Remscheid/Wuppertal. Gestiegene Arbeitslosigkeit trotz anhaltenden Fachkräftemangels: „Das ist derzeit ein Paradoxon”, so Nathalie Schöndorf. Sie ist die Chefin der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal, die auch für Remscheid zuständig ist.
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In der Werkzeugstadt waren im Jahr 2025 durchschnittlich 5.066 Menschen arbeitslos. Das waren 166 (+ 3,4 Prozent) mehr als 2024. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote stieg von 8,1 Prozent im Jahr 2024 auf 8,4 Prozent im vergangenen Jahr. Diese aktuellen Zahlen hat die Agentur für Arbeit am Donnerstag bekannt gegeben.
Wie die Demographie sich bemerkbar macht
Die Zahl der sozialversicherten Beschäftigten ist über das gesamte Städtedreieck gesehen um 0,2 Prozent zurückgegangen, in Remscheid sogar um 1,1 Prozent. Damit waren 46.354 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Der Rückgang ist auch dem demografischen Wandel zuzuschreiben.
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Im Städtedreieck ist die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt um 10,7 Prozent gestiegen, davon befinden sich erheblich mehr Menschen in der Grundsicherung, weniger in der Arbeitslosenversicherung.
Worauf es künftig ankommen wird
Insgesamt zeigte sich der Arbeitsmarkt im Bergischen Städtedreieck für die Agentur stabil, auch wenn die Zahlen gestiegen seien. Betont wurde, dass der anhaltende Fachkräftemangel den Strukturwandel präge, vor dem die Region steht.
„Der Arbeitsmarkt steht vor großen Herausforderungen, zugleich eröffnen sich weiterhin viele Chancen. Entscheidend ist, Menschen gezielt zu qualifizieren und Unternehmen bei der Sicherung ihres Fachkräftebedarfs zu unterstützen“, sagt Schöndorf.
Das Städtedreieck ist geprägt durch Unternehmerfamilien, die schon viele Krisen überstanden haben und sich immer wieder neu erfinden mussten.
Nathalie Schöndorf, Chefin der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal
Grund zur Hoffnung äußerte sie auch. „Das Städtedreieck ist geprägt durch Unternehmerfamilien, die schon viele Krisen überstanden haben und sich immer wieder neu erfinden mussten.“ Immerhin gebe es in der Region zahlreiche „Hidden Champions“ – so nennt man Unternehmen, die zwar wenig Bekanntheit, dennoch aber Weltrang haben. In den Unternehmen sei daher trotz aller Herausforderungen auch viel Kraft.
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Welche Erfolge das Jobcenter verbucht
Wie das Jobcenter Remscheid mitteilt, haben durchschnittlich 7.595 erwerbsfähige Leistungsberechtigte im Jahr 2025 Bürgergeld bezogen. Das sind 247 weniger als im Vorjahr. In Ausbildung oder Arbeit konnten zudem 1.586 Menschen integriert werden. Das sind 116 mehr als im Vorjahr, so Sven Heidkamp, Geschäftsführer des Jobcenters Remscheid.
Hand in Hand mit den Zahlen, die den Arbeitsmarkt betreffen, gehen die Zahlen zum Ausbildungsmarkt. 583 Menschen bemühten sich der Agentur zufolge 2025 darum, in Remscheid einen Ausbildungsplatz zu finden. Das sind 36 Personen (und 6,6 Prozent) mehr als im Jahr davor. 129 junge Menschen sind aktuell noch ohne Ausbildung, 48 mehr als im Jahr davor. Der Vielzahl an Bewerbern standen 680 gemeldete Stellen gegenüber, 72 Plätze blieben unbesetzt.
Womit der Nachwuchs rechnen muss
Die Bergische Industrie- und Handelskammer hat im vergangenen Jahr 1.876 Ausbildungsverträge eingetragen. Das entspricht einem Rückgang von 106 Verträgen beziehungsweise 5,3 Prozent. Damit fällt der Rückgang geringer aus als im NRW-Durchschnitt, der bei den IHK-Berufen 7,2 Prozent beträgt.
Grund zum Jubeln liegt darin aber noch längst nicht. „Die Zahlen haben mich schon in Sorge versetzt. Dennoch lässt die Bereitschaft der Unternehmen im Bergischen nicht nach, ausbilden zu wollen. Aber der Ausbildungsmarkt wird aufgrund der wirtschaftlichen Situation angespannter. Die Jugendlichen müssen flexibler und mobiler werden“, sagt Carmen Bartl-Zorn, Geschäftsführerin Aus- und Weiterbildung bei der IHK. Nicht jeder Ausbildungswunsch könne immer auch erfüllt werden. In einigen Berufen sei die Nachfrage deutlich größer als das Angebot.
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Welche Handwerksberufe derzeit gefragt sind
Hinzu komme im Städtedreieck die angespannte Lage der Industrie. Noch kurz vor Weihnachten sind einige Unternehmer in die Wupper gegangen, um deutlich zu machen, dass ihnen das Wasser bis zum Hals steht (wir berichteten). „Die Industrie leidet. Wir brauchen dringend politische Maßnahmen, damit das Ausbildungs- und Beschäftigungsniveau nicht weiter sinkt“, so Bartl-Zorn.
Die Kreishandwerkerschaft vermeldet 948 Ausbildungsverträge für 2025. Das entspricht einem Zuwachs von 46 Verträgen, beziehungsweise einem Plus von 5,1 Prozent. „Gefragt sind vor allem grüne Berufe, Anlagenmechaniker und Kfz-Mechatroniker. Die Zahl der auszubildenden Dachdecker hat sich fast verdoppelt“, sagt Bastian Eidloth, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Remscheid.
Mit zahlreichen Aktionen von Jobbörsen über Praktika bis hin zu Messen wird nun wieder von allen Akteuren um die Azubis für 2026 geworben, um die Betriebe bei der Fachkräftesicherung zu unterstützen.
RGA