KBV für Abschaffung telefonischer Krankschreibung

Rückendeckung für Merz kommt hingegen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). „Die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung lädt natürlich zum Missbrauch ein“, sagte KBV-Chef Andreas Gassen dem Berliner „Tagesspiegel“ (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt): „Am Telefon kann doch niemand zuverlässig beurteilen, ob jemand wirklich arbeitsunfähig ist oder nicht. Das ist oft mitunter schon in der Praxis schwer, wenn jemand mit Kopfschmerzen erscheint. Bei manchen stimmt das, bei anderen ist es schlicht am Abend zuvor spät geworden.“

Die Pflicht zur Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit innerhalb von drei Tagen verursache zudem jährlich rund 27 Millionen Arzt-Patienten-Kontakte, die medizinisch unnötig seien, so Gassen weiter: „Die ersten drei Krankheitstage sollten arbeitsvertraglich geregelt werden – wie es viele andere Länder tun“. Gassen sprach sich stattdessen für „Karenztage oder Bonussysteme“ aus.

„Krankmachende Arbeitsbedingungen“

Der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wandte sich im „Tagesspiegel“ gegen ein Ende der telefonischen Krankschreibung. Eine Verbesserung beim Krankenstand lasse sich durch „Vorbeugemedizin“ erreichen. „Das gelingt uns durch Früherkennung, etwa von Bluthochdruck, durch eine Erhöhung der Tabaksteuer und andere präventive Maßnahmen – und nicht durch Gängelei der Kranken.“

Auch Linken-Bundesgeschäftsführer Janis Ehling meinte: „Wer den hohen Krankenstand beklagt, sollte über Überlastung, Personalmangel und krank machende Arbeitsbedingungen reden, statt Beschäftigten fehlende Arbeitsmoral zu unterstellen.“ Grünen-Chefin Franziska Brantner sagte, wirtschaftlich sei es klar, „dass wir mehr arbeiten müssen“. Nötig seien aber gute Rahmenbedingungen, etwa verlässliche Kinderbetreuung. 

Mit Informationen von epd, KNA und dpa.