Eine Sache vorweg: Ich bin großer Großbritannien-Fan. Egal ob es um London geht, Manchester oder Newcastle: Es ist ein Land mit vielen Gegensätzen, Urlaub wird da niemals langweilig. Doch nun hat das Vereinigte Königreich die Einreise für Touristen und Geschäftsleute erschwert. Ab April 2025 benötigt man nun die Electronic Travel Authorisation, kurz ETA.

Die Reaktionen darauf, beispielsweise auf Social Media, waren alles andere als positiv. „Das war meine letzte Reise“, schreibt ein User auf Instagram. Ein anderer spricht von „amerikanischen Verhältnissen“. Doch ist die Einreise nach Großbritannien wirklich komplizierter geworden? Um das herauszufinden, starte ich einen Selbstversuch.

England-Toursiten müssen ETA per App oder Online beantragen

Grundsätzlich müssen nun EU-Bürger das ETA-Verfahren durchlaufen. Die Art der Anreise (Flugzeug, Zug, Schiff) ist dabei unerheblich. Wer im Vereinigten Königreich nur umsteigen möchte und dabei weder den Transitbereich des Flughafens verlässt, noch eine Grenzkontrolle passiert, benötigt in der Regel keine elektronische Einreisegenehmigung. Im Zweifel sollte man bei der Airline nachfragen.

Einreisegenehmigung ETA für Großbritannien

Seit dem 2. April benötigen deutsche Reisende, die kein Visum haben, die neue elektronische Einreisegenehmigung Electronic Travel Authorisation (ETA).
© DPA Images | Jan Mies

Die Beantragung könnte allerdings gerade für ältere Menschen eine Hürde sein. Denn die ist nur online möglich, entweder über die offizielle ETA-App oder über das Portal der britischen Regierung. Ich habe die App aus dem Store heruntergeladen.

ETA-Verfahren: Behörden warnen vor Abzocke

Ein weiterer Stolperstein sind die mittlerweile sehr vielen Angebote von Vermittlern, die nicht immer seriös sind. Ziel ist es oft, durch überhöhte Gebühren den Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen, sowie an deren persönliche Daten zu gelangen. Die hessische Polizei warnt und berichtet von einem besonders krassen Fall: Eine Frau war bei der Suche nach Informationen über ETA auf eine gefälschte Seite gestoßen, wo sie ihre Passdaten hochlud und für das angebliche Visum 99 Dollar bezahlte. Sie bemerkte den Betrug jedoch rechtzeitig und sperrte die Kreditkarte.

Daher folgende Tipps:

  • Die Beantragung ausschließlich über die offizielle ETA-App oder über die Seite der britischen Regierung (gov.uk) veranlassen.
  • Bei anderen Anbietern Vorsicht walten lassen, auch wenn die Portale der britischen Regierung ähnlich sehen.
  • ETA kostet 16 Pfund, je nach Wechselkurs sind das 18-20 Euro. Werden andere Summen verlangt sollten Reisende das Angebot gründlich prüfen.

ETA-Antrag: Diese persönlichen Daten werden abgefragt

Die ETA-App ist relativ eindeutig und klar strukturiert. Zunächst wird ein Bild vom Reisepass und dann nochmal von sich selbst gefordert. Der Personalausweis reicht nicht aus. Die Bilder müssen scharf sein. Die vier Ecken der Passseite müssen auf dem Reisepass-Foto sichtbar sein. Im Anschluss kommen noch ein paar Fragen, welche USA-Reisenden durchaus bekannt vorkommen dürften:

  • Haben Sie einen Job?
  • Wurden Sie jemals strafrechtlich verurteilt?
  • Waren Sie jemals in eine der folgenden Handlungen verwickelt oder wurden Sie verdächtigt, eine der folgenden Handlungen begangen zu haben? Kriegsverbrechen, Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Terrorismus, einschließlich Unterstützung von oder Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Unterstützung extremistischer Gruppen oder Äußerung extremistischer Ansichten.

Bei der Beantwortung der Fragen gilt: ehrlich sein, keine falschen Angaben machen – auch nicht aus Spaß. Wichtiger Hinweis: Die Beantragung ist momentan nur auf Englisch möglich. Nutzer müssen also im Zweifel ein Übersetzungstool bemühen oder andere Menschen um Hilfe bitten.

Die britische Hauptstadt London ist bei deutschen Urlauberinnen und Urlaubern sehr beliebt.

Die britische Hauptstadt London ist bei deutschen Urlauberinnen und Urlaubern sehr beliebt.
© PA Wire/dpa | Victoria Jones

Zu guter Letzt muss noch die Gebühr in Höhe von 16 Pfund entrichtet werden. Die Bezahlung ist derzeit mit Kreditkarte, Google Pay und Apple Pay möglich. Der gesamte Vorgang ist innerhalb von wenigen Minuten erledigt. Wenn man alles richtig gemacht, landet kurz nach Abschluss eine Bestätigungsmail des „UK Visas and Immigration Home Office“ im E-Mail-Postfach, dass der Antrag geprüft wird.

Einreise nach Großbritannien – wird alles klappen?

Dann heißt es erstmal Warten. In meinem Fall aber nicht besonders lange. Nicht mal eine Stunde später kommt die Nachricht: „Your ETA application has been approved.“ Auch wenn es also schnell gehen kann, sollte man die Beantragung nicht zu lange anstehen lassen. Die britische Regierung gibt eine Bearbeitungszeit bis zu drei Werktagen an. Zusätzlich weist das Vereinigte Königreich darauf hin, dass eine gültige ETA nur die Erlaubnis zum Antritt der Reise nach Großbritannien ist. Ob man ins Land hineingelassen wird, entscheidet sich erst bei der Grenzkontrolle.

Da ich nun die Erlaubnis habe, steige ich in den Flieger nach London. Dort angekommen, steigt die Spannung. Wird es Schwierigkeiten an der Passkontrolle geben? Wird nach meiner Einreisegenehmigung gefragt oder nach meinen Plänen? Nichts von alledem, ich werde positiv überrascht: Die automatisierte Kontrolle scannt meinen Pass, anschließend mein Gesicht und prompt öffnet sich wortwörtlich das Tor zum Vereinigten Königreich.

Fazit zu ETA: Viel Lärm um nichts?

Ähnlich unkompliziert verlief einige Tage später auch die Rückreise. Der einzige Unterschied bei meiner nun sechsten Großbritannien-Reise im Vergleich zu den vorherigen, war die ETA-Beantragung. Ansonsten lief die Einreise so wie immer.

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Die britische Regierung erklärt, das neue Verfahren beschleunige die Einreise. Ich kann das aus meiner Erfahrung heraus weder verneinen noch bejahen. Der Aufwand hält sich aber in Grenzen und die 16 Pfund Gebühr sind überschaubar. Und wenn die Genehmigung kommt, ist ETA für zwei Jahre gültig. In diesem Zeitraum sind mehrmalige Reisen sowie Aufenthalte bis zu sechs Monate möglich. Aber: Läuft in dieser Zeit der Pass ab, muss auch ETA neu beantragt werden.

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Im Übrigen plant auch die Europäische Union ihrerseits eine elektronische Einreisegenehmigung für Reisende aus Drittstaaten, die kein Visum benötigen. „ETIAS“ soll Ende 2026 in Betrieb gehen. Insofern herrscht in dieser Hinsicht bald gleiches Recht für alle.