Silkeborg. Bei der Handball-Europameisterschaft präsentiert sich der junge Kreisläufer Justus Fischer mit blondierten Haaren und breitem Grinsen. Der 22-Jährige ist von einem Muskelfaserriss genesen und ist in der Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason trotz seines jungen Alters längst keiner mehr von den Neuen. Der Spaßvogel von der TSV Hannover-Burgdorf ist heiß umworben. Auch vom deutschen Rekordmeister THW Kiel.
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Wie weit sind die Verhandlungen mit dem THW Kiel fortgeschritten?
Nach Informationen der Kieler Nachrichten sollen die Verhandlungen zwischen Fischer und der Zebraführung weit fortgeschritten, die finale Unterschrift unter einem Arbeitspapier an der Förde nur noch Formsache sein. THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi will indes zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr sagen als: „Es ist kein Geheimnis, dass wir uns auch in der Vergangenheit schon um Justus bemüht haben.“
Doch dann verlängerte Fischer seinen Vertrag bei den Hannoveraner Recken bis 2027, und genau so lange will der Jungstar und U21-Weltmeister von 2023 auch am Maschsee bleiben. „Ich mache mir schon sehr viele Gedanken, stelle mir die Frage: Wann ist der Punkt da, in einen Verein mit noch mehr Qualität zu wechseln? Ich bleibe auf jeden Fall aber bis 2027 in Hannover.“ –
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Genau dann würde Fischer als Nachfolger von Hendrik Pekeler am Kreis und im Abwehr-Innenblock perfekt ins Kieler Gefüge passen. Momentan agieren die Zebras mit vier Kreisläufern: Pekeler und Petter Øverby, deren Verträge zum kommenden Sommer auslaufen und noch in der Schwebe sind, Lukas Laube (Vertrag bis 2027) und Veron Nacinovic (Vertrag bis 2028).
Die Recken aus Hannover überwintern nur auf Platz neun
Nach dem Höhenflug der Vorsaison läuft es für Fischer in der aktuellen Spielzeit bescheiden bei den Niedersachsen, die auf Platz neun der Handball-Bundesliga überwintern und sich vorzeitig von Trainer Christian Prokop trennten. Ab sofort soll der spanische Weltmeistertrainer Juan Carlos Pastor die Geschicke des European-League-Teilnehmers leiten. „Die Phase in Hannover zuletzt war nicht so gut. Aber wir junge Spieler lernen daraus. Vorher ging es nur steil bergauf. So ein Tief ist auch gut für die Entwicklung”, sagt Fischer. „Und mit dem neuen Trainer kommt eine brutal andere Qualität durch die spanische Schule. Das wird mir am Kreis besonders weiterhelfen. Ich freue mich auf die nächsten eineinhalb Jahre.“
Wenn man von Weltklasse spricht, ist Kiel auf jeden Fall eine Option. Ich möchte Champions League spielen und bin mit vielen Vereinen in Kontakt.
Justus Fischer
Kreisläufer von der TSV Hannover-Burgdorf
Er stehe zu seinem Wort, bis 2027 in Hannover bleiben zu wollen, betont Fischer. Das Preisschild für einen vorzeitigen Wechsel schon im kommenden Sommer soll bei der TSV ohnehin bei 700.000 Euro liegen. Nichtsdestotrotz macht Justus Fischer aus seinen Zukunftsüberlegungen keinen Hehl: „Wenn man von Weltklasse spricht, ist Kiel auf jeden Fall eine Option. Ich möchte Champions League spielen und bin mit vielen Vereinen in Kontakt.“
Fischers reflektierte Offenheit korrespondiert mit seiner neuen Rolle auch im Nationalteam. Er bringt es bereits auf 35 Länderspiele (42), gewann 2024 die olympische Silbermedaille. „Wir Youngsters sind in eine andere Rolle hineingewachsen, verstehen, dass wir ein anderes Standing haben. Ich bringe immer noch gute Laune in die Mannschaft, aber bringe auch meine Leistung. Das fühlt sich gut an.“ Er sei „bereit“ für die EM. „Sobald der Trainer sagt ,Geh aufs Spielfeld‘, werde ich mein Leben geben.“
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Bis zum Alter von 19 hörte Justus Fischer fast nur Weihnachtslieder
Er weiß, wie übertrieben das klingt und grinst. Auch das ist Justus Fischer, der bis zu seinem 19. Lebensjahr fast ausschließlich Weihnachtslieder hörte („Ich liebe die Weihnachtszeit, ich kriege dann immer gute Laune“) und die meiste Zeit mit seiner jüngeren Schwester Frida verbringt, die gerade eine Model-Karriere startet und, so Fischer, als „Influencerin bei TikkiTokki“ unterwegs sei.
Nicht selten trifft man beide im „Lokal Kaffeehaus“ an, wenn Justus nicht gerade sportlich unterwegs ist („Ich habe Tennis und Tischtennis für mich entdeckt“). Bald wird ein Fernstudium im Fach Immobilienwirtschaft Zeit in Anspruch nehmen. 2014 schnappte sich Vater Thorsten Fischer in der Sendung „Wer wird Millionär?“ als einer von bis heute nur 16 Gewinnern die Million. Sohn Justus sieht sich nicht bei Günther Jauch auf dem Stuhl. Beim THW Kiel am Kreis schon eher. Und so weit ist es von dort aus ins Kaffeehaus auch nicht.
KN