Mehrere Tausend Menschen haben sich am Samstag am Brandenburger Tor versammelt, um für eine nachhaltigere Landwirtschaft zu demonstrieren. Unter dem Motto „Wir haben es satt“ protestiert ein Bündnis aus rund 60 Organisationen seit 12 Uhr.
Rund 20 Minuten nach Beginn der Demonstration haben sich schätzungsweise bereits zwischen 2000 und 3000 Teilnehmende eingefunden, laufend stoßen neue Menschen dazu. Viele Teilnehmende haben sich als Hühner, Schweine, Bienen oder Maiskolben verkleidet. Auf Schildern stehen Sprüche wie „wir wollen selbst entscheiden, was wir essen“, „Gentechnik? Nein danke“ oder „Bio schützt, was allen nützt“. Am Rand der Kundgebung verteilen Kollektive warme Suppe und Infomaterialien von Umweltorganisationen.
Vor dem Brandenburger Tor haben sich viele Teilnehmende mit Schildern versammelt.
© Madlen Haarbach
An der Kundgebung nehmen auch mehrere Dutzend Bäuer:innen mit ihren Traktoren teil. Schon ab dem frühen Morgen waren sie sternförmig in drei Aufzügen durch Berlin gefahren. Gegen 13 Uhr soll sich der Demonstrationszug einmal durch das Regierungsviertel bewegen und dann gegen 15 Uhr am Ausgangspunkt zur Abschlusskundgebung eintreffen.
Viele Teilnehmende haben sich als Hühner verkleidet, so auch diese Gruppe, die sich gegen Massentierhaltung einsetzt.
© Madlen Haarbach
Die Demonstration findet jährlich parallel zur Landwirtschaftsmesse „Grüne Woche“ statt. Angemeldet waren laut einer Polizeisprecherin 9000 Teilnehmende. Auch die Grünen-Spitzenkandidaten für die Berliner Abgeordnetenhauswahl 2026, Werner Graf und Bettina Jarasch, hatten ihre Teilnahme angekündigt.
Das Bündnis fordert unter anderem faire Preise für landwirtschaftliche Produkte, bessere Haltungsbedingungen für Tiere und eine Kennzeichnungspflicht für Gentechnik. Zudem solle die Politik in den Umbau zu einer nachhaltigen und ökologischen Landwirtschaft investieren. Das aktuelle Landwirtschaftssystem „schadet Mensch, Tier und Natur – und treibt die Klimakrise voran“, heißt es in dem Aufruf zur Demo.
Auf der Demonstration unter dem Motto „Haltung zeigen! Für eine zukunftsfähige Landwirtschaft weltweit“ kritisieren Redner:innen auch das Handelsabkommen zwischen EU und Mercosur. Das Abkommen verschärfe den Preisdruck für Bäuer:innen auf beiden Seiten des Atlantiks und verschärfe die Umweltzerstörung. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) setze auf die Produktion billiger Massenware für den Weltmarkt statt auf nachhaltig erzeugte Qualität, hieß es.
„Hunger wird durch Ungerechtigkeit, Landraub und die zerstörerische industrielle Landwirtschaft verursacht“, sagte etwa Agness Mwambazi von „Brot für die Welt“. In Deutschland würden billige Lebensmittel verkauft, während die wahren Kosten der Erzeugung auf Menschen und Natur in anderen Teilen der Welt abgewälzt würden.
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Claudia Gerster von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) forderte echte Verbesserungen für Bäuer:innen statt „weiterer Symbolpolitik, damit es endlich verlässliche Zukunftsperspektiven für die Höfe gibt“.
Zu den Organisatoren zählen etwa der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), der Naturschutzbund NABU, verschiedene bäuerliche Gruppen, Fridays for Future und Organisationen wie Greenpeace und Oxfam.