Düsseldorf – Große Trauer auf der Kö! Nach über 200 Jahren Erfolgsgeschichte muss ein Kultgeschäft endgültig schließen. Die Betreiber schmeißen hin – und sprechen in BILD über die Krise des Einzelhandels, in der viele Unternehmer stecken.
Dabei ist es Geschäftsführer Peter Franzen (41) besonders wichtig zu sagen, dass es sich in seinem Fall nicht um eine Insolvenz handelt: „Wir wollten auf jeden Fall selbst entscheiden, wann Schluss ist“, stellt er beim BILD-Besuch an der Königsallee 42 klar. Der Räumungsverkauf läuft hier schon.

Peter Franzen (41) lächelt in die Kamera, innerlich sieht es bei ihm anders aus
Foto: Johanna Ristau
Geschäft in vierter Generation muss aufgeben
Der studierte Betriebswert betreibt mit seiner Schwester Stephanie Kluth-Franzen in Düsseldorf den Concept Store Franzen – in vierter Generation! Eigentlich hatte er geplant, sein Geschäft noch weiterzugeben. Aber er gesteht: „Wenn uns die Immobilie hier nicht gehören würde, wären wir schon seit Jahrzehnten weg.“

Dieser Luxus-Seifenspender ist bei Franzen zum Sonderpreis zu haben
Foto: Johanna Ristau
Das Geschäft wurde 1820 von einer anderen Düsseldorfer Familie gegründet. Franzens Urgroßeltern übernahmen um 1900, spezialisierten sich auf Zubehör für gehobene Tischkultur. In den 80er- und 90er-Jahren boomte der Laden mit hochwertigem Porzellan, Silberbesteck und Co. Peter Franzen: „Seit 2015 geht es bergab.“

Im ersten Obergeschoss gibt es bis zu 50 Prozent Rabatt auf hochwertiges Kristallglas.
Foto: Johanna Ristau
Der Grund: Krisenbedingt bleiben wohlhabende Touristen weg. „Russen, Asiaten, Scheichs kommen schon lange nicht mehr. Das fing an mit der Krim-Krise, dann kamen Corona und der Ukraine-Krieg. Auch die Deutschen halten ihr Geld zusammen bei so vielen Unruhen auf der Welt“, glaubt der Ladeninhaber.
„Mindestlohn ist der Mörder des Einzelhandels“
Peter Franzen zählt noch weitere Gründe für das Aus auf: „Der Online-Handel, die Geiz-ist-geil-Mentalität, die unglaublich aufwendige und kostenintensive Bürokratie in Deutschland und natürlich der Mindestlohn. Der Mindestlohn ist der Mörder des Einzelhandels!“
In der Vorweihnachtszeit etwa hatte der 41-Jährige Studenten und Schüler an einem „Einpacktisch“ beschäftigt. „Dieses Personal bekam dank des Mindestlohns von 12,82 Euro bei mir 13 Euro die Stunde – und das ohne jegliche Qualifikation. Das ausgebildete Fachpersonal verlangt dann völlig zu recht deutlich mehr“, erklärt er.

Die Düsseldorferin Pia Rech shoppt seit 30 Jahren bei Franzen, kann die Schließung noch gar nicht fassen
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Beate Kreuter (l.) kommt seit 35 Jahren regelmäßig zu Franzen. Die Neusserin begeistert sich für hochwertiges Porzellan. Zur Schnäppchenjagd hatte sie ihren Mann Michael sowie die gemeinsame Freundin Cornelia Wilkert (r.) aus Aachen mitgenommen
Foto: Johanna Ristau
Mitarbeiterin wegen Geschäftsschließung bestürzt
Mitarbeiterin Christiane Hendrix ist bestürzt über das Aus. Die 64-Jährige arbeitet seit ihrem 16. Lebensjahr für Franzen. Sie zu BILD: „Ich habe hier schon meine Ausbildung gemacht. Für mich gab es nie einen Grund, den Arbeitgeber zu wechseln. Im April wäre ich nach 48 Jahren sowieso in Rente gegangen. Trotzdem trifft mich die Nachricht wie ein Schlag.“

Arbeitet seit 48 Jahren für Franzen: Christiane Hendrix, Leiterin der Beletage und Expertin für französisches Porzellan, Silberbesteck und Kristallglas
Foto: Johanna Ristau
Claudia Schiffer shoppte bei Franzen
Ihr Kollege Herbert Sosnowski (67) blickt auf 30 Jahre als Verkäufer bei Franzen zurück: „Ich hatte früher so viele Stammkunden und habe auch viele Prominente bedient.“ Er erinnert sich etwa an Claudia Schiffer, die gemeinsam mit ihrem damaligen Verlobten David Copperfield nach einem Schlüsselanhänger suchte. Sosnowski: „Am Ende entschied sie sich für einen Anhänger aus Silber für etwa 300 D-Mark.“