Das Haus, von dem niemand weiß, wie alt es ist, steht mitten in Hörbranz, zwischen Feldern und Dorfstraße, am Ufer eines Bachs. Es war eins Bürger- und Arzthaus, beherbergte ein Standesamt und einen Eisenwarenladen.
Und es ist das Elternhaus von Christoph Lissy, es diente dem Bildhauer als Wohn- und Ateliergebäude. Sein Vater war Schlosser, betrieb die Werkstatt, die der Sohn viel später übernahm. Der Künstler nutzte es als Atelier, zahlreiche Kunstwerke entstanden hier. Lange Zeit war es also ein Ort der Kunstproduktion – nun ist es ein Ort der Begegnung mit Kunst.
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Ort vor dem Vergessen bewahren
Denn vor einiger Zeit wurde das Objekt von jungen Immobilienentwicklern erworben – inklusive vieler Kunstwerke, die nun in den Räumen ausgestellt sind. „Wir haben uns selbst erst einmal einen Plan gemacht, damit wir gesehen haben, was überhaupt da ist“, sagt Unternehmerin Domenika Tomann. „Wir wussten nicht, reden wir von zehn Kunstwerken oder von diesen über 150, die tatsächlich zum Vorschein gekommen sind.“
„Wir haben zig Wochen damit verbracht, dieses Haus aufzuräumen und die ganzen Bilder zu sortieren“, ergänzt der Unternehmer Sebastian Lintner. „Wir haben diese Kunstwerke, die teilweise richtig schwer sind, wieder zusammengebaut.“ Darin sehe er die Aufgabe: „Dass wir diesen Ort hier vor dem Vergessen bewahren“, sagt Lintner. So sei es der schönste Weg: Die Kunstwerke in den Räumen des Schaffens ausstellen zu können, ergänzt Tomann.

ORF
Christoph Lissy im Jahr 2019 bei einem ORF-Interview
Erschaffer zahlreiche Kunstwerke im öffentlichen Raum
Die Ausstellung in Wohnräumen und Atelier ermöglicht einen einprägsamen Überblick über Christoph Lissys Schaffen. Lissy, 1957 geboren, wuchs in diesem Haus auf – nach dem plötzlichen Tod des Vaters ausschließlich mit Frauen. Er habe sich im Laufe seines Lebens seine „Wahlväter zusammengebastelt“, sagte Lissy einst in einem Interview.
Die „Väter“ sind Autoren oder Musiker wie Beethoven, ihnen widmet Lissy zahlreiche Arbeiten. Viele seiner Skulpturen stehen im öffentlichen Raum – bei der Fachhochschule in Dornbirn oder vor dem Funkhaus in Dornbirn. Vor 20 Jahren erlitt Lissy eine Hirnblutung, von der er sich zwar erholte, jetzt aber Haus und Atelier aufgeben musste.
Gebäude mit Geschichte: Haus Lissy
Wie die Geschichte weitergeht, ist noch nicht entschieden
„Es ist ein großer Schatz, der hier entstanden ist. Es würdigt eine große Künstlerpersönlichkeit auf ganz hohem Niveau“, sagt die Kunsthistorikerin Judith Reichart über das Projekt der jungen Unternehmer. Wie die Geschichte des Hauses weitergeht, ist noch nicht entschieden. Dass es zu einer respektvollen Umsetzung von Ideen kommt, davon zeugt der bisherige Einsatz der Eigentümer. Die Ausstellung ist nach Anfrage zugänglich.