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Blumen Corso mit ElefantbrunnenDieses Foto ist in einer kunstpädagogischen Examensarbeit von 1978 abgedruckt und zeigt den Elefanten-Brunnen vor dem Blumen Corso. © dkl

Der denkmalgeschützte Pavillon des ehemaligen Blumen Corso dient künftig der Kultur. Die beliebte Brunnenfigur davor verschwand schon 1990 – gestohlen und nie ersetzt.

Im Mai 2025 wurde bekannt, dass die Pächterin des Blumen Corso an der Plockstraße ihr Berufsleben beendet. Das Gelände und der Pavillon mit seiner bemerkenswerten 50er-Jahre-Architektur fielen damit an die Stadt zurück. Und da das Gebäude seit 2016 unter Denkmalschutz steht, bleibt es auch erhalten. Der städtische Denkmalbeirat hatte die Initiative der Unterschutzstellung 2013 gestartet; darin einbezogen waren weitere Gebäude Gießens, etwa die Kongresshalle.

Blumen CorsoDieses Foto aus einer Werbebroschüre im Jahr 1960 zeigt, dass die moderne Architektur zum Renommee der Stadt beitrug. © dkl

Die aktuelle Entscheidung fiel schnell: Das prägnante Gebäude, das an dieser Stelle den Eingang zum Theaterpark markiert, soll künftig nicht mehr wirtschaftlichen Zwecken dienen, sondern der kulturellen Nutzung zugeführt werden. Am 13. Februar findet dort die Auftaktveranstaltung für das zweijährige Stadtraum-Kunstprojekt „Ökologie der Geister“ statt, eine Kooperation von städtischer Kunsthalle und dem Uni-Institut für Kunstpädagogik.

Die Errichtung des „Blumenverkaufspavillons“ war eine Initiative des Gartenbaubetriebs Heinz Rinn. Im April 1959 stellte er eine Anfrage, im August reichte er den Bauantrag für den Holz- und Stahlbau ein. Architekt war der in Gießen ansässige Dipl.-Ing. Herbert Kuldschuhn, der auch das Eckhaus für den Feinkosthändler Gustav Geisse plante (1952, heute Deichmann).

Plockstraße war noch nicht Fußgängerzone

Der Standort in einer Grünfläche sei gut erreichbar und gut sichtbar, so der Bauherr. Zur Erinnerung: Die Plockstraße war noch nicht Fußgängerzone. Die Stadt überließ das Gelände im Rahmen eines Pachtvertrags, der immer wieder verlängert wurde. Einzig um das Jahr 2000 gab es Pläne zur Umgestaltung des Theaterparks, bei denen über einen Abriss nachgedacht wurde.

Doch zurück zum Anfang: 1959 bewegte auch die Planung des Röntgen-Denkmals die Gießener Gemüter. Längere Zeit wurde über einen geeigneten Standort diskutiert; der Theaterpark war einer unter mehreren. Als Ende August 1959 plötzlich Bauvorbereitungen im Theaterpark gegenüber der Plockstraße starteten, waren die Pressekollegen sofort zur Stelle. Mutmaßungen gab es so einige.

Blumen CorsoEnde 1959 wurde der Pavillon des Blumen Corso am Theaterpark errichtet. © dkl

Die Stadt beeilte sich mit ihrer öffentlichen Antwort: Errichtet werde ein moderner Pavillon, der durch Gestaltung und Material den Anlagecharakter unterstützen solle. Wie das Vorbild in anderen Städten zeige, würde es keineswegs als störend in der Grünanlage empfunden, wozu die leichte, durchsichtige Bauweise als Glaspavillon beitrage. Zudem sei ein Brunnen geplant, die direkte Umgebung solle gärtnerisch gestaltet und Bänke in der Nähe aufgestellt werden. Auch sei vertraglich abgesichert, dass „der Platz bei Bedarf wieder für öffentliche Zwecke der Stadt zur Verfügung“ stehe.

Bereits Anfang November war der Flachdach-Pavillon fertiggestellt und die GFP berichtete ganzseitig über den ästhetisch ansprechenden Neubau. Hier ist auch zu erfahren, dass das 30-jährige Bestehen des Gartenbaubetriebs Rinn der Anlass für diese Investition war. Der Zeitungsbericht ist voller Begeisterung über „die lichte Gestaltung“ und die verwendeten Materialien, etwa die Sollnhofer Platten für den Fußboden. Und der kleine Brunnen mit dem Elefanten unterstreiche „die leichte und gelockerte Note, mit der das Gebäude vor die Kulisse der Bäume“ gesetzt worden sei.

Der Elefant wurde 1990 gestohlen

Dass die moderne Architektur zum Renommee der Stadt beitrug, das beweist ein Farbfoto aus der Werbebroschüre des Jahres 1960. Und der kleine Elefant am Brunnenbecken mit dem erhobenen Rüssel, aus dessen Mäulchen das Wasser floss, wurde zum Liebling der Kinder. Es gibt mehr als eine Erzählung darüber, dass bei jedem Stadtgang der Elefant besucht wurde. Doch er war aus Keramik und fing irgendwann an zu bröckeln, ebenso das mit Mosaiksteinen gestaltete Wasserbecken. 1988 ersetzte die Betreiberin Sybille Rinn die Figur durch eine Bronzeversion, vermutlich wurde auch das Becken erneuert, allerdings ohne Mosaikbelag, wie Fotos zeigen. Dies geschah im Rahmen der Neugestaltung und Ausweitung der Fußgängerzone. Im August 1988 wurde das Plockstraßen-Fest gefeiert. Leider hatte der Bronze-Elefant nur ein kurzes Dasein, er wurde im Juli 1990 gestohlen. Damit endete seine Zeit, es gab keinen Ersatz mehr. Die Schraubgewinde schauten noch eine Weile aus dem Boden, irgendwann wurde die Stelle geglättet. (Karola Schepp)

Die Blumen Corso hatte im Mai 2025 nach 66 Jahren an diesem Standort für immer geschlossen.