
Ein abgewehrter Strafstoß in der Schlussphase und das Siegtor in der Nachspielzeit: Der 1. FC Nürnberg feiert gegen die SV Elversberg in der 2. Fußball-Bundesliga einen emotionalen 3:2-Sieg.
Tom Zimmerschied eröffnete in einem turbulenten Spiel mit dem Führungstor für die Gäste in der 39. Minute. Nürnberg kam nach der Pause durch Julian Justvan (56.) zum Ausgleich. Jarzinho Malanga (65.) brachte Elversberg wieder in Führung, Piet Scobel (71.) glich erneut aus – und sorgte auch in der Nachspielzeit (90.+3) für den 3:2-Siegtreffer.
„Hinten raus war es dann der Lucky Punch für Nürnberg“, haderte der Elversberger Trainer Vincent Wagner. „Die Zuschauer haben ein richtig gutes Spiel gesehen“, frohlockte der Nürnberger Trainer Miroslav Klose.
Die Elversberger verpassten nach zweimaliger Führung den möglichen Sprung an die Tabellenspitze. Nürnberg bleibt mit 25 Punkten in Lauerstellung.
Nürnberg lange mit Chancenwucher
Nürnberg zeigte von Beginn an viel Intensität und Offensivdrang, ließ aber dicke Chancen liegen: Bei Julian Justvans Schuss (19.) stand der Querbalken im Weg. Fünf Minuten später war Berkay Yilmaz durch. SVE-Keeper Nicolas Kristof zeigte eine starke Reaktion, Piet Scobel hatte im Nachsetzen die Chance, aber Maximilian Rohr klärte den Kopfball auf der Linie.
Nürnberg blieb am Drücker – und bis zum Abschluss lief der Ball perfekt: Mohamed Ali Zoma ließ zwei Gegner stehen, sein Schuss flog haarscharf am langen Eck vorbei (33.). Im Anschluss war es erneut Scobel, der freie Bahn hatte – Kristof rettete mit einer Glanztat.
Elversberg stellt Spielverlauf auf den Kopf
Elversberg fand ohne den abgewanderten Younes Ebnoutalib und den erkrankten Bambasa Conté mehr als eine halbe Stunde lang offensiv überhaupt nicht statt. Dann zeigten die Gäste aber, warum sie zu den Top-Teams der 2. Liga gehörten: Eine zielstrebige Kombination reichte, um Nürnbergs Abwehr auszuhebeln. Lasse Günther legte den Ball von der Grundlinie mit viel Übersicht zurück auf den komplett blank stehenden Zimmerschied, der aus kurzer Distanz Jan Reichert im FCN-Kasten keine Chance ließ.
Das Halbzeitergebnis wirkte skurril angesichts des Spielverlaufs. „Nürnberg war in der ersten Halbzeit deutlich überlegen“, fand sogar Wagner. „Wenn wir unsere Chancen besser nutzen, müssen wir nicht immer einem Rückstand hinterherlaufen“, sagte Klose.
Der „Club“ spielte unbeirrt weiter nach vorne. Vier Minuten nach Wiederanpfiff ließ Zoma einen gefährlichen Schuss von der Strafraumgrenze los, SVE-Keeper Kristof rettete erneut. Acht Minuten später belohnten sich die Nürnberger endlich für ihren Aufwand, Yilmaz legte den Ball perfekt in den Lauf von Justvan, diesmal war auch Kristof machtlos.
Nürnberg stürmisch, aber erst in der zweiten Halbzeit mit Toren
Nürnberg wollte mehr, stürmte weiter – Elversberg schlug wie schon im ersten Durchgang eiskalt bei einem Konter zu: Günther war erneut der Vorbereiter, bediente Malanga. Drei Nürnberger konnten Malanga nicht am Schuss hindern, FCN-Keeper Reichert ging einen Moment zu früh nach unten, der Ball schlug im Eck ein.
Die Nürnberger zeigten sich nur kurz geschockt, schalteten direkt wieder in den Vorwärtsgang. Fünf Minuten nach dem Rückstand nahm Rafael Lubach aus knapp 25 Metern Maß. Der Ball sprang vom Pfosten zurück auf Scobel, und diesmal konnte Nürnbergs Stürmer den Abpraller verwerten, das Spiel war wieder ausgeglichen.
Doch die Nerven der „Club“-Fans wurden weiter überstrapaziert: Keeper Reichert verdaddelte den Ball bei einem Ausflug am Strafraumeck, Malanga hatte das leere Tor vor sich, aber Luka Lochishvili blockte den Schuss kurz vor der Linie ab (77.).
Nürnbergs Yilmaz mit Blackout – Reichert wehrt Strafstoß ab
Fünf Minuten später der nächste Blackout der Nürnberger, diesmal mit Folgen: Yilmaz leistete sich im eigenen Strafraum einen unnötigen Griff gegen Frederik Schmahl, der sofort theatralisch zu Boden ging. Schiedsrichter Konrad Odlhafer zeigte auf den Punkt und ließ sich auch von den wütenden Protesten von Miroslav Klose nicht von seiner Entscheidung abbringen. Der FCN-Coach wurde auf die Tribüne verwiesen. Doch Reichert tauchte ins richtige Eck und parierte den Strafstoß von Otto Stange – das Max-Morlock-Stadion bebte. Trotzdem war Klose auch nach dem Spiel noch wütend: „Das ist für mich zu wenig für Elfmeter und dabei bleib ich.“
Es gab sechs Minuten Nachspielzeit, Nürnberg kam tatsächlich zum „Lucky Punch“: Der eingewechselte Tom Baack flankte perfekt an den Fünfer, Scobel versenkte den Ball per Kopf im langen Eck und sorgte für den verdienten Nürnberger Sieg. „Ich kann ihn nicht genug loben“, sagte Klose. „Er ist da sehr präsent, die Mannschaft sucht ihn.“
Wagner blieben nur noch Rechenübungen: „Drei Tore sind mindestens zwei zu viel.“
Nürnberg in Darmstadt, Elversberg gegen Bochum
Nürnberg ist am 19. Spieltag am Freitagabend (18.30 Uhr) beim SV Darmstadt zu Gast. Elversberg empfängt am Sonntag (13.30 Uhr) den VfL Bochum.