Dolly Parton

Stand: 19.01.2026 04:47 Uhr

„Dumb Blond“ heißt der erste Song ihres Debütalbums, doch der Titel ist so falsch wie ihre Brüste. Dolly Parton ist die Chefin der Selbstironie. Heute feiert die Countrylegende ihren 80. Geburtstag.

Dolly Parton kann einfach alles: singen, performen, schreiben und schauspielen. Mit zehn Jahren stand sie das erste Mal auf einer Bühne und wusste schon früh, was sie erreichen will: berühmt werden. „Ich wollte einfach nur ein Country-Star werden und meine Songs von anderen aufnehmen lassen oder selbst aufnehmen“, sagte sie 2024 in einem Interview mit CBS.

Und das hat sie geschafft. Jeder, der nicht die vergangenen 30 Jahre unter einem Stein gelebt hat, kennt mindestens einen Song von ihr. Ob „Jolene“, „9 to 5“ oder „I Will Always Love You“ – ja, der Song stammt von Parton, auch wenn ihn Whitney Houston zum Welthit gemacht hat.

Rund 3.000 selbst verfasste Songs

Parton schrieb rund 3.000 Songs und einige wurden weltberühmt. Schier endlos ist die Liste der Sänger und Bands, die Songs von ihr gesungen, interpretiert oder gecovert haben: The White Stripes, The Sisters of Mercy, Norah Jones, Shelby Lynne oder Kenny Rogers. Selbst Elvis sang „I Will Always Love You“ – bei seiner Scheidung von Priscilla.

Geboren wurde sie als Dolly Rebecca Parton in Pittman Center in Tennessee, einem kleinen Dorf, das keine vier Stunden von der Country-Hochburg Nashville entfernt liegt. Dorthin fuhr Dolly mit 18 Jahren mit dem Bus und lief einem netten Mann mit Gitarre über den Weg: Johnny Cash. Er habe ihr den Rat gegeben, musikalisch immer ihrem Herzen zu folgen.

Ob es an diesem Rat lag oder an ihrem Talent: Mit mehr als 100 Millionen verkauften Alben und zehn Grammys ist sie die erfolgreichste Countrysängerin der Welt. Dazu kommen 25 Nummer-1-, mehr als 50 Top-Ten- und rund 90 Top-40-Hits in den Country-Charts. 2022 wurde sie in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

„Es kostet viel Zeit und Geld, so billig auszusehen“

Berühmt wurde Parton aber auch durch ihr Aussehen. Sie trägt viel Make-up, am liebsten blonde Perücken und hat seit ihrem 22. Lebensjahr einiges in Schönheitsoperationen investiert. Ihr Großvater, der mit ihrem Look nicht einverstanden war, habe immer gefragt, ob sie denn nicht in den Himmel kommen wolle, erzählte sie im Interview mit CBS. „Klar will ich in den Himmel“, habe sie ihm entgegnet. „Aber muss ich dafür so aussehen, als käme ich aus der Hölle?“

Parton hat immer offen über ihre Schönheitsoperationen gesprochen. „Es kostet viel Zeit und Geld, so billig auszusehen, Schätzchen“, schreibt sie in ihrer Autobiografie „Dolly“. Insgesamt soll sie dafür fast eine Million Dollar ausgegeben haben.

Mit einem geschätzten Vermögen von rund 650 Millionen Dollar kann sie es sich leisten. Und sie teilt ihr Geld, Parton ist als großzügige Spenderin bekannt. Sie besitzt eine eigene Stiftung, engagiert sich gegen Jugend-Analphabetismus, spendete mehrere Millionen nach den verheerenden Waldbränden in den USA, in der Corona-Pandemie oder für den Tierschutz.

Urmutter des Female Empowerment

Parton, die aus ärmlichen Verhältnissen stammt, erzählt oft, wie sehr sie diese Armut geprägt habe. „Ich habe nicht einmal in meinem Leben daran gedacht, aufzugeben.“ Natürlich hätte sie immer nach Hause zurückkehren können, sagte sie CBS im Interview – aber da wäre sie dann genauso arm gewesen wie am Anfang ihrer Karriere.

Für Stars wie Taylor Swift oder ihre Patentochter Miley Cyrus ist und war Parton ein Vorbild, hat früh vorgelebt, wie eine selbstbestimmte Musikkarriere funktioniert. Sie hat ihre Songs selbst geschrieben und sich nie von Produzenten oder Labels in irgendwelche Rollen drängen lassen.

Sie hat die Kontrolle behalten und die Rechte an ihren Songs. Produzierte mit. Und baute sich Schritt für Schritt ihr eigenes Imperium auf – lange bevor „Female Empowerment“ oder „Girl Boss“ Marketingbegriffe waren. Sie besitzt einen Vergnügungspark namens Dollywood, und hatte schon in den 90er-Jahren eine eigene Kosmetikline. „Ich sehe aus wie eine Frau, aber ich denke wie ein Mann“, sagte sie 2024 im Interview mit Howard Stern.

„Ich bin noch nicht tot“

Was sie ebenfalls auszeichnet, ist ihr Humor und ihre grandiose Selbstironie – niemand macht so gute Witze über Dolly Parton wie Dolly Parton selbst: Sie sei mit ihrer Mutter manchmal in die Stadt gegangen, wo sie immer eine stark geschminkte, blondierte Frau in engen Kleidern bewundert habe, erzählte sie einmal bei Des O’Connor Tonight. „Das ist eine Prostituierte, die Frau ist Abschaum“, habe ihre Mutter gesagt. „Das will ich werden, wenn ich groß bin“, entgegnete Parton.

Auch in Beziehungsangelegenheiten wusste sie ganz genau, was sie will. Fast 60 Jahre war Parton mit dem Bauunternehmer Carl Dean verheiratet, den sie in einem Waschsalon kennengelernt hatte. Dean mied die Öffentlichkeit und gab keine Interviews. Angeblich mochte er die Musik seiner Frau nicht einmal. Bis zu seinem Tod im vergangenen Jahr waren die beiden skandalfrei verheiratet.

Als in Medien im vergangenen Jahr Nachrichten über ihren schlechten Gesundheitszustand kursierten – ihre letzte Tour musste sie wegen gesundheitlicher Probleme absagen – postete sie in den sozialen Medien den lakonischen Satz: „Ich bin noch nicht tot.“ Sie sei noch nicht bereit zu sterben. Ganz im Gegenteil, wie sie neulich erst in einem Interview mit dem Magazin People betonte: „Ich fühle mich, als ob ich gerade erst anfange.“