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Hätten viel mehr Menschen die Tragödie von Crans-Montana überleben können? Ein Überwachungsvideo schürt nun einen bedrückenden Verdacht.

Crans-Montana – Rund zwei Wochen nach dem furchtbaren Brand in der Bar Le Constellation im Schweizer Skiort Crans-Montana kommen neue, erschreckende Vermutungen ans Licht. 40 Menschen kamen bei dem Inferno ums Leben, 116 wurden verletzt. Rund 80 davon liegen mit überwiegend schweren Verbrennungen in Krankenhäusern. Möglicherweise war einer der Notausgänge versperrt. Das zumindest lässt eine Aufnahme nun vermuten.

Auch Tage nach den schrecklichen Ereignissen in Crans-Montana kommen schreckliche Details ans Licht. Auch Tage nach den schrecklichen Ereignissen in Crans-Montana kommen schreckliche Details ans Licht. © Montage MAXIME SCHMID / AFP und Screenshot/X

Ereignet hat sich das Flammeninferno in der Silvesternacht am frühen Neujahrsmorgen. Schnell legten Handy-Videos von Besuchern der Bar den Verdacht nahe, dass der Schaumstoff an der Decke im Untergeschoss der Bar entzündet worden sein muss. Ausgelöst mutmaßlich durch eine Kellnerin, die auf den Schultern einer anderen Person saß und funkensprühende Partyfontänen in Champagnerflaschen servierte. Die junge Frau soll laut einem Medienbericht ebenfalls unter den Todesopfern sein. Wie das Schweizer Portal Tagesanzeiger erfahren haben will, sei die junge Kellnerin hinter einer Servicetür leblos gefunden worden.

War der Notausgang der Bar „Le Constellation“ blockiert? Überwachungskamera zeigt Möbelstück vor Tür

Der Besitzer der Bar, Jacques Moretti, will in der verhängnisvollen Nacht zum Zeitpunkt der Tragödie nicht selbst vor Ort gewesen sein. Seine Frau Jessica habe ihn telefonisch informiert, dann sei Moretti zur Bar geeilt. In einer Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis hatte der Bar-Besitzer am Freitag (9. Januar) erklärt, er habe die Servicetür nach dem Brand von außen aufgebrochen. Sie sei von innen verriegelt gewesen. Moretti gab gegenüber den Ermittlern an, es habe sich um eine Servicetür gehandelt, die nicht als Notausgang gekennzeichnet war. Hinter der Tür hätten mehrere Menschen reglos gelegen. Laut dem Sender RTS habe sich diese Servicetür im Erdgeschoss der Bar befunden.

Zusätzlich soll es einen Notausgang in der Bar gegeben haben. Wie der italienische TV-Sender Tg3 nun berichtet, habe diesen jedoch möglicherweise keiner der Gäste wahrgenommen. Ein Video aus einer Überwachungskamera, das von dem TV-Sender veröffentlicht wurde, soll diesen Notausgang zeigen. Davor zu sehen: ein kleines Möbelstück. Möglicherweise ein kleiner Tisch, der vor der Tür steht. Offiziell bestätigt wurden diese Aufnahmen bislang nicht. Zuvor hatte bereits ein Stammgast über den Notausgang geredet. Dieser erhob schwere Vorwürfe.

Silvesternacht: Brand in Schweizer Bar fordert 40 Todesopfer – Bilder vom UnglücksortWährend einer Silvesterparty in einem Schweizer Nobel-Skiort brach in einer Bar ein Feuer aus. Dutzende Menschen starben. Viele Fragen sind noch offen – vor allem zu den Hintergründen. Fotostrecke ansehenCrans-Montana: Bar-Besitzer in Untersuchungshaft, Ehefrau muss Pass abgeben

Rund zwei Wochen nach dem Unglück wurde der Bar-Besitzer in Untersuchungshaft genommen. Die Behörden begründeten dies mit Fluchtgefahr, da Jacques Moretti die französische Staatsbürgerschaft besitzt. Seine Ehefrau Jessica, die gemeinsam mit ihm die Bar führte, blieb hingegen auf freiem Fuß.

Inzwischen wurden gegen Jessica Moretti bestimmte Auflagen verhängt. Die Französin darf die Schweiz nicht verlassen und muss sowohl ihren Pass als auch ihre Ausweispapiere abgeben. Zudem ist sie verpflichtet, sich täglich bei einer Polizeidienststelle zu melden, wie das Zwangsmaßnahmengericht in Sitten (Sion) bekannt gab. Darüber hinaus soll sie eine Kaution hinterlegen, deren genaue Höhe noch festgelegt werden muss.

Auch Jacques Moretti kann nach Angaben des Gerichts gegen die Hinterlegung angemessener Sicherheiten wieder auf freien Fuß kommen. Die Anwälte des Paares betonen stets, dass beide keine Absicht hätten, sich den Ermittlungen zu entziehen. Gegen das Paar wird wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung ermittelt. (Quellen: RTS; Tg3, Tagesanzeiger, dpa, AFP) (jl)