16. Januar 2026

Marcel Kunzmann

Flagge der USA und Venezuelas

Die USA haben mit dem Verkauf von beschlagnahmtem venezolanischem Erdöl begonnen

(Bild: Tomas Ragina/Shutterstock.com)

Washington hat erstes beschlagnahmtes venezolanisches Öl verkauft. Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez kündigt Reformen an und gibt sich kampfbereit.

Die US-Regierung hat den ersten Verkauf von venezolanischem Öl im Wert von 500 Millionen US-Dollar abgeschlossen, wie ein Regierungsbeamter mitteilte. In den kommenden Tagen und Wochen seien weitere Verkäufe zu erwarten.

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Seit der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro Anfang Januar durch das US-Militär hat Präsident Donald Trump wiederholt seinen Anspruch auf die Ölreserven des südamerikanischen Landes bekräftigt.

Am Freitag erklärte Trump, die Ölindustrie werde mindestens 100 Milliarden US-Dollar investieren, um Venezuelas angeschlagenen Energiesektor wiederaufzubauen. Woher diese Zahl stammt, blieb unklar.

Skepsis der US-Ölindustrie

Die Pläne der Trump-Administration stießen bei US-Energiemanagern auf Zurückhaltung. ExxonMobil-Chef Darren Woods hielt die Pläne bei einem Treffen im Weißen Haus am Freitag für unrealistisch. „Es müssten eine Reihe rechtlicher und kommerzieller Rahmenbedingungen geschaffen werden, um überhaupt zu verstehen, welche Renditen wir auf die Investition erhalten würden“, so Woods.

Weitere Führungskräfte äußerten ebenfalls Bedenken hinsichtlich Geschäften in dem krisengeschüttelten und bis dato weiterhin scharf sanktionierten lateinamerikanischen Land. Nach dem mehrstündigen Treffen am Freitag hatten Trump und seine engsten Berater keine größeren Investitionszusagen von Unternehmen erhalten.

Dessen ungeachtet nimmt der Verkauf von bereits beschlagnahmtem Öl an Fahrt auf. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch berichtete, wurde venezolanisches Rohöl der Sorte Merey-16 diese Woche Raffinerien an der US-Golfküste mit einem Abschlag von rund sechs US-Dollar zum Brent-Rohöl angeboten. Zum Vergleich: West Canadian Select wurde am Dienstag in Houston mit einem Abschlag von etwa 12,50 US-Dollar zum Brent gehandelt. Damit liegt venezolanisches Öl preislich über konkurrierenden kanadischen Sorten.

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Die globalen Rohstoffhändler Vitol und Trafigura hatten vergangene Woche Vereinbarungen mit der US-Regierung getroffen, um bei der Vermarktung des beschlagnahmten venezolanischen Öls zu helfen. Dies geschah wenige Tage nachdem die Übergangsregierung in Caracas zugestimmt hatte, bis zu 50 Millionen Barrel Rohöl in die USA zu exportieren.

Die Verkaufserlöse sollen auf ein Treuhandkonto in Katar überwiesen werden. Laut Trump soll ein Teil der Einnahmen für Investitionen in Venezuela aufgewandt werden – wie die Verteilung am Ende des Tages jedoch aussieht, dürften die USA bestimmen.

Rodríguez kündigt Ölreform an

Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez zeigte sich in ihrer ersten Rede vor dem Parlament selbstbewusst. Das Land habe keine Scheu, den USA diplomatisch entgegenzutreten, sagte sie am Mittwoch. „Wir wissen, dass sie sehr mächtig sind. Wir wissen, dass sie eine Atommacht sind“, erklärte Rodríguez mit Blick auf die Vereinigten Staaten. „Wir scheuen uns nicht, ihnen diplomatisch, durch politischen Dialog, entgegenzutreten.“

Rodríguez war zur Übergangspräsidentin ernannt worden, nachdem Maduro bei einem völkerrechtswidrigen US-Militäreinsatz Anfang Januar gefangen genommen wurde. Der venezolanische Präsident sitzt in New York in Haft, wo ihm wegen „Drogenterrorismus“ der Prozess gemacht werden soll.

In ihrer Rede legte Rodríguez dem Parlament eine Gesetzesinitiative zur Stärkung der Ölindustrie vor. Die Reform ermögliche zusätzliche ausländische Investitionen in den Energiesektor, sagte sie. Am Vortag hatte Rodríguez bereits angekündigt, „jeden Dollar“ aus dem Öl- und Gasgeschäft in den maroden Gesundheitssektor zu investieren.

„Aufrecht nach Washington“

Rodríguez bekräftigte zugleich Venezuelas Recht auf Beziehungen zu den USA, aber auch zu allen anderen Ländern der Welt. „Es gibt einen Makel in den Beziehungen zwischen Venezuela und den Vereinigten Staaten, aber wir werden ihn von Angesicht zu Angesicht mit unserer Diplomatie klären“, sagte Rodríguez.

„Wenn ich nach Washington gehen müsste, würde ich aufrecht gehen, nicht kriechend“, erklärte sie. Unabhängig von politischen Tendenzen müssten die Venezolaner „gemeinsam unsere Souveränität und den Frieden der Republik verteidigen“.

Rodríguez erinnerte daran, dass dem Angriff im Januar bereits seit Dezember eine Seeblockade vorausgegangen war, mit der versucht worden sei zu verhindern, „dass Venezuela in freien Handelsbeziehungen mit der Welt die Produkte seiner Energieindustrie verkaufen kann“.