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Der Brand in einer Bar in Crans-Montana beschäftigt weiter die Ermittler. Erneut kommen Details aus der Vernehmung der Bar-Betreiber ans Licht.
Crans-Montana – 40 überwiegend sehr junge Menschen sind bei dem Brand in der Silvesternacht in der Bar Le Constellation im Schweizer Skiort Crans-Montana ums Leben gekommen. 116 Besucher wurden verletzt, etwa 80 befinden sich weiter in Krankenhäusern. Nun bekommen die Opfer und ihre Angehörigen eine finanzielle Soforthilfe. Die Betreiber der Bar wurden bereits vernommen. Nun sickerten aus der Vernehmung neue Details an die Öffentlichkeit.
Der Brand in der Bar in Crans-Montana wurde mutmaßlich unabsichtlich durch funkensprühende Partyfontänen ausgelöst. © Montage MAXIME SCHMID / AFP und Screenshot/X
Ereignet hat sich die Tragödie in der Silvesternacht am frühen Neujahrsmorgen. Bereits Stunden nach der Katastrophe legten Handy-Videos von Besuchern der Bar den Verdacht nahe, dass der Schaumstoff an der Decke im Untergeschoss der Bar Feuer gefangen haben muss. Ausgelöst mutmaßlich durch eine Kellnerin, die auf den Schultern einer anderen Person saß, einen Motorradhelm auf dem Kopf trug und funkensprühende Partyfontänen in Champagnerflaschen servierte.
Nach Brand in Crans-Montana: Junge Kellnerin offenbar ebenfalls unter den Todesopfern
Die junge Frau soll laut einem Medienbericht ebenfalls unter den Todesopfern sein. Wie das Schweizer Portal Tagesanzeiger erfahren haben will, sei die junge Kellnerin hinter einer Servicetür leblos gefunden worden. Der Besitzer der Bar, Jacques Moretti, hatte zuvor in einer Vernehmung gestanden, dass die Servicetür von innen verriegelt gewesen sei. Und auch der Notausgang der Bar wirft Fragen auf. Bilder einer Überwachungskamera schüren einen furchtbaren Verdacht.
Bei der Vernehmung sollen sich Jaques und seine Ehefrau Jessica Moretti auch zu der Kellnerin geäußert haben. Zuvor war bereits bekannt geworden, dass das Paar den Gebrauch der funkensprühenden Partyfontänen zugegeben habe. Jessica Moretti habe laut dem Tagesanzeiger gestanden, dass die Effekte beim Servieren von Champagner verwendet wurden, um „Stimmung zu machen“. „Ich habe das nie verlangt, aber auch nie verboten“, soll die Frau des Bar-Besitzers demnach ausgesagt haben. Das Paar will zudem die junge Kellnerin als die Person identifiziert haben, die in dem Video den Motorradhelm auf dem Kopf getragen habe.
Silvesternacht: Brand in Schweizer Bar fordert 40 Todesopfer – Bilder vom Unglücksort
Fotostrecke ansehenWeitere Details aus der Vernehmung des Bar-Betreiber-Paars durchgesickert
Die italienische Zeitung Corriere della Sera berichtet nun weitere Details aus einer Vernehmung des Paares. Ob es sich dabei um die gleiche Vernehmung vom Freitag, 9. Januar handelt, ist nicht bekannt. So soll das Paar gegenüber den Ermittlern der jungen Kellnerin im Wesentlichen die Schuld an dem Brand gegeben haben. Die verhängnisvolle Aktion habe die junge Frau demnach aus eigenem Antrieb getan. Jacques Moretti habe zudem ausgesagt, dass es seiner Meinung nach zu gefährlich wäre, in einem solchen Moment auf den Schultern einer anderen Person zu sitzen.
Laut Jessica Moretti sei es nicht das erste Mal gewesen, dass die junge Frau sich auf die Schultern einer anderen Person gesetzt habe. Neben den Anschuldigungen habe das Paar zugleich sehr nahbar und freundschaftlich von der jungen Frau gesprochen, habe sie sogar „wie eine Tochter“ beschrieben. Details, die die Eltern der jungen Frau durch eine Mitteilung einer Anwältin entschieden zurückgewiesen hätten. Das berichtet ebenfalls Corriere della Sera. Demnach habe die Anwältin der Eltern erklärt, dass zwischen der jungen Frau und den beiden Bar-Betreibern lediglich ein berufliches Verhältnis bestanden habe. Die Kellnerin habe zudem mit einer Gewerkschaft in Kontakt gestanden, „um ihre Rechte geltend zu machen“. Um welche Probleme es sich hier gehandelt haben könnte, ist dem Bericht nicht zu entnehmen.
Bar-Betreiber mittlerweile in Untersuchungshaft, seine Ehefrau darf Land nicht verlassen
Bereits zuvor hatte die Familie über eine Mitteilung ihrer Anwältin betont, dass ihre Tochter in der verhängnisvollen Nacht die Anweisungen ihrer Arbeitgeber befolgt habe: „Sie hat vor der Geschäftsführerin getan, was von ihr verlangt wurde. Das war nichts Ungewöhnliches“. Unmittelbar nach der Vernehmung wurde der Besitzer der Bar in Untersuchungshaft genommen. Gegen seine Frau, Jessica Moretti, wurden inzwischen bestimmte Auflagen verhängt. Die Französin darf die Schweiz nicht verlassen und muss sowohl ihren Pass als auch ihre Ausweispapiere abgeben.
Noch immer werden Dutzende Brandopfer in Kliniken behandelt, auch in Deutschland. Um umgehend Unterstützung zu leisten, bekommen die 150 Opfer der Brandkatastrophe und ihre Angehörigen vom Schweizer Kanton Wallis eine finanzielle Soforthilfe. Der Staatsrat hat die Zahlung von 10.000 Franken (rund 10.700 Euro) beschlossen, diese werde an die Familien der 40 Todesopfer und die 116 Überlebenden gezahlt, die nach dem Brand in der Silvesternacht ins Krankenhaus mussten.
Der Kanton kündigte auch eine Stiftung für Opferhilfe an. Alle Spenden von Privatpersonen und Organisationen würden nach noch zu entwickelnden Modalitäten an die Betroffenen weitergeleitet. Für den Türsteher, der Besucher retten wollte, kam jedoch jede Hilfe zu spät. Er wurde mittlerweile in seiner Heimat beigesetzt. Quellen: dpa, Tagesanzeiger, Corriere della Sera (jl)