Die Karl-Marx-Allee steht vor einem spürbaren Wandel. Gleich drei Sanierungs- und Umnutzungsprojekte bringen Kino, Biergarten und Pavillon in zeitgemäßer Form zurück und verleihen der historischen Magistrale neue kulturelle und gastronomische Impulse.
Mit der Wiedereröffnung von Kino International, James June und der Mokka-Milch-Eisbar zeichnet sich eine neue Dynamik an der Karl-Marx-Allee ab. Die Sanierungen knüpfen bewusst an die Geschichte der Straße an und übersetzen sie in die Gegenwart. / © Foto: Miranda Vermögensverwaltung GmbH, Dresden
© Foto Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Die Karl-Marx-Allee gehört ohne Zweifel zu den prägenden Stadträumen Berlins; monumental geplant, denkmalgeschützt und über Jahrzehnte immer wieder neu interpretiert. Aktuell zeichnet sich eine weitere Phase des Wandels ab: Gleich drei Sanierungs- und Umnutzungsprojekte entlang der Magistrale stehen kurz vor dem Abschluss oder der Neueröffnung.
Sie versprechen, der Straße nicht nur architektonisch, sondern vor allem kulturell und gastronomisch neue Anziehungskraft zu verleihen. Kino, Biergarten und Pavillon kehren in zeitgemäßer Form zurück, mit deutlichem Bezug zur Geschichte des Ortes.
Kino International: Rückkehr einer Ost-Berliner Ikone im Frühjahr 2026
Eines der prominentesten Projekte ist die laufende Sanierung des Kino International. Das 1963 eröffnete Premierenkino der DDR zählt zu den bekanntesten Kulturorten an der Karl-Marx-Allee und war über Jahrzehnte Schauplatz von Filmfestivals, Premieren und gesellschaftlichen Ereignissen. Nach Jahren sichtbarer Abnutzung wird das denkmalgeschützte Gebäude derzeit umfassend instand gesetzt.
Ziel der Maßnahmen ist es, die ursprüngliche architektonische Qualität wieder stärker hervorzuheben und zugleich technische Standards zu erneuern. Foyer, Saal und Nebenbereiche werden modernisiert, ohne den Charakter des Hauses zu verlieren. Mit der geplanten Wiedereröffnung im Frühjahr 2026 soll das Kino wieder stärker als kultureller Treffpunkt wirken, nicht nur für Filmfans, sondern auch als Teil des dynamischen urbanen Umfelds rund um den Alexanderplatz.
Biergarten James June: 1970er-Jahre-Flair neu interpretiert
Rund eineinhalb Kilometer östlich vom Kino International nimmt auch der Biergarten James June wieder Gestalt an. Der Umbau orientiert sich bewusst an der Gestaltung der 1970er-Jahre, als der Ort als sommerlicher Treffpunkt an der Karl-Marx-Allee diente. Im Mittelpunkt der Sanierung stehen der sensible Umgang mit der bestehenden Substanz und eine gestalterische Rückbesinnung auf historische Elemente.
Gleichzeitig wird das Konzept zeitgemäß weiterentwickelt: Der Biergarten soll künftig nicht nur gastronomische Angebote bieten, sondern auch als niederschwelliger Aufenthaltsort funktionieren. Begrünung, offene Strukturen und eine stärkere Einbindung in den Straßenraum sollen dazu beitragen, die Karl-Marx-Allee als Ort des Verweilens zu stärken; ein Aspekt, der in der Vergangenheit oft hinter ihrer Funktion als Verkehrsachse zurückstand.
Die Architektinnen des Projekts, Friederike Schwalbe und Imke Singer, standen ENTWICKLUNGSSTADT im November 2025 für ein Podcast-Interview auf der Baustelle zur Verfügung und erläuterten ihr aufwendiges Rekonstruktionskonzept.
Mokka-Milch-Eisbar: Vom Leerstand zum neuen Nachbarschaftsort
Ein besonders symbolträchtiges Projekt ist allerdings die Wiederbelebung der Mokka-Milch-Eisbar, eines Pavillons aus den 1960er-Jahren direkt neben dem Kino International. Nach der denkmalgerechten Sanierung im vergangenen Jahr hatte das Gebäude zunächst keinen Betreiber gefunden und stand leer. In der Nachbarschaft wuchs jedoch der Wunsch, den Ort wieder mit Leben zu füllen, als Treffpunkt für unterschiedliche Generationen, für Kunst, Musik und Gastronomie.
Mit Alexander und Natascha Neumann ist laut Berliner Morgenpost nun ein neues Betreiberpaar gefunden. Das geplante Restaurant soll im Frühjahr eröffnen und ein bewusst vielseitiges Angebot schaffen: tagsüber Café und Eisbar, abends Restaurant und Bar.
Die Mokka-Milchbar soll im Frühjahr 2026 eröffnen, mit Außengastronomie
Vorgesehen sind zudem eine Außengastronomie im Stil früherer Schankvorgärten sowie ein Veranstaltungsbereich im Untergeschoss, etwa für kleinere Konzerte oder Jazzabende. Auch räumlich setzt das Konzept auf Offenheit, mit großzügiger Bestuhlung im Erdgeschoss und einer Lounge auf dem Balkon.
Die Nähe zum Kino International ist dabei ein glücklicher Zufall, der das Potenzial eines neuen Kulturclusters an der Karl-Marx-Allee unterstreicht. Die anstehende Berlinale könnte also zum ersten kulturellen Highlight für das wieder eröffnete Kino und die (alte und neue) Mokka-Milch-Eisbar werden.
Drei Projekte vor der Wiedereröffnung: Neue Dynamik für eine historische Magistrale
Zusammengenommen zeigen die drei Projekte, wie sich die Karl-Marx-Allee schrittweise neu erfindet. Die Sanierungen knüpfen an die Geschichte der Straße an, ohne sie museal zu erstarren. Kino, Biergarten und Pavillon könnten für eine Entwicklung stehen, die Denkmalschutz, zeitgemäße Nutzung und neue städtische Öffentlichkeit miteinander verbindet.
Auf die Umsetzung der drei Konzepte darf man in jedem Fall sehr gespannt sein. Ab dem Frühjahr 2026 ist Berlin also wieder um einige kulinarische und kulturelle Highlights reicher. Die Nachbarschaft rund um Kino International und Mokka-Milchbar wird es freuen.
Das Kino Internatioanl präsentiert sich runderneuert und soll im Frühjahr 2026 wiedereröffnet werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Visualisierung: Schwalbe-Singer Gbr
Architektin Friederike Schwalbe (links) und Landschaftsarchitektin Imke Singer (rechts) wollen den Biergarten „James June“ zurück in die 1970er Jahre bringen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Miranda Vermögensverwaltung GmbH, Berliner Morgenpost, Kino International, Architektur Urbanistik Berlin



