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Ab 2027 gilt eine neue Bargeld-Obergrenze in Deutschland. Barzahlungen von mehr als 10.000 Euro sind dann Geschichte. Welche Ausnahmen es gibt, erfahren Sie hier.
Fulda – In Deutschland können Verbraucher derzeit noch unbegrenzt hohe Beträge in bar bezahlen. Das ist aufgrund einer Entscheidung, die die Europäische Union bereits 2024 getroffen hat, ab Sommer 2027 nicht mehr möglich. Wie ruhr24.de berichtet, tritt die EU-weite Bargeld-Obergrenze von 10.000 Euro in Kraft. Eine Maßnahme, die darauf abzielt, Geldwäsche und die Finanzierung von Terrorismus einzudämmen.
Ab 2027 gilt eine neue Bargeld-Obergrenze in Deutschland. (Archivbild) © Jan Woitas/dpa
Während schon jetzt bei Summen über 10.000 Euro Käufer ihre Identität nachweisen und die Herkunft des Geldes belegen müssen sowie Händler verpflichtet sind, diese Informationen zu dokumentieren und zu speichern, ist dies künftig bereits ab einem Betrag von 3000 Euro erforderlich. Diese Regelung verschärft die bisherigen Anforderungen an den Identitätsnachweis erheblich.
EU-Regelung kommt: Neue Bargeld-Obergrenze in Deutschland ab 2027
Allerdings betrifft die Bargeld-Obergrenze auch ab 2027 lediglich gewerbliche Transaktionen. Zahlungen zwischen Privatpersonen sind – solange keine der Parteien beruflich mit dem Verkaufsobjekt handelt – von dieser Regelung ausgenommen. So könne man beispielsweise ein Auto weiterhin unbegrenzt bar vom Nachbarn kaufen, es sei denn, der Nachbar ist Autohändler, heißt es weiter auf ruhr24.de.
Zahlreiche EU-Länder haben schon jetzt niedrigere Bargeld-Obergrenzen und können diese selbstverständlich beibehalten. Die EU-Regelung gilt lediglich als Mindeststandard. Strengere nationale Vorschriften bleiben davon unberührt. So haben Frankreich und Spanien beispielsweise eine Grenze von 1000 Euro festgelegt. In Griechenland liegt die Grenze sogar schon jetzt bei 500 Euro, in Italien bei 5000 Euro.
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In Deutschland gebe es bislang lediglich vereinzelte Beschränkungen bei Barzahlungen. Seit Januar 2020 gilt laut ruhr24.de im Edelmetallhandel ein Limit von 1.999,99 Euro für anonyme Käufe. Bei höheren Beträgen müsse der Händler die Identität des Kunden feststellen und die entsprechenden Dokumente aufbewahren. Darüber hinaus ist die Barzahlung beim Immobilienkauf seit dem 1. April 2023 vollständig untersagt. Notare müssen demnach bei der Beurkundung überprüfen, wie die Immobilie bezahlt wurde.
Die Einführung der Bargeld-Obergrenze wird dabei unterschiedlich aufgenommen. Datenschützer kritisieren laut sparkasse.de, dass man elektronische Zahlungen grundsätzlich immer zurückverfolgen könne. Daher gelte die Bargeldobergrenze grundsätzlich als eine Einschränkung der Freiheit. Auch dass eine Bargeldobergrenze Terrorismus, Kriminalität oder Schwarzarbeit wirksam eindämme, bezweifeln demnach viele Experten. Zudem seien einige Händler auf höhere Bargeldzahlungen eingerichtet, wie beispielsweise Autoverkäufer. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV), der Dachverband der Sparkassen-Finanzgruppe, äußert sich ebenfalls zurückhaltend zur Wirksamkeit von Bargeldobergrenzen im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, heißt es weiter.
Bargeld verliert weiter an Bedeutung – Experten zweifeln erwünschte Wirkung an
Wie t-online.de mit Bezug auf eine Studie der Deutschen Bundesbank berichtet, ist die Nutzung von Bargeld indes insgesamt weiter rückläufig. Zwar werde Bargeld der Untersuchung nach nie ganz verschwinden, aber in Zeiten von Echtzeitüberweisungen und Co. in den nächsten 10 bis 15 Jahren weiter an Bedeutung verlieren. Die Befragung der Bundesbank ergab laut t-online.de, dass sich viele Deutsche wünschen, auch in Zukunft die Möglichkeit einer Barzahlung zu haben.
„In der repräsentativen Umfrage gaben 93 Prozent der Befragten an, dass sie auch in Zukunft selbst entscheiden möchten, ob sie bar oder unbar bezahlen“, so die Bundesbank in einer Pressemitteilung. In deutschen Innenstädten und Supermärkten stoßen Kunden inzwischen jedoch immer häufiger auf Schilder mit der Aufschrift „No Cash“. Der Verbraucherzentrale Bundesverband schlägt nun Alarm, wie merkur.de berichtet.
Ein spezieller Bankservice, der das Bargeld betrifft, wurde indes zum Jahreswechel abgeschafft: In 2026 stellt die Deutsche Post die Barzahlung der Rente ein. Ab dem 1. Januar 2026 kommt die Rente daher ausschließlich per Überweisung aufs Bankkonto. Bis Ende 2027 wird ein weiterer Service der Bank eingestellt: So sind Schecks als papiergebundenes Zahlungsmittel dann endgültig Geschichte.