Bohrung in Dellbrück

1.000 Meter in der Erde: Kann Tiefenwärme Köln künftig heizen?

19.01.2026 – 10:17 UhrLesedauer: 2 Min.

Das Foto zeigt zwei unterschiedliche Bohrköpfe, die für die Probebohrungen verwendet werden: Bei den Bohrungen handelt es sich um eine Forschungsbohrungen für die Nutzung von Tiefengeothermie.Vergrößern des Bildes

Das Foto zeigt zwei unterschiedliche Bohrköpfe, die für die Probebohrungen verwendet werden: Bei den Bohrungen handelt es sich um eine Forschungsbohrungen für die Nutzung von Tiefengeothermie. (Quelle: Roland Weihrauch/dpa)

Tiefe Geothermie könnte künftig Fernwärme in Köln liefern – unabhängig vom Wetter. Die aktuelle Bohrung klärt, ob der Standort dafür grundsätzlich geeignet ist.

Der Geologische Dienst Nordrhein-Westfalen hat eine Forschungsbohrung in Köln-Dellbrück angekündigt. Die Untersuchung soll die Nutzbarkeit von Erdwärme aus großen Tiefen klären. Auf einem ehemaligen Sportplatz planen die Experten eine Bohrung bis zu 1.000 Meter Tiefe.

Sie wollen Kalkgestein untersuchen, in dem Wasser durch Hohlräume fließt und sich erwärmt. „Je tiefer diese Gesteine vorkommen, desto wärmer ist darin enthaltenes Wasser, womit man heizen könnte“, teilte die Behörde mit. Die Ergebnisse sollen zeigen, ob sich in der Region künftig tiefe Geothermie für eine klimafreundliche Wärmeversorgung eignet.

Das warme Wasser wird aus der Tiefe an die Oberfläche gepumpt. Dort gibt es seine Wärme über Wärmetauscher etwa an ein Fernwärmenetz, an Industriebetriebe oder Gewächshäuser ab. Das abgekühlte Wasser wird über eine zweite Bohrung dann wieder in die Tiefe gebracht. Vorteil: Das warme Tiefenwasser steht immer zur Verfügung, wetterunabhängig auch im Winter.

Für genaue Analysen, ob sich das Kalkgestein als sogenanntes geothermisches Reservoir eignet, werden die Bohrkerne an die Erdoberfläche geholt. Untersuchungen soll es auch im Bohrloch selbst geben. „An diesem Standort haben wir die Möglichkeit, den Massenkalk in den oberen 1.000 Metern zu untersuchen“, erklärte Projektleiter Ingo Schäfer.

Bei der Forschungsbohrung spielt Umweltschutz eine wichtige Rolle, betont der Geologische Dienst. So gebe es technische Schutzvorrichtungen für das Grundwasser, aber auch Lärmschutzmaßnahmen für die Nachbarn. Für die eigentlichen Bohrarbeiten und das Fördern der Bohrkerne veranschlagen die Geologen zwei bis drei Monate.

Sollte sich der Untergrund als geeignet herausstellen, wird das Bohrloch trotzdem nicht zur Wärmegewinnung genutzt, sondern wieder verfüllt. Der Grund: Eine Forschungsbohrung erfüllt nicht die technischen und rechtlichen Anforderungen einer Produktionsbohrung, erklärt die Behörde. Außerdem: „Für eine echte geothermische Wärmegewinnung würde man eher einen Standort wählen, an dem der Kalkstein tiefer liegt und damit wärmer ist“, so Schäfer.

In Nordrhein-Westfalen gibt es zwar schon oberflächennahe Geothermie, aber anders als etwa in München noch keine Tiefengeothermie. In NRW sind die Planungen dafür nach früheren Angaben des Geologischen Dienstes am weitesten in Münster fortgeschritten. Ein „Masterplan Geothermie“ sieht mehrere Forschungsbohrungen bis Ende 2028 vor. Ziel ist es, bis 2045 rund 20 Prozent des Wärmebedarfs durch Geothermie zu decken.