Der Publizist Michel Friedman hat sich klar für ein AfD-Verbotsverfahren ausgesprochen. Argumente, das Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht könne ja verloren gehen und sollte deshalb vorsichtshalber gar nicht erst begonnen werden, machten ihn wütend, sagte er beim Neujahrsempfang der Grünen-Bürgerschaftsfraktion im Hamburger Rathaus. Dann habe er das Gefühl, „man verblödet mich gerade“.
„Ich bin Anwalt“, rief der Jurist geradezu vor rund 1000 Gästen im Großen Festsaal. „Wenn ich meine Mandanten nur in einem Prozess begleiten würde, wenn ich schon wüsste, wie das Urteil ist, lebe ich in Moskau, nicht in einem freien Land.“ Nachdem nun auch von Gerichten bestätigt worden sei, dass die AfD in Teilen die Demokratie vernichten wolle, und das Verfassungsgericht nur noch klären müsse, ob die Aktivität so sei, dass sie deswegen verboten gehöre, „dann warte ich doch nicht auf den Moment, wo sie es bereits geschafft haben, sondern mache es mal ausnahmsweise rechtzeitig“, so Friedman.
Friedman sagte, er höre auch immer, dass mit der AfD politisch diskutiert werden müsse, sie gestellt werden müsse – „worauf ich antworte, würden wir doch nur politisch mit denen so gestritten haben, die sie wählen“. Genau das passiere aber seit Jahren nicht. Insofern sei das ein Pseudoargument.
Bürgerschaft beschließt weiteres Vorgehen
Am vergangenen Mittwoch hatte bereits die Hamburger Bürgerschaft über dieses Thema debattiert. Das Parlament des Stadtstaats forderte den Senat mehrheitliche auf, sich für eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe unter Federführung des Bundes einzusetzen, wenn das Verwaltungsgericht Köln im Eilverfahren die Einstufung der AfD als gesichert rechtsextrem materiell bestätigt hat. Dem gemeinsamen Antrag der rot-grünen Koalition stimmten neben SPD und Grünen auch die Linken zu. Die CDU stimmte der politischen Analyse zur Gefahr der AfD zwar zu, hält den von Rot-Grün vorgeschlagenen Weg aber für falsch. Die AfD sprach von parteipolitischer Hetze.