Der Bausektor in Deutschland verbraucht enorme Mengen an Rohstoffen und gehört gleichzeitig zu den größten Verursachern von Abfällen. Ein Gebäude fast gänzlich aus wiederverwendeten Baumaterialien und Bauteilen zu errichten, das hat sich das Projekt „kreisl“ der FH Münster auf die Fahne geschrieben.

Das Vorhaben nimmt Circular Economy – die zirkuläre Wertschöpfung – in den Fokus und bekommt dabei große Unterstützung verschiedenster kommunaler und privatwirtschaftlicher Kooperationspartner aus dem Münsterland, wie die Fachhochschule mitteilt. Der Bauantrag für den geplanten Pavillon namens „kreisl Kiste“ hat nun grünes Licht bekommen.

Start im Frühjahr 2026

Im Frühjahr 2026 errichtet das Team den Pavillon auf dem Domplatz in Münster – nordöstlich gelegen in Richtung Domgasse – als temporären Ausstellungs- und Veranstaltungsort; im Spätsommer wird das Gebäude wieder demontiert und für weitere Standorte zwischengelagert.

In seiner Zeit in Münsters Innenstadt soll die „kreisl Kiste“ Ort für Workshops, Vorträge und Diskussionsrunden rund um nachhaltige Entwicklung und zirkuläre Wertschöpfung sein oder einfach ein Treffpunkt zum Verweilen und Austauschen bei einem Getränk gegen Spende.

Ein Mock-up eines PavillonsEin Mock-up eines Pavillons Foto: Jakob Eisermann und Noah van Loon

„Wir freuen uns sehr, dass wir nach langer Planungsphase im Frühjahr tatsächlich mit dem Bau starten können“, sagt „kreisl“-Projektleiterin Laura Krieger. Für die Betriebszeit würden Menschen gesucht, die Formate wie Workshops anbieten möchten. Ideen könnten per E-Mail an kreisl-veranstaltungen@fh-muenster.de geschickt werden. Für Interessierte veranstaltet das „kreisl“-Team am 9. Februar von 15 bis 16.30 Uhr eine digitale Infoveranstaltung; Anmeldung unter fh.ms/Info-kreisl-Kiste.

Echtes Gemeinschaftsprojekt

Es handele sich um ein echtes Gemeinschaftsprojekt, sowohl an der FH Münster als auch mit verschiedensten Akteuren aus dem Münsterland. Die Bauherrinnenschaft und Projektleitung liegen bei der TAFH Münster GmbH. Die Arbeitsgemeinschaft Planung & Bau leitet Prof. Dr. Anja Rosen von der Münster School of Architecture (MSA), dem Fachbereich Architektur der FH Münster.

Förderer und Unterstützer

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Für die Planung, Materialbeschaffung und Umsetzung hat das kreisl-Team viele Unterstützerinnen und Kooperationspartner aus dem Münsterland: Die Stadt Münster, die Wirtschaftsförderung Münster, die Handwerkskammer Münster, das Handwerkskammer Bildungszentrum (HBZ) Münster, das Architekturbüro Heupel, die Brüninghoff Group, das Ingenieurbüro KIT.T, die Firmen Schüco, Köster und Derix, die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (awm), Elektro Heikes, der Tischlerei Meisterbetrieb Röwekamp & Stumpe, die Fairteilbar, Foodsharing, den Ernährungsrat Münster und das Designbüro studio form-agora. Die Entwicklung und Umsetzung der „kreisl Kiste“ wird zudem vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (MKW NRW) aus dem Zukunftsfonds gefördert.

Gemeinsam mit Krieger hat sie die Vorbereitungen und Planung für die Umsetzung auf dem Domplatz federführend vorangebracht. Mit ihren Studierenden hat Rosen den zirkulären Pavillon und die besonderen Fassaden aus Wertstoffen entworfen. Die angehenden Architektinnen und Architekten fertigen diese in den Werkstätten der Hochschule, je etwa neun Quadratmeter pro Seite, zum Beispiel aus Folien ausgedienter LCD-Bildschirme.

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„Alle weiteren Bauteile waren bereits einmal in einem Gebäude verbaut. Und auch da haben wir viel Unterstützung: Beispielsweise wurden die Fenster aus einer abgebrochenen Schule in Sprakel vom ursprünglichen Hersteller zerstörungsfrei ausgebaut, sodass wir diese im Pavillon wieder einsetzen können“, erklärt Rosen.

Das „kreisl“-Team hat am 15. Oktober 2025 eine Pop-up-Veranstaltung im FHZ durchgeführt, um Studierenden das Projekt näherzubringen.Das „kreisl“-Team hat am 15. Oktober 2025 eine Pop-up-Veranstaltung im FHZ durchgeführt, um Studierenden das Projekt näherzubringen. Foto: FH Münster/Michelle Liedtke

Die Leitung der Technischen Gebäudeausstattung übernimmt Prof. Dr. Peter Hollenbeck vom Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt (EGU). „Das Konzept der Kreislaufwirtschaft in einem kleinen realen Projekt in der Gebäudetechnik umzusetzen, wirft eine Menge von Detailfragen auf, denen wir uns stellen müssen und die uns aktuelle rechtliche und technische Grenzen verdeutlichen. Lösungen zu finden und einige etablierte Punkte zu hinterfragen, macht das Projekt so spannend“, sagt Hollenbeck.

Für das Tragwerk ist nun fast alles an Material vorhanden. „Damit die Architekturstudierenden die Fassaden fertigen können, haben wir eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, die noch bis zum 31. März läuft“, erklärt Krieger. (Unterstützung möglich unter www.startnext.com/kreisl-kiste)

Hier präsentiert sich das Projekt auf Instagram.

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