Die Autorin ist Präsidentin der Europäischen Kommission.
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Mehr als ein Vierteljahrhundert nach Beginn der Verhandlungen schreiben die Europäische Union und der Mercosur Geschichte – mit einem Partnerschaftsabkommen, das unsere beiden Regionen einander näherbringt und von dem fast 700 Millionen Bürgerinnen und Bürger profitieren.
Ursula von der Leyen sieht im EU-Mercosur-Abkommen eine Chance für Europa. Foto: Tânia Rêgo/Agencia Brazil/DPA
Es entsteht eine der größten Handelszonen der Welt, die 31 Länder umspannt und beinahe ein Fünftel des weltweiten BIP ausmacht. Damit stärken wir das Band zwischen gleichgesinnten Regionen, jetzt, wo Offenheit nicht mehr selbstverständlich ist. In einem von steigenden Zöllen und neuen Handelsbeschränkungen beherrschten Jahr hat dies umso mehr Gewicht – nicht nur für unsere Kontinente, sondern auch für die Weltwirtschaft.
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In der kommenden Woche wird das Europäische Parlament über die Vorzüge des Abkommens debattieren. Es wird seine demokratische Pflicht wahrnehmen und eine abschließende Entscheidung treffen. Dieses Abkommen verdient breite Zustimmung, denn seine Vorteile werden in jedem einzelnen EU-Land spürbar sein. Ich freue mich auf den konstruktiven Austausch, mit dem wir sicherstellen, dass alle in Europa von den Chancen des Abkommens profitieren.
Ein Wachstumsmotor für beide Kontinente
Milliarden Euro an Zöllen werden wegfallen, es werden sich neue Märkte für öffentliche Aufträge öffnen und Unternehmen werden die nötige Grundlage für zuverlässiges Planen, Expandieren und Investieren vorfinden. Die 60.000 europäischen Unternehmen, die bereits in den Mercosur exportieren, dürften sich als Erste über die Zollsenkungen mit Einsparungen von etwa vier Milliarden Euro pro Jahr freuen.
Europa braucht sicheren Zugang zu Rohstoffen, die unseren ökologischen und digitalen Wandel unterstützen.
Vielen anderen, besonders kleinen und mittelständischen Unternehmen, öffnet sich ein schnell wachsender Markt – in der Folge werden neue Investitionen mobilisiert, Wachstum angekurbelt und hochwertige Arbeitsplätze in ganz Europa geschaffen.
Dieses Abkommen wird zum Wachstumsmotor auf beiden Kontinenten: Das wissen wir, weil das Modell sich bereits bewährt hat. Vor acht Jahren trat das Handelsabkommen zwischen der EU und Kanada in Kraft. Seitdem hat der bilaterale Handel um mehr als 70 Prozent zugenommen. Es wurden hochwertige Jobs geschaffen und Europas Lieferketten für kritische Materialien gestärkt.
Beim EU-Mercosur-Abkommen rechnen wir mit einem vergleichbaren Zuwachs, etwa bei den EU-Ausfuhren, die um bis zu 50 Milliarden Euro steigen dürften. Das sind keine abstrakten Zahlen, sondern künftige Erfolgsgeschichten für Unternehmen und Gemeinschaften in ganz Europa.
Eine Win-win-Situation
Vor allem ergänzen sich unsere beiden Volkswirtschaften gegenseitig. Europa braucht sicheren Zugang zu Rohstoffen, die unseren ökologischen und digitalen Wandel unterstützen, wie Lithium, Eisenerz und Nickel. Lateinamerika weist hier einige der größten Vorkommen auf. Die Mercosur-Länder wiederum benötigen einen stabilen Zugang zu Investitionen, Technologie und diversifizierten Märkten. Genau das kann ihnen Europa bieten.
Für Europa bedeutet dies neue Chancen für unsere Unternehmen und größere Versorgungssicherheit bei Materialien, die wir dringend für Zukunftstechnologien benötigen.
Das Ergebnis ist eine echte Win-win-Situation. Lateinamerika arbeitet sich in der Wertschöpfungskette nach oben – vom Abbau bis zur Verarbeitung und Raffination – und schafft bessere Arbeitsplätze und widerstandsfähigere Industrien. Für Europa bedeutet dies neue Chancen für unsere Unternehmen und größere Versorgungssicherheit bei Materialien, die wir dringend für Zukunftstechnologien benötigen.
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Aber nicht nur die Industrie profitiert von diesem Abkommen, sondern auch die europäischen Landwirte. Die EU-Ausfuhren landwirtschaftlicher Erzeugnisse werden voraussichtlich um fast 50 Prozent steigen. Die Mercosur-Länder werden außerdem mehr als 350 europäische geografische Angaben anerkennen.
Produkte von Comté-Käse bis Parmaschinken, von Cava bis polnischem Wodka werden in ganz Lateinamerika einen starken rechtlichen Schutz genießen. Es werden sich bedeutende neue Möglichkeiten für die Ausfuhr von Lebensmitteln und Getränken aus der EU ergeben, während alles, was in die EU gelangt, unseren hohen Gesundheits- und Sicherheitsstandards genügen muss.
Produkte von Comté-Käse bis Parmaschinken, von Cava bis polnischem Wodka werden in ganz Lateinamerika einen starken rechtlichen Schutz genießen.
Europa als stabiler Partner
Darüber hinaus haben wir starke Schutzvorkehrungen für unsere Agrar- und Lebensmittelsektoren getroffen, damit Einfuhren aus dem Mercosur begrenzt werden können, wenn dies nötig sein sollte. Dieses Abkommen zeigt, dass offener Handel und Schutz sich nicht ausschließen. Beide sind im Abkommen fest verankert. Alle Wirtschaftszweige der EU – einschließlich unserer Landwirte – können es also vertrauensvoll unterstützen.
Die Bedeutung dieses Pakts geht weit über die Wirtschaft hinaus. Er ist ein strategisches Signal in einer Zeit, in der geopolitische Blöcke sich verhärten und die Fragmentierung wächst. Die EU und der Mercosur stellen Zusammenarbeit über Wettbewerb, Partnerschaft über Polarisierung. Das Abkommen zeigt, dass schnell wachsende Volkswirtschaften in der ganzen Welt starke Handels- und Investitionsbeziehungen mit Europa wollen, weil wir nach wie vor ein stabiler und zuverlässiger Partner sind.
In einer Welt wirtschaftlicher Unsicherheit und geopolitischer Zersplitterung bauen die EU und der Mercosur etwas anderes auf – vertrauenswürdige Verbindungen auf der Grundlage von Stabilität und Planbarkeit, mit einem riesigen integrierten Markt auf dem Fundament der Rechtsstaatlichkeit. So schaffen wir eine gemeinsame Plattform für die Zusammenarbeit an den großen globalen Herausforderungen unserer Zeit, von Klimawandel über Entwaldung bis hin zur Stärkung und Reform internationaler Institutionen.
Eine offenere und zuverlässigere Weltwirtschaft
Das Abkommen ist mehr als nur ein Handelspakt. Es ist eine Absichtserklärung gleichgesinnter Regionen, die entschlossen sind, eine offenere, zuverlässigere und kooperativere Weltwirtschaft zu gestalten.
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Seit dem Beginn der Verhandlungen im Jahr 2000 haben Generationen von Führungsspitzen dieses Projekt vorangebracht. Sein Abschluss in Zeiten des Konflikts, der Fragmentierung und des zunehmenden Protektionismus sendet eine klare Botschaft an die Welt – der Welthandel lässt sich nach wie vor auf Vertrauen und gemeinsamen Interessen aufbauen und kann unseren Bürgerinnen und Bürgern sowie der Wirtschaft echte Vorteile bringen.