Der Schnee ist geschmolzen, der Asphalt unter der Eisdecke längst wieder zu sehen. Doch die Folgen des kurzen, aber heftigen Wintereinbruchs in Mönchengladbach sind noch spür- und teils auch sichtbar. Vermehrt sind Menschen auf glatten Wegen und Straßen gestürzt. Wer einmal einen Knochenbruch hatte, weiß, es dauert Wochen, bis alles wieder geheilt ist. Aber auch andere Verletzungen können längere Zeit beeinträchtigen.

Brillenhämatom statt Bruch

So wie bei Ute Müller. Sie war am vergangenen Sonntag im Hardter Wald spazieren. „Ich habe nur ein Taschentuch gesucht, schon lag ich da“, sagt sie. Weil der Weg spiegelglatt war, sei sie vornüber aufs Gesicht gefallen. Die Verletzungen sind heftig. Immer noch wird sie regelmäßig gefragt, was ihr denn passiert sei. Kein Wunder: Hat sie doch große rot-blaue Blutergüsse unter den Augen. Und direkt über der Nase muss sie nach wie vor ein Pflaster tragen. „Das ist ein Brillen-Hämatom“, so Müller. Der Abdruck ihrer Brille, auf die sie gestürzt ist, ist in ihrem Gesicht deutlich erkennbar. Zum Arzt musste sie nicht – den hat sie zu Hause. „Mein Mann ist Mediziner und er hat mich versorgt.“ Er desinfizierte die Wunden. Sterile Pflaster trägt sie, weil die Haut über der Nase weggeklafft sei. Die Brille wurde zunächst notdürftig geflickt. Als sie am Donnerstag beim Orthopäden war, habe dieser sie allerdings ermahnt, dass sie sich direkt hätte untersuchen lassen sollen. „Auch meine Tochter hat geschimpft, dass ich bei dem Wetter spazieren war“, so Müller. Sie nimmt es gelassen: „Bei den Witterungsverhältnissen hätte ich mir überall den Hals brechen können.“

Notaufnahmen stärker frequentiert

Die Notaufnahmen waren infolge von gehäuften witterungsbedingten Unfällen und Verletzungen in den vergangenen Tagen stärker beansprucht als üblichweise. Dies hat eine Abfrage unserer Redaktion Kostenpflichtiger Inhalt unter den vier Akutkrankenhäusern in der Stadt ergeben.

So hat das Krankenhaus Neuwerk in den vergangenen Tagen eine leichte Zunahme an Patientinnen und Patienten mit Knochenbrüchen verzeichnet, teilt ein Sprecher mit. Exakte Fallzahlen liegen aktuell nicht vor, doch die Notaufnahme registrierte eine Häufung typischer Verletzungen für diese Witterungsverhältnisse.

Was die häufigsten Verletzungen waren

„Vor allem Frakturen an Sprunggelenken, Hüften und Armen haben uns in den vergangenen Tagen vermehrt beschäftigt“, sagt Thorsten Reith, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notfallambulanz am Krankenhaus Neuwerk. Das medizinische Team in der Notaufnahme sowie die Unfallchirurgie seien gut vorbereitet gewesen und hätten alle Betroffenen schnell und professionell versorgen können, heißt es weiter. Das Neuwerker Krankenhaus, das zur Neusser St. Augustinus Gruppe gehört, hat einen orthopädischen Schwerpunkt.

Scheinbar harmlose Stürze mit schweren Folgen

Der Notfallmediziner Thorsten Reith weist darauf hin, dass auch „scheinbar harmlose Stürze“ schwerwiegende Folgen haben können – insbesondere für ältere Menschen. Ein vorsichtiger Gang und gutes Schuhwerk seien bei Glätte besonders wichtig, um Stürzen vorzubeugen, lautet seine Empfehlung – auch in Hinblick auf weitere kalte und glatte Wintertage.

Die Zentrale Notaufnahme der Städtischen Kliniken verzeichnete höhere Fallzahlen in der Kategorie „Stürze“ – etwa ein Drittel mehr. Im Zeitraum vom 7. bis 10. Januar wurden 40 statt der sonst rund 30 Fälle (plus 33,3 Prozent) registriert. Eine Sprecherin des Elisabeth-Krankenhauses weist darauf hin, dass die Ursache – also, ob die Stürze infolge von Glatteis oder Schnee passieren – nicht erfasst wird. Jedoch sei „die Belastung in der Notaufnahme während der Schlechtwettertage insbesondere durch unfallchirurgische Diagnosen und Sturzereignisse geprägt“ gewesen, so die Sprecherin weiter.

In den relevanten Tagen stiegen besonders die Kopfverletzungen signifikant um 66,7 Prozent von 18 auf 30 Fälle. Bei den Wunden zeigte sich ein moderater Anstieg um 12,5 Prozent von 16 auf 18 Fälle.

Das Gesamtaufkommen der Notaufnahmen am „Eli“ stieg im Vergleich zur Vorwoche dabei nur leicht um 3,5 Prozent von 427 auf 442 Patienten und Patientinnen. Bei unfallbedingten Fällen wie Stürzen und Kopfverletzungen jedoch gab es einen stärkeren Anstieg von 6,5 Prozent. Insgesamt blieb die Patientenzahl damit weitgehend stabil, während sich die Gründe für die Behandlungen spürbar verschoben.

Unfallchirurgie ist zuständig

Die Zentrale Notaufnahme (ZNA) des Kostenpflichtiger Inhalt Bethesda-Krankenhauses war in diesem Zusammenhang nicht ganz so stark beansprucht, da es an der Klinik der Johanniter keine Unfallchirurgie gibt, berichtet eine Sprecherin. Einige wenige Leichtverletzte seien in der ZNA erstversorgt worden.

Aus den Kliniken Maria Hilf teilt Joachim Rödig, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, mit: „Es gibt zurzeit durchschnittlich drei Frakturen, welche eindeutig auf Eis und Schnee zurückzuführen sind.“