Im Fußball kann es manchmal schnell gehen. Vor drei Jahren war Jamie Leweling noch Bankdrücker beim 1. FC Union Berlin und der VfB Stuttgart tief im Abstiegskampf. Vor dem Besuch der Berliner im Schwabenland an diesem Sonntag (15.30 Uhr, Dazn) fühlt sich seine Fußballwelt inzwischen wie eine ganz andere an.
Heute gehört der VfB tabellarisch zu den besten Mannschaften der Republik, und gleichzeitig gibt es wohl keinen deutschen Spieler, der in der Bundesliga so begeistert wie Jamie Leweling. In dieser Saison hat der Stuttgarter Stürmer wettbewerbsübergreifend schon sechs Tore und sieben Assists erzielt. Der Mann, der einst bei Union nicht Fuß fassen konnte, wird nun als nächster Nick Woltemade gehandelt.
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„Ich finde, dass er von Beginn der Saison an ein verändertes Gesicht gezeigt hat“, schwärmte VfB-Trainer Sebastian Hoeneß am vergangenen Wochenende, nachdem Leweling der erste Doppelpack seiner Karriere gegen Bayer Leverkusen gelungen war. „Er hat sich vieles vorgenommen und optimiert, dazu hat er auch einen Schritt in seiner Persönlichkeit gemacht. Dass er Waffen hat, wussten wir schon. Jetzt ist auch der Faktor Konstanz dazugekommen.“
Das ist alles weit entfernt von dem Spieler, der in der Saison 2022/23 bei Union gespielt hat. Oder besser gesagt: gelitten hat. Denn bei Union gehörte Leweling zu den eher misslungenen Transfers der neueren Vereinsgeschichte.
Dabei waren die Hoffnungen groß, als der Stürmer im Mai 2022 von Greuther Fürth in die Hauptstadt wechselte. „Mit ihm bekommen wir einen technisch und physisch starken Offensivspieler, der uns mit seiner Art, Fußball zu spielen, neue Impulse und noch mehr Geschwindigkeit verleihen wird“, sagte Unions damaliger Sportchef Oliver Ruhnert. Leweling freute sich auf „die nächsten Schritte in meiner Karriere“.
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Bundesligaspiele bestritt Jamie Leweling in seiner Zeit bei Union lediglich. Dabei erzielte er ein Tor.
Es wurde jedoch höchstens ein Schritt zur Seite. In einem Jahr kam Leweling lediglich auf 25 Einsätze für Union, keinen einzigen von Beginn an. Im damaligen Sturm spielte er nicht nur zweite, sondern meist eher vierte oder fünfte Geige.
Warum es zwischen ihm und Union nicht funktioniert hat? Manche machten das Missverständnis am System fest. Leweling, der schnelle Außenstürmer, passte nicht unbedingt gut ins 5-3-2 von Trainer Urs Fischer. Dazu kam eine heftige Konkurrenzsituation. Trotz des Abgangs von Taiwo Awoniyi mangelte es Union in der Saison 2022/23 nicht an formstarken Stürmern.
Jamie Leweling ist in Stuttgart zum Star gereift.
© Imago/DeFodi Images
Vor allem einer hat Leweling aber wohl aus der Mannschaft gehalten: Sheraldo Becker. Der Nationalspieler von Suriname war zu jener Zeit in der Form seines Lebens und gerade dabei, Union mit elf Toren in die Champions League zu führen. Vom Stil her war er ein ähnlicher Spielertyp wie Leweling, und an Becker kam damals keiner vorbei.
„Er spielt eine gute Saison und ist ein Führungsspieler“, sagte Leweling auch selbst über Becker bei einer Medienrunde Anfang 2023. „Das Spiel ist auf ihn zugeschnitten. Ich muss als junger Spieler viel mitnehmen. Es ist schwer für mich, aber da muss man durch.“
Die Premier League hat ihn schon im Visier
Also hielt er durch bis zum Saisonende, als er zunächst per Leihe nach Stuttgart wechselte. Dort sollte er Spielpraxis sammeln und verpasste so die Chance, mit Union in der Champions League zu spielen. Doch mittelfristig hat sich der Wechsel ausgezahlt. Während Union in der Saison 2023/24 abstürzte, wurde Leweling mit Stuttgart Vizemeister.
Zum Saisonende wechselte er dann endgültig zum VfB und beendete damit das traurige Kapitel Union. Seitdem ist sein Stern nur weiter aufgegangen. 2024 wurde er Nationalspieler. In dieser Saison ist er zu einem der begehrtesten Spieler der Bundesliga geworden.
Nach übereinstimmenden Medienberichten sollen schon mehrere englische Klubs in diesem Winter um Leweling gebuhlt haben. Laut einem Bericht gab es vom AFC Bournemouth sogar ein Angebot in der Höhe von 40 Millionen Euro. Doch der Verein erklärte ihn für unverkäuflich, und auch Leweling betonte zuletzt, dass er nicht weg wolle.
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„Die klassische Floskel ist: Ich will nicht gehen, ich will hier bleiben – und das stimmt auch“, sagte er bei Sky am vergangenen Samstag. „Wir haben was vor hier als Mannschaft, und ich auch noch. Es ist schön, Angebote zu bekommen, aber ich fühle mich hier wohl und spiele meinen Fußball. Man hat, glaube ich, heute gesehen, dass mich das nicht beschäftigt.“
Im Sommer könnte das schon anders klingen. Für den Moment will Leweling aber seinen Lauf genießen. Denn er weiß selbst nur zu gut, wie schnell sich das Blatt im Fußball wenden kann.