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Das Familienunternehmen Hermanns aus dem Wesertor hat keine Nachfolger. Die neuen Inhaber versprechen Arbeitsplatzsicherheit und Wachstum.

Das traditionsreiche Kasseler Bauunternehmen Hermanns hat einen neuen Eigentümer. Die Depenbrock-Gruppe aus Stemwede bei Osnabrück hat den Familienbetrieb übernommen. Das teilten die Inhaber Anne Fenge und Swen Haar der Belegschaft am Standort Kassel am Freitag mit – gemeinsam mit der Inhaberfamilie von Depenbrock.

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Foto: SchachtschneiderDas Kasseler Bauunternehmen Hermanns wurde verkauft: Das Bild zeigt von links Gerhard Fenge, Anne Fenge (Aufsichtsratsvorsitzende Hermanns), Lieselotte Fenge, Karl-Heinrich, Kathrin, Jörn Henrik, Erik Depenbrock und Swen Haar (Geschäftsführung Hermanns). © Schachtschneider, Dieter

Alle Standorte sowie der Firmenname sollen erhalten bleiben, betonten die alten und neuen Inhaber im Gespräch mit unserer Zeitung. Zu Entlassungen solle es nicht kommen, im Gegenteil. „In den nächsten Jahren wird es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Diese Sicherheit kann ich allen Mitarbeitenden geben“, sagte der Senior-Chef der Depenbrock-Gruppe, Karl-Heinrich Depenbrock. Er gehe davon aus, dass man am Standort neue Arbeitsplätze schaffen werde. Auch bei früheren Übernahmen seien die jeweiligen Standorte im Nachgang gewachsen.

Oft fehlen Nachfolger

Immer mehr Mittelständler in Deutschland erwägen laut KfW wegen fehlender Nachfolge die Aufgabe ihres Unternehmens. Bis 2029 könnten jährlich bis zu 114.000 Betriebe schließen, wie aus dem aktuellen KfW-Mittelstandspanel hervorgeht. Hauptgründe seien fehlende Nachfolger und bürokratische Hürden beim Übergang. Mehr als die Hälfte der Unternehmerinnen und Unternehmer sei 55 Jahre oder älter. Die Preisvorstellungen beim Firmenverkauf seien deutlich gestiegen – auf durchschnittlich 500.000 Euro.

Ehepaar bleibt Unternehmen vorerst erhalten

Hermanns hat insgesamt 360 Mitarbeiter und Niederlassungen in Kassel und in Erfurt. An deren Arbeitszeit, Gehalt und Urlaubsansprüchen werde sich nichts ändern. Über den Verkaufspreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.

Die Eheleute Anne Fenge und Swen Haar führen das Kasseler Unternehmen als Inhaber in dritter Generation. Sie werden dem Betrieb vorerst erhalten bleiben – einen konkreten Zeitpunkt für den Ausstieg gebe es bisher nicht. „Unsere Truppe braucht Vertrauen“, sagte Swen Haar, der der Geschäftsführung angehört. „Wenn wir weiterhin hier sind, ist das ein großer Vorteil. Wir wollen den Prozess auf jeden Fall begleiten.“ Das sieht man auch beim neuen Inhaber so: „Wir sind sehr froh, dass uns Anne Fenge und Swen Haar weiterhin im Unternehmen zur Verfügung stehen werden“, so Karl-Heinrich Depenbrock.

In den nächsten Jahren wird es keine betriebsbedingten Kündigungen geben.

Inhaberin und Aufsichtsratsvorsitzende Anne Fenge äußerte sich am Rande der Mitarbeiterversammlung zufrieden mit der Entscheidung zum Verkauf. „Aber die Situation heute ist natürlich trotzdem hart für mich.“ Der Verkauf sei erfolgt, weil es keine familieninternen Nachfolger gegeben habe. „Wir haben keine Kinder, und auch die Fragen unserer Mitarbeiter danach, wie es mit dem Unternehmen weitergeht, sind häufiger geworden“, erklärte Fenge.

Hermanns erwirtschaftet rund 30 Prozent seines Umsatzes im Raum Kassel, ist aber deutschlandweit tätig. In der Region ist das Unternehmen an zahlreichen Tiefbauprojekten beteiligt, darunter am Neubau des Hotels neben der Volksbank Kassel Göttingen am Scheidemannplatz und an der Erschließung des Gewerbegebiets Langes Feld.

„Haben sofort gemerkt: Das könnte passen“

Für die Käufersuche beauftragte Hermanns eine Agentur, die mehrere Firmen vorschlug. „Depenbrock ist ein Familienunternehmen wie wir“, sagte Fenge. „Das ist etwas, worauf wir sehr großen Wert gelegt haben.“ Die mittelständische und familiäre Kultur des Betriebs soll erhalten bleiben. Karl-Heinrich Depenbrock ergänzte: „Als der Kontakt zustande kam, haben wir sofort gemerkt: Das könnte passen.“

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Er ist überzeugt, dass beide Unternehmen von der Übernahme profitieren, da sie sich in den Geschäftsfeldern gut ergänzen. Die Depenbrock-Gruppe war zudem bisher kaum an Bauprojekten im Raum Kassel beteiligt, sondern vor allem in Nord- und Westdeutschland. „Wir können uns auch gut vorstellen, bei einigen Objekten als Arbeitsgemeinschaft aufzutreten“, so Depenbrock.

Neben Karl-Heinrich Depenbrock waren auch seine Kinder Kathrin, Erik und Jörn Henrik bei der Mitarbeiterversammlung in Kassel anwesend. Die drei sind ebenfalls Inhaber und Geschäftsführer des Bauunternehmens. Die Depenbrock-Gruppe, gegründet 1928, ist an zahlreichen Großprojekten beteiligt, etwa am Bau von LNG-Terminals, der Erdkabel-Stromtrasse Südlink und des Fehmarnsundtunnels. Die Gruppe beschäftigt rund 1400 Mitarbeiter und hat 24 Standorte in Deutschland, Polen und Dänemark. 2024 erwirtschaftete sie einen Jahresumsatz von 720 Millionen Euro, Tendenz steigend. Der Umsatz von Hermanns liegt bei etwa 100 Millionen Euro.