Wenn künftig Kunden des Biebricher Unternehmens Wilhelm Heckel ihre Musikinstrumente ausprobieren, dann können Sie das möglicherweise in wenigen Jahren mit einem herrlichen Blick über den Rhein kombinieren. Die Stadt Wiesbaden wird den seit Jahrzehnten leer stehenden Zollspeicher nach Auskunft von Baudezernent Andreas Kowol (Die Grünen) für eine Million Euro an die Heckel GmbH verkaufen. Am 11. Februar soll die Stadtverordnetenversammlung über den Verkauf entscheiden. Kowol geht davon aus, dass dies nur noch Formsache ist, denn die Politik hat bereits ihre Zustimmung zu der „Toplösung“ signalisiert.
In der Tat hatte der Planungs- und Bauausschuss während seiner jüngsten Sitzung im Dezember dem Verkauf des Zollspeichers an die Heckel GmbH zugestimmt und zugleich ein Rückkaufsrecht gefordert, falls das Projekt wider Erwarten scheitern sollte. Zudem erwarten die Ausschussmitglieder laut dem ursprünglichen Antrag von Grünen, SPD, Linken und Volt, dass der Verkaufserlös „ausschließlich der Sanierung des Zollamtes dient“. Falls die Summe dafür nicht ausreicht, müsse vorher geklärt sein, wie das restliche Geld aufgebracht wird, damit das Zollamt nicht zu einer Bauruine wird. Das denkmalgeschützte Zollamt befindet sich neben dem Zollspeicher und ist Teil des Gebäudeensembles. Dieses Haus steht ebenfalls seit vielen Jahren leer und soll laut Kowol im städtischen Eigentum bleiben.
Auf Antrag der CDU wurde der Beschluss um folgende Forderung erweitert: „Für das Zollamt ist eine Folgenutzung zu entwickeln, welche eine fiskalisch auskömmliche, die Betriebs- und Unterhaltungskosten mindestens deckende, Nutzung beinhaltet.“ Damit möchten die Christdemokraten verhindern, dass das Zollamt jahrelang städtische Zuschüsse benötigt. Fraktionsvorsitzende Daniela Georgi sagte auf Nachfrage, dass sich die CDU dort sehr gut Gastronomie vorstellen könne. Auch gegen einen Verkauf des Zollspeichers an Heckel spricht nach Einschätzung von Georgi nichts.
Jahrelange Hängepartie geht zu Ende
Damit geht die jahrelange Hängepartie um eines der besten Grundstücke Wiesbadens am Biebricher Rheinufer zu Ende. Die Stadt hatte das Ensemble Ende 2022 nach langem Streit von einem Investor zurückgekauft. In Summe hatte das die Stadt mehr als vier Millionen Euro gekostet. 2023 war entschieden worden, dass der Zollspeicher nicht abgerissen wird, seitdem wurde über die künftige Nutzung diskutiert. Drei unterschiedliche Konzepte standen zur Debatte. Dann kam laut Kowol im Frühjahr 2025 die Firma Heckel auf die Stadt zu und bekundete ihr Interesse am Zollspeicher. „Wir haben intensiv geprüft, ob eine Firma mit Werkstätten, Büro und Verwaltung in das Gebäude hineinpasst. Das konnten wir dann im Oktober bestätigen“, berichtete Kowol. Aktuell werde eine entsprechende Vorlage für den Verkauf des Zollspeichers geschrieben und in den nächsten Tagen in den Geschäftsgang gehen.
Bei Heckel handelt es sich um eines der weltweit führenden Unternehmen für Holzblasinstrumente. Die Lieferzeit der Instrumente beträgt nach Auskunft von Ko-Geschäftsführerin Angelika Lucchetta bis zu 20 Jahre. Das Unternehmen wurde 1831 von Johann Adam Heckel und Carl Almenräder gegründet. Nach dem Ausscheiden Almenräders führte Heckel das Unternehmen zunächst alleine und später mit seinem Sohn Wilhelm unter dem Namen Wilhelm Heckel Biebrich fort. „In der Kunst ist das Beste gut genug“, habe das Motto Wilhelm Heckels gelautet, schreibt der Familienbetrieb auf seiner Website. Aktuell sitzt das Unternehmen an der Stettiner Straße im Stadtteil Biebrich.
Heckel will schon seit Jahren in den Zollspeicher
„Wir platzen aus allen Nähten“, sagte Lucchetta. Sie ergänzte, dass das Unternehmen schon seit 30 Jahren in den Zollspeicher umziehen möchte, aber bislang nicht zum Zug gekommen sei. Die Heckel GmbH hat nach eigenen Angaben bereits ein Baugrundstück in Walluf im Rheingau-Taunus-Kreis gekauft und wartet nun die Entscheidung der Wiesbadener Politik ab. Kowol sagte, dass die Stadt dem Unternehmen eine langfristige Perspektive bieten wolle. „Die zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten, was etwa die Produktionsstätten betrifft, sind im Zollspeicher vorhanden“, sagte Kowol. „Das Unternehmen freut sich darauf, in das Gebäude einziehen zu können.“
Weiter führte Kowol aus, dass mit dem Verkauf des Zollspeichers verhindert werden könne, dass das Unternehmen nach Walluf abwandert. „Es kann nicht sein, dass wir solch ein tolles Unternehmen, das fast 200 Jahre hier Weltklasseprodukte liefert, ziehen lassen.“ Sobald sich die Stadtverordneten im Februar für den Verkauf entscheiden, habe das Unternehmen die notwendige Planungssicherheit. „Da gibt es keinen Widerspruch, das wird von allen politischen Richtungen maximal unterstützt, das ist eigentlich nur noch eine Formsache“, sagte Kowol.
Die Firma werde das Gebäude, bei dem Teile unter Denkmalschutz stehen, sanieren und mit der entsprechenden Technik ausstatten. Die Sanierung wird laut Kowol mehrere Millionen Euro kosten. „Ich könnte mir vorstellen, dass man spätestens 2030 in das Gebäude einziehen kann“, sagte der Dezernent. Er äußerte die Hoffnung, dass ein Umzug schon 2029 gelingen könnte. Der Zollspeicher soll in die Planung des Rhein-Main-Ufer-Konzeptes integriert werden, für die Frage nach den Parkplätzen gebe es bereits Lösungsvorschläge. Es sei wichtig, dass es Parkplätze für die internationalen Kunden gebe, denn diese kämen häufig persönlich vorbei. Kowol geht davon aus, dass es daher Parkmöglichkeiten direkt am Gebäude gibt. Die Mitarbeiter müssten indes wahrscheinlich Parkplätze im Umfeld nutzen. Abschließend kündigte der Baudezernent an: „Ich will alles dafür tun, dass wir hier zu einem finalen Ergebnis und einer Toplösung kommen, die auch langfristig zum Wohl von Biebrich beiträgt.“