätze zwischen Nordharz und Elbe gelten als die bislang nordöstlichsten bekannten römischen Lager im freien Germanien. Die Entdeckung liefert erstmals bauliche Belege für römische Truppenbewegungen bis in das heutige Sachsen-Anhalt.

Historische Quellen berichten von mehreren Vorstößen römischer Legionen bis an Elbe und Saale, insbesondere während der frühen Kaiserzeit und erneut im 3. Jahrhundert nach Christus. Bislang fehlten jedoch archäologische Nachweise für die typischen Marschlager, die das römische Militär auf Feldzügen täglich errichtete. Diese standardisierten Lager zeichnen sich durch rechteckige Grabenanlagen mit abgerundeten Ecken und charakteristischen Toranlagen aus.

Die nun identifizierten Lager bei Aken, Trabitz und Deersheim wurden mithilfe moderner Fernerkundung, Luftbildauswertung und digitaler Orthofotos entdeckt. Ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger spielten bei der Lokalisierung der Strukturen eine zentrale Rolle. Geophysikalische Messungen sowie gezielte Ausgrabungen in den Jahren 2024 und 2025 bestätigten die Befunde. Dabei wurden typische römische Spitzgräben mit einer Breite von bis zu 1,8 Metern und Tiefen von über 1,5 Metern freigelegt.

Zusätzliche Metallsondierungen förderten mehr als 1.500 Einzelfunde zutage, darunter zahlreiche Nägel von Legionärssandalen, Fibeln und römische Münzen. Besonders ein Denar des Kaisers Caracalla liefert einen wichtigen Hinweis auf die Datierung der Lager in das frühe 3. Jahrhundert nach Christus. Radiokarbondaten stützen diese zeitliche Einordnung.

Die Funde gelten als archäologische Sensation, da sie neue Erkenntnisse über römische Feldzüge tief in das germanische Gebiet ermöglichen. Sollten sich die Lager tatsächlich mit den überlieferten Feldzügen unter Kaiser Caracalla in Verbindung bringen lassen, müsste auch die historische Forschung ihre bisherigen Annahmen zu den römischen Operationen jenseits des Limes überdenken.

Die weiteren Untersuchungen an den Fundplätzen werden fortgesetzt. Begleitend stehen Bildmaterial und wissenschaftliche Dokumentationen zur Verfügung.

Quelle: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt