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Ukrainische Unterhändler treffen sich mit Trump-Gesandten in Miami Selenskyj warnt vor neuen russischen Luftangriffen Atombehörde: Einigung auf Waffenruhe beim AKW Saporischschja

Während diplomatische Bemühungen laufen, bombardiert Russland die Ukraine weiterhin. Diese antwortet mit Drohnen. Wir berichten laufend.

Ein Jugendlicher versucht, Frost von einem zugefrorenen Fenster zu entfernen, während er an einem Winterabend am 15. Januar 2026 in einem Bus in Kiew fährt, mitten im russischen Überfall auf die Ukraine.

Winter in Kyjiw: Ein Jugendlicher versucht, Frost von einem zugefrorenen Fenster eines Busses zu entfernen. (15. Januar 2026)

Foto: Sergei Gapon (AFP)

  • Die Ukraine sollte den vierten Verteidigungsminister in Kriegszeiten und einen neuen Energieminister bekommen – doch sie müssen warten.

  • In Kyjiw muss zudem ein Geheimdienstchef gehen.

  • Selenskyj schliesst angesichts der Friedensgespräche ein Ende des Krieges in der ersten Jahreshälfte nicht aus.

  • In Washington wird mit einem baldigen Beschluss eines neuen Sanktionspakets gegen Russland gerechnet.

Gestern, 14:15

Eine ukrainische Delegation ist in den USA zu Gesprächen über den Plan der US-Regierung für ein Ende des russischen Invasionskrieges eingetroffen. Es gehe darum, «Einzelheiten des Friedensabkommens» zu besprechen, teilte der Stabschef des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Kyrylo Budanow, am Samstag auf Telegram mit. Darüber werde er an der Seite der Unterhändler Rustem Umerow und Dawyd Arachamia mit dem US-Unterhändler Steve Witkoff, Staatssekretär Dan Discroll und dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, verhandeln.

US-Sondergesandter Steve Witkoff und Jared Kushner vor dem Elysee-Palast in Paris am 6. Januar 2026, vor einem Treffen mit dem französischen Präsidenten.

Sollen die ukrainische Delegation in Miami empfangen: Trumps Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner.

Foto: Ludovic Marin (AFP)

Selenskyj sagte am Freitag in Kyjiw, die Delegation werde versuchen, mit den US-Beamten Dokumente für eine vorgeschlagene Friedensregelung auszuarbeiten, die sich auf Sicherheitsgarantien für die Zeit nach dem Krieg und den wirtschaftlichen Wiederaufbau beziehen. Falls eine Einigung gelinge, könnten die USA und die Ukraine die Dokumente nächste Woche auf dem Weltwirtschaftsforum im Schweizerischen Davos unterzeichnen. Dort wird den Organisatoren zufolge auch Trump erwartet. Die Vorschläge müssten auch noch Russland vorgelegt werden.

Indessen setzte Russland seine Attacken auf die ukrainische Energieversorgung fort. In der Nacht zu Samstag seien Anlagen in den Regionen Kyjiw und Odessa angegriffen worden, teilte das Energieministerium mit. In der Region Kyjiw seien mehr als 20 Ortschaften ohne Strom gewesen. Der neue Energieminister Denys Schmyhal sagte am Freitag, die Behörden hätten die Ausgangssperre gelockert, damit die Menschen bei Bedarf öffentliche Zentren aufsuchen können, in denen geheizt ist.

Russland versucht, die ukrainische Zivilbevölkerung in den eisigen Wintermonaten von Wärme und fliessendem Wasser abzuschneiden, um so den Widerstandswillen gegen die Invasion zu brechen. Die Nachttemperaturen in der Ukraine sind auf bis zu minus 18 Grad gefallen.

Gestern, 05:13

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte in seiner abendlichen Videobotschaft vor neuen massiven russischen Luftangriffen. Zugleich kritisierte er die westlichen Verbündeten. «Wir reden ehrlich mit den Partnern über die notwendigen Raketen für die Flugabwehr und Flugabwehrsysteme. Die Lieferungen reichen nicht aus», betonte Selenskyj. Kyjiw dränge die Partnerstaaten zu einer Beschleunigung des Lieferprozesses.

In der Ukraine herrscht seit Tagen starker Frost und in den Nächten sinken die Temperaturen teils auf minus 20 Grad. Zugleich hat das russische Militär durch systematische Raketen- und Drohnenangriffe auf Energieanlagen Ausfälle bei der Versorgung mit Strom und Fernwärme in weiten Landesteilen verursacht. Besonders dramatisch ist die Lage in der Hauptstadt Kyjiw, in der es seit Tagen zu Notabschaltungen des Stroms kommt.

16.01.2026, 21:46

Für die Reparatur einer beschädigten Stromleitung haben die Kriegsgegner Ukraine und Russland zum vierten Mal eine örtliche Waffenruhe unweit des russisch kontrollierten Atomkraftwerks Saporischschja vereinbart. «Techniker des ukrainischen Stromnetzbetreibers werden voraussichtlich in den kommenden Tagen mit den Reparaturarbeiten an der 330-Kilovolt-Leitung beginnen», teilte die Internationale Atomaufsichtsbehörde (IAEA) in Wien mit. Ein IAEA-Team werde die Arbeiten überwachen.

Die Leitung war demnach vor zwei Wochen infolge von Kämpfen beschädigt worden. Anlagen des stillgelegten AKWs seien nur über die verbliebene 750-Kilovolt-Leitung mit Strom versorgt worden.

Nach dem russischen Überfall vom Februar 2022 ist das mit sechs Blöcken und einer Bruttoleistung von 6.000 Megawatt grösste Kernkraftwerk Europas von russischen Truppen besetzt worden. Alle Reaktoren wurden inzwischen heruntergefahren. Für die Kühlung ist jedoch weiter Strom notwendig, der über zwei immer wieder durch Beschuss beschädigte Stromleitungen bereitgestellt wird. Bei einem Ausfall der Stromversorgung springen Dieselgeneratoren ein. Im Kraftwerk anwesende Experten der IAEA berichten regelmässig über hörbare Explosionen in der Nähe der Anlagen. (SDA)

16.01.2026, 17:08

Eine Delegation der Ukraine will in den USA die Pläne für ein Friedensabkommen vorantreiben und offene Streitfragen klären. Sollte die US-Seite den ukrainischen Vorschlägen im Bezug auf Sicherheitsgarantien und den Wiederaufbau nach dem Krieg zustimmen, könnten die nötigen Dokumente bereits kommende Woche beim Weltwirtschaftsforum in Davos unterzeichnet werden, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Freitag bei einer Pressekonferenz mit dem tschechischen Präsidenten Petr Pavel in Kiew. Auch US-Präsident Donald Trump wird in Davos erwartet.

Selbst bei einer Einigung wäre allerdings noch die Reaktion Russlands abzuwarten. Die Positionen Kiews und Moskaus liegen nach wie vor weit auseinander. (DPA)

16.01.2026, 13:46

Die britische Regierung hat ein millionenschweres Notfallpaket zur Unterstützung der stark beschädigten Energieinfrastruktur der Ukraine angekündigt. Die Finanzierung in Höhe von 20 Millionen Pfund (umgerechnet mehr als 21,5 Millionen Franken) soll der Reparatur und dem Schutz der Energieversorgung zugutekommen, wie die Downing Street mitteilte.

Die Ukraine erlebt derzeit den schwersten Winter seit Beginn des russischen Angriffskrieges. Hunderttausende Menschen haben wegen der massiven russischen Angriffe keinen Strom und bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad auch keine Heizung.

Die Millionenhilfe soll den Briten zufolge dazu beitragen, den «dringenden Bedarf an Wärme und Strom» etwa für Haushalte, Krankenhäuser und Schulen zu decken. Demnach hat Grossbritannien mit diesem jüngsten Paket seit Beginn des Krieges insgesamt mehr als 470 Millionen Pfund zur Unterstützung des ukrainischen Energiesektors bereitgestellt. (DPA)

16.01.2026, 05:38

Kurz vor Beginn des fünften Kriegsjahres durchlebt die Ukraine den schwersten Winter seit dem russischen Einmarsch. Wegen der massiven russischen Angriffe mit Drohnen und Raketen auf Energieanlagen haben Hunderttausende weder Strom noch Heizung – und das bei Schneefall, Frost und nächtlichen Temperaturen von bis zu minus 20 Grad. Betroffen sind die Grossstädte Charkiw, Dnipro, Krywyj Rih und Odessa. Aktuell ist die Lage jedoch in der Hauptstadt Kyjiw am schlimmsten. Die Dreimillionenstadt dürfte bei weiteren russischen Angriffen auf eine humanitäre Katastrophe zusteuern. Im Zentrum von Kiew bewegen sich dick eingepackte Menschen tagsüber vorsichtig über die nach Schneefall nicht geräumten und teils vereisten Gehwege, bei Temperaturen von minus 12 Grad. Vor einigen Geschäften laufen Notstromaggregate. Ein Kaffeekiosk beim Gebäude des Grenzschutzes ist dunkel und hat zur Mittagszeit keine gewohnte Schlange. «Kaffee können wir nicht zubereiten. Nur Backwaren können wir verkaufen», sagt die junge Verkäuferin.

Im nahen Hinterhof hat ein Café noch Strom und verkauft warme Getränke. Dicht drängen sich mehrere Kunden an der Kasse. Die roten Ziffern auf der Digitalanzeige nahe der Decke springen zwischen 190 und 250 Volt wild hin und her. Doch wenig später ist der Strom auch hier ganz weg. Das ist seit Tagen trauriger Alltag in Kyjiw – aber nicht nur in der Hauptstadt.

Stromausfälle sind Alltag

Seit dem Herbst gibt es bereits wieder angekündigte stundenweise Stromausfälle. Damals nahm das russische Militär seine systematischen Angriffe auf Umspannwerke, Kraftwerke und auch auf Heizkraftwerke wieder auf. Moskau will damit den Kampfgeist und das Durchhaltevermögen der Ukrainer brechen. Extrem wurde die Situation in Kyjiw nach den verheerenden Einschlägen ballistischer Raketen und Drohnen Ende vergangener Woche.

Die auf dem Ostufer der Stadt gelegenen Stadtteile waren teils mehrere Tage ohne Strom. Gut 6’000 Wohnblöcke und damit mehrere Hunderttausend Einwohner waren ohne Heizung. Am Dienstag verschlimmerten neue russische Raketenschläge die Situation auch im Westteil Kiews. Seitdem sind in der gesamten Metropole Notabschaltungen an der Tagesordnung.

Der auf Strom angewiesene öffentliche Nahverkehr stockt, eine Planung für das Waschen von Wäsche oder die Zubereitung von Essen ist für viele Kiewer nicht mehr möglich. Nicht funktionierende Fahrstühle in den vielen Hochhäusern stellen vor allem für ältere und behinderte Menschen ein unüberwindbares Hindernis dar. (DPA)

15.01.2026, 17:57

Durch einen russischen Raketenangriff auf den ukrainischen Schwarzmeerhafen Chornomorsk ist nach offiziellen Angaben ein Seemann auf einem Frachter unter der Flagge Maltas verletzt worden. Der Angriff habe ausserdem drei Container beschädigt, die verladen werden sollten, teilte der ukrainische Minister für Regionalentwicklung, Olexij Kuleba, auf Telegram mit.

Russland und die Ukraine haben in den vergangenen Wochen häufiger Schiffe im Schwarzen Meer beschossen. In den ukrainischen Häfen trifft dies vor allem den Export von Getreide und anderen Gütern per Schiff. Die ukrainischen Angriffe richteten sich gegen leere Tanker, die zum Beladen mit Öl den russischen Hafen Novorossiysk ansteuerten. So soll der russische Ölexport gestoppt werden, mit dem der Kreml seine Kriegskasse füllt.

In zwei Fällen wurden auch Tanker attackiert, die Öl aus Kasachstan transportieren sollten. Das kasachische Aussenministerium in Astana beschwerte sich über diese Störung des Schiffsverkehrs. (DPA)

15.01.2026, 11:45

Russland hat erneut einen britischen Diplomaten wegen angeblicher Spionage ausgewiesen. Der stellvertretenden Leiterin der Botschaft sei ein förmlicher Protest übermittelt worden, weil ein Diplomat den britischen Geheimdiensten angehöre, teilte das Aussenministerium in Moskau mit. Dem Betroffenen sei die Akkreditierung, also die Arbeitserlaubnis in Russland, entzogen worden. Er habe zwei Wochen Zeit das Land zu verlassen.

Das britische Aussenministerium wies die Vorwürfe als «haltlos und böswillig» zurück. Man wäge nun sorgfältig ab, wie man darauf reagiere, hiess es aus London.

In einer Mitteilung des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB hatte es geheissen, der FSB habe einen nicht gemeldeten Mitarbeiter der britischen Geheimdienste aufgedeckt, der unter einem Deckmantel in die britische Botschaft entsandt worden sei. Den Angaben nach geht es um einen zweiten Sekretär der internen Verwaltung der Botschaft.

Nicht zum ersten Mal muss ein britischer Diplomat wegen des Vorwurfs angeblicher Spionage gehen. Immer wieder streiten die beiden Länder, weil Diplomaten angeblich ihren Aufenthalt für geheimdienstliche Tätigkeit nutzen. Durch den seit inzwischen fast vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg in der Ukraine sind die Beziehungen zusätzlich gespannt.

(DPA)

14.01.2026, 13:07

Das neue riesige EU-Darlehen für die Ukraine soll nach dem Willen der Europäischen Kommission zu einem grossen Teil den gegen Russland kämpfenden Streitkräften zugutekommen. Wie ein von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen präsentierter Vorschlag vorsieht, soll das ukrainische Militär mit 60 Milliarden Euro (rund 55,9 Milliarden Franken) unterstützt werden.

Die verbleibenden 30 Milliarden Euro des insgesamt 90 Milliarden Euro umfassenden Kredits sollen dem Vorschlag der Brüsseler Behörde zufolge der Ukraine als Haushaltsunterstützung bereitgestellt werden.

Mit der Unterstützung werde sichergestellt, dass die Ukraine einerseits ihre Verteidigung auf dem Schlachtfeld stärken und ihre militärischen Fähigkeiten ausbauen könne sowie andererseits den Staat sowie die grundlegenden öffentlichen Dienstleistungen aufrechterhalten könne, sagte von der Leyen.

Zuvor schon auf Kredit geeinigt

Dem konkreten Vorschlag der EU-Kommission war eine Einigung der Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten zur Finanzierung der Ukraine für die nächsten zwei Jahre vorangegangen. Bei einem Gipfeltreffen kurz vor Weihnachten hatten sie sich nach monatelangem Streit auf den Kompromiss verständigt, der Ukraine einen zinslosen Kredit über 90 Milliarden Euro zu geben. Die Verständigung sieht weiter vor, in der EU eingefrorene russische Vermögenswerte für die Rückzahlung heranzuziehen, falls Moskau für Kriegsschäden keine Entschädigung leistet.

Zuvor war ein Finanzierungsmodell diskutiert worden, nach dem vor allem in Belgien festgesetzte Gelder der russischen Zentralbank direkt für Darlehen an die Ukraine in Höhe von bis zu 210 Milliarden Euro eingesetzt werden sollten. Vor allem der deutsche Kanzler Friedrich Merz war ein Verfechter dieses Projekts. Dieser Plan scheiterte am Ende am Widerstand von Ländern wie Frankreich und Italien, nachdem zuvor vor allem Belgien zu grosse rechtliche und politische Risiken gesehen hatte. (DPA)

14.01.2026, 12:49

In der von Russland angegriffenen Ukraine ist mit Mychajlo Fedorow der vierte Verteidigungsminister seit Kriegsbeginn im Amt. Für die Ernennung des ehemaligen Digitalisierungsministers stimmte eine deutliche Mehrheit von 277 Abgeordneten. Die Kandidatur war gemäss der Verfassung von Präsident Wolodymyr Selenskyj eingereicht worden.

Es war bereits der zweite Versuch, Fedorow einzusetzen. Am Vortag hatten sich im Parlament nicht genügend Abgeordnete gefunden, um eine Abstimmung über seine Kandidatur anzusetzen.

Fedorow hatte seit 2019 mit dem von ihm geleiteten Ministerium die Digitalisierung der staatlichen Verwaltung vorangetrieben und war nach Kriegsbeginn auch für den Ausbau der Drohnenproduktion im Land verantwortlich. (DPA)

14.01.2026, 10:22

Bei gegenseitigen Drohnenangriffen zwischen Russland und der Ukraine hat es in der Nacht Tote und Schäden bei der Energieversorgung gegeben. In der südrussischen Stadt Rostow seien vier Menschen bei einem ukrainischen Angriff verletzt worden, schrieb der Gouverneur der Region Rostow, Juri Sljussar, bei Telegram. Es sei zu Feuern in mehreren Wohnungen mehrstöckiger Häuser gekommen, in einer davon wurde demnach ein toter Mann gefunden. Sljussar sprach ausserdem von zwei Feuern im Industriegebiet der Stadt. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

In der Region Belgorod wurde nach Angaben von Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow eine Frau im Dorf Sosuli bei einem ukrainischen Drohnenangriff getötet. Demnach wurde ein Auto getroffen, der Fahrer sei verletzt worden. Am späten Abend sei ein Mann bei der Explosion einer Drohne in der Stadt Schebekino ums Leben gekommen.

Russland zielt erneut auf Energieinfrastruktur

Russland nahm bei frostigen Temperaturen erneut die ukrainische Energieinfrastruktur ins Visier. Moskaus Streitkräfte attackierten in der Grossstadt Krywyj Rih im Südosten der Ukraine Militärverwaltungschef Olexander Wilkul zufolge am Abend und in der Nacht die zivile Infrastruktur. Demnach gab es Notabschaltungen der Stromversorgung für 45’000 Kunden, in mehr als 700 Häusern auch der Fernwärme. Am Morgen habe sich die Lage wieder stabilisiert, schrieb er bei Telegram. (DPA)

13.01.2026, 21:41

Nach fast vier Jahren Krieg spitzt sich die Lage in der Ukraine nach Darstellung von Präsident Wolodymyr Selenskyj immer weiter zu – sowohl an der Front als auch im Hinterland. Erneut sei die Ukraine von Russland beschossen worden. «Allein an ballistischen Raketen waren es 18 Stück», sagte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache. Hinzu kämen Kampfdrohnen und Marschflugkörper.

Die Elektriker seien seit Wochen im Einsatz, um das Stromnetz einigermassen am Laufen zu halten, sagte Selenskyj. «Das Wetter stellt zusätzliche Herausforderungen – ausserordentliche Herausforderungen», fügte er mit Blick auf die zweistelligen Minustemperaturen hinzu.

Das Stromnetz der Ukraine ist nach den systematischen und zuletzt noch einmal verschärften russischen Angriffen stark beschädigt. Netzabschaltungen sind an der Tagesordnung. Täglich müssen die Ukrainer stundenlang ohne Strom- und Wärmeversorgung auskommen.

Probleme gebe es aber auch an der Front, räumte Selenskyj ein: «Überall ist es jetzt schwer – an der Front am schwersten», sagte er. Trotz des Frosts greife Russland weiter an. Immerhin hält seinen Angaben nach auch die Verteidigung weiter stand. Die Ukraine ist seit Monaten in der Defensive und musste im Osten und Süden des Landes zuletzt weitere Positionen aufgeben. (DPA)

13.01.2026, 21:28

Deutschlands Altkanzler Olaf Scholz geht davon aus, dass Russlands Präsident Wladimir Putin den Angriffskrieg gegen die Ukraine bereits rund zwei Jahre vor dem Überfall 2022 fest geplant hatte. Bei der Vorstellung des Buchs «Das Versagen» in Berlin sagte Scholz, Putin habe sich bewusst für den Krieg entschieden und sich von diplomatischen Optionen nicht abbringen lassen. Zentrale Forderungen Moskaus – etwa zur Nato-Frage – hätten seiner Ansicht nach auch ohne militärische Gewalt erreicht werden können.

Zugleich verteidigte Scholz das umstrittene Vorgehen Deutschlands bei Waffenlieferungen an die Ukraine. Entscheidungen seien stets im Gleichklang mit Partnern getroffen worden, wobei die Reaktionen Russlands sorgfältig hätten abgewogen werden müssen. Es gebe keine festen Regeln dafür, welche Schritte zu weit gingen, sagte Scholz.

Das Buch von Katja Gloger und Georg Mascolo analysiert die deutsche Russlandpolitik der vergangenen Jahrzehnte und kritisiert, dass Warnungen vor Putins aggressivem Kurs lange ignoriert und Hoffnungen auf Zusammenarbeit aufrechterhalten wurden. (red)

13.01.2026, 17:27

Mitten im Krieg mit Russland ist das ukrainische Parlament an der Ernennung eines neuen Verteidigungsministers gescheitert. In der Obersten Rada fanden sich nicht genug Unterstützer für eine Abstimmung über die Kandidatur Mychajlo Fedorows. Der 34-Jährige hatte zuvor das 2019 geschaffene Digitalisierungsministerium geleitet. Fedorow wäre der vierte Verteidigungsminister seit dem russischen Einmarsch vom Februar 2022 gewesen. Seine Kandidatur war gemäss Verfassung von Präsident Wolodymyr Selenskyj eingereicht worden. Erwartet wird ein neuer Versuch am Mittwoch.

Ebenso scheiterte vor dem Hintergrund von massiven Ausfällen bei Strom und Heizung die Ernennung von Ex-Verteidigungsminister Denys Schmyhal zum neuen Energieminister. Schmyhal fehlten 16 Stimmen für seine Bestätigung. Schmyhal war zuvor als Verteidigungsminister entlassen worden. Er stand dem Ressort damit nicht einmal sechs Monate vor. Davor war er mehr als fünf Jahre Regierungschef. Der 50-Jährige gilt als loyal gegenüber Selenskyj.

Entlassen wurde der Chef des Geheimdienstes SBU Wassyl Maljuk. Faktisch leitete er die Behörde seit dem Sommer 2022. In dieser Zeit führte der SBU teils spektakuläre Angriffe auf russische Militärstützpunkte durch. Mehrere hochrangige Militärs hatten sich gegen die von Selenskyj eingeleitete Entlassung ausgesprochen. Auch der Verteidigungsausschuss des Parlaments gab erst im zweiten Anlauf seine Zustimmung.

Nach Korruptionsvorwürfen häufen sich seit vergangenem Sommer die Personalwechsel in Regierung und anderen Positionen. Besonders das Verteidigungsministerium gilt als äusserst korruptionsanfällig. Der Posten des Energieministers war infolge eines Korruptionsskandals im Energiesektor nach einem Rücktritt seit November unbesetzt.

13.01.2026, 09:04

Die Vereinigten Staaten haben Russland eine «gefährliche und unerklärliche Eskalation» seines inzwischen fast vier Jahre andauernden Krieges gegen die Ukraine vorgeworfen. Die stellvertretende US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Tammy Bruce, hob am Montag (Ortszeit) insbesondere den russischen Abschuss einer nuklearfähigen ballistischen Oreschnik-Rakete in der vergangenen Woche nahe der ukrainischen Grenze zu Polen hervor. Bei einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats erklärte sie, die USA beklagten «die erschreckend hohe Zahl an Opfern» des Konflikts und verurteilten Russlands zunehmend intensivere Angriffe auf Energieanlagen und andere Infrastruktur.

Die Ukraine hatte die Sitzung beantragt, nachdem Russland in der Nacht zum vergangenen Donnerstag einen massiven Angriff mit Hunderten Drohnen und Dutzenden Raketen geflogen hatte, darunter auch die neue, leistungsstarke Oreschnik-Rakete, die Moskau erst zum zweiten Mal einsetzte.

Der Angriff fiel mit einer erneuten Abkühlung der Beziehungen zwischen Moskau und Washington zusammen, nachdem Russland die Beschlagnahmung eines Öltankers durch die USA im Nordatlantik verurteilt hatte. Zugleich signalisierte US-Präsident Donald Trump seine Unterstützung für ein scharfes Sanktionspaket, das Russlands Wirtschaft schwer treffen soll.

Aus Moskau gibt es bislang keine öffentlichen Anzeichen dafür, von seinen Forderungen gegenüber der Ukraine abzurücken. Russlands UN-Botschafter machte am Montag stattdessen die Ukraine für die diplomatische Blockade verantwortlich.

Europäische Staats- und Regierungschefs verurteilten den Einsatz der Oreschnik-Rakete und auch die US-Gesandte Bruce fand am Montag deutliche Worte: «In einem Moment enormer Chancen – allein aufgrund von Präsident Trumps beispiellosem Einsatz für Frieden weltweit – sollten beide Seiten nach Wegen zur Deeskalation suchen», sagte sie. «Doch Russlands Handeln birgt die Gefahr, den Krieg auszuweiten und zu verschärfen.»

Bruce erinnerte Russland daran, dass es vor knapp einem Jahr einer Resolution des Sicherheitsrats zugestimmt habe, die ein Ende des Konflikts in der Ukraine forderte. «Es wäre schön, wenn Russland seinen Worten auch Taten folgen liesse», sagte sie. «Im Geiste dieser Resolution müssen Russland, die Ukraine und Europa den Frieden ernsthaft verfolgen und diesem Alptraum ein Ende setzen.»

(DPA)

12.01.2026, 16:37

Deutschlands grösster Rüstungskonzern Rheinmetall liefert fünf Schützenpanzer des Typs Lynx KF41 an die Ukraine. Die ersten Fahrzeuge sollen Anfang 2026 geliefert werden, wie das Unternehmen in Düsseldorf mitteilte. Der Auftragswert für die fünf Fahrzeuge belaufe sich auf einen mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag. Finanziert würden die Systeme durch Deutschland. «Als nächster Schritt ist die Beschaffung weiterer Lose einschliesslich der Produktion in der Ukraine vorgesehen», hiess es.

Produktion von Lynx-Schützenpanzern bei Rheinmetall AG in Unterlüss, Deutschland, 06. Juni 2023, mit mehreren gepanzerten Fahrzeugen in einer Werkhalle.

Produktion von Lynx-Schützenpanzern bei Rheinmetall in Unterlüss, Norddeutschland.

Foto: Keystone

Die Ukraine wehrt sich seit fast vier Jahren gegen den russischen Angriffskrieg und wird dabei auch mit Waffenlieferungen aus Deutschland und anderen europäischen Staaten und den USA unterstützt. (DPA)

13.01.2026, 07:56

Durch einen schweren russischen Luftangriff sind mindestens vier Menschen in der ostukrainischen Grossstadt Charkiw getötet worden. Der Militärgouverneur der Region, Oleh Snyjehubow, sprach ausserdem von mindestens sechs Verletzten. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe wurden auch Kyjiw, Odessa und andere Städte in der Nacht mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern angegriffen.

In dem Vorort von Charkiw wurde nach Angaben der regionalen Staatsanwaltschaft ein Logistikzentrum des Postunternehmens Nowa Poschta zerstört. Die Behörde warf der russischen Armee einen sogenannten Doppelschlag vor: Erst sei das Gebäude mit einer Rakete beschossen worden, wenig später hätten Drohnen auf Feuerwehrleute und Rettungskräfte gezielt.

Notabschaltungen in Kyjiw

In der Hauptstadt Kyjiw musste nach dem Angriff erneut an vielen Stellen notfallmässig der Strom abgeschaltet werden, wie die Stadtverwaltung mitteilte. In den grössten Städten der Ukraine müssen derzeit bei strengem Frost Millionen Menschen ohne Strom, Heizung oder Wasser ausharren, weil russische Angriffe die Versorgungsnetze gezielt ausgeschaltet haben.

Ihrerseits griff die ukrainische Armee in der Nacht mehrere Orte in Russland mit Drohnen an. Die Behörden des südrussischen Gebiets Rostow bestätigten einen Treffer auf ein Industrieunternehmen in der Stadt Taganrog. Dabei handelte es sich nach Berichten russischer Telegramkanäle um ein Werk, in dem Flugzeuge repariert und Drohnenteile hergestellt werden.

(DPA)

13.01.2026, 00:25

Russland hat nach eigenen Angaben beim Angriff mit der Mittelstreckenrakete Oreschnik das ukrainische Flugzeugwerk in Lwiw zerstört. «Nach Informationen, die durch mehrere unabhängige Quellen bestätigt wurden, ist das staatliche Flugzeugreparaturwerk Lwiw durch einen Schlag der russischen Streitkräfte in der Nacht zum 9. Januar, bei dem der mobile Raketenkomplex Oreschnik eingesetzt wurde, ausser Gefecht gesetzt worden», teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit.

Nach Angaben des russischen Militärs wurden in der Fabrik Flugzeuge, darunter auch die vom Westen gelieferten Kampfjets F-16, repariert und Kampfdrohnen mit hoher und mittlerer Reichweite produziert. Getroffen worden seien Produktions- und Lagerhallen mit schon gefertigten Drohnen sowie die Infrastruktur des betriebseigenen Flugplatzes. In Kyjiw seien zu gleicher Zeit die Produktionskapazitäten zweier Drohnenhersteller zerstört worden, heisst es in der Meldung weiter.

Moskau widersprach damit Vorwürfen Kyjiws, dass die schweren Angriffe aus der Luft in der vergangenen Woche gegen zivile Infrastruktur und Einrichtungen gerichtet waren. Nach Darstellung Moskaus sind die Zerstörungen im zivilen Sektor, die russische Attacken hinterlassen, ohnehin stets auf die Inkompetenz der ukrainischen Flugabwehr zurückzuführen. Demnach beschiessen die Ukrainer ihre Wohnviertel selbst, während die russische Armee «mit Hochpräzisionswaffen» nur militärisch relevante Anlagen ausschaltet. Experten sehen diese Behauptungen als unglaubwürdig an. (DPA)

12.01.2026, 13:24

Das Interesse an russischen Rüstungsgütern im Ausland ist nach Angaben aus Moskau auf Rekordniveau. «Bis 2022 lag der maximale Auftragswert bei 55 Milliarden Dollar. Heute haben wir mit 70 Milliarden Dollar an schon unterschriebenen Verträgen einen Rekord», sagte Vizeregierungschef Denis Manturow bei einem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin. Manturow führte das auch auf den 2022 von Putin befohlenen Krieg gegen die Ukraine zurück. «Die im Rahmen der militärischen Spezialoperation erprobte Technik wirbt für sich selbst», sagte er. Als militärische Spezialoperation bezeichnen russische Offizielle den Krieg.

Besonders gefragt seien russische Flugabwehrkomplexe, Flugzeuge und Mehrfachraketenwerfer, sagte Manturow. Allerdings hat das Auftragshoch auch eine Kehrseite. Erst im Dezember hatte Manturow nämlich eingeräumt, dass Exportaufträge hinter der Nachfrage der russischen Armee nach neuen Waffen anstehen müssten, also nur mit Verspätung abgearbeitet werden.

Russische Kriegspropagandisten wie die Chefin der staatlichen Medienholding RT, Margarita Simonjan, hatten in dem Krieg gegen die Ukraine ursprünglich einen russischen Sieg innerhalb kürzester Zeit vorausgesagt. Inzwischen dauert der Konflikt länger als der Verteidigungskampf der Sowjetunion gegen Hitler-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Die Länge der Auseinandersetzung erklärt Moskau nun damit, dass Russland in der Ukraine gegen den gesamten Westen kämpfe. Tatsächlich hat die Nato keine Soldaten in die Ukraine entsandt. Allerdings hilft der Westen dem angegriffenen Land mit Waffen zur Verteidigung.

(DPA)

12.01.2026, 09:47

Für 35’000 Haushalte im südukrainischen Gebiet Odessa ist nach einem russischen Drohnenangriff der Strom ausgefallen. Das teilte der Stromversorger DTEK mit und sprach von einem schweren Schaden. «Die Wiederherstellung der Versorgung braucht Zeit», hiess es in der Mitteilung.

In der Hafenstadt Odessa traf der Angriff ein Objekt der Infrastruktur und ein Wohnhaus, wie Bürgermeister Serhij Lyssak auf Telegram mitteilte. Zwei Menschen seien verletzt worden.

(DPA)

DPA/SDA/Redaktion Tamedia

Winter in Kyjiw: Ein Jugendlicher versucht, Frost von einem zugefrorenen Fenster eines Busses zu entfernen. (15. Januar 2026)

Foto: Sergei Gapon (AFP)