Ulm bezeichnet er als seine Heimatstadt. Nach Frankfurt kam er erst vor gut 20 Jahren, zum Studium. Geboren wurde Mike Josef allerdings in Syrien. Die aramäisch-christliche Familie Yusuf fühlte sich in ihrem Heimatland nicht sicher und übersiedelte nach Deutschland, wo auch der vier Jahre alte Sohn als politischer Flüchtling anerkannt wurde. Mike Josef hat nach seiner Jugendzeit in Ulm unter anderem an der Goethe-Universität in Frankfurt studiert. Der Diplom-Politologe war Stadtverordneter im Frankfurter Römer, von 2016 bis 2023 hauptamtlicher Stadtrat und Dezernent vor allem für Planen und Wohnen. Im März 2023 wurde der SPD-Politiker zum Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt gewählt, am 11. Mai 2023 vereidigt. Nun ist der Vater von zwei Söhnen auch noch das Oberhaupt der World Design Capital 2026. Den Ehrentitel für die Region Frankfurt/Rhein-Main übernahm er im November 2024 von San Diego/Tijuana. Die Auszeichnung, so sagte er damals, habe das Potential, „Veränderungen in unserer Gesellschaft anzustoßen“.
Was essen Sie zum Frühstück?
Unter der Woche trinke ich nur einen Kaffee. Wenn ich frühstücke, kann ich nichts mehr zu Mittag essen, weil ich einfach nicht sehr viel esse. Am Wochenende, wenn ich mit der Familie zu Hause bin, frühstücken wir zusammen, Rührei und Pfannkuchen mit Nutella oder Honig.
Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?
Ein Riesenvorteil ist, dass ich fast nur noch Anzüge trage und ich meine feste Größe habe. Deswegen kann ich von der Stange weg kaufen. Manchmal fahre ich auch ins Wertheim Village oder bestelle online.
Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?
Ich habe eine Basketballhose von den Houston Rockets, einer NBA-Mannschaft. Die Hose ist von 1996. Die habe ich in der sechsten Klasse gekauft. Als Jugendlicher habe ich gerne weite Kleidung getragen, heute ist es umgekehrt. Doch damals habe ich Größe L gekauft, deswegen passt mir die Hose bis heute.
Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?
Einen längeren Brief habe ich zuletzt an Volker Hauff geschrieben, der selbst von 1989 bis 1991 Oberbürgermeister von Frankfurt war. Das war meine Antwort auf einen tollen Brief, den er an mich geschrieben hat, als ich gerade ein paar Monate im Amt war.
Welches Buch hat Sie im Leben am meisten beeindruckt?
Es gibt ein Buch, an das ich mich sehr gerne erinnere: „Der Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafón. Es war das erste Buch, das ich gelesen habe, als ich 2003 nach Frankfurt kam.
Wie informieren Sie sich über das Weltgeschehen?
Morgens lese ich die Regionalteile aller Frankfurter Zeitungen. Darüber hinaus habe ich einen Google Alert, der mich über die wichtigsten Nachrichten aus aller Welt auf dem Laufenden hält.
Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?
Sport, Fußball, Eintracht Frankfurt. Sport ist eine Riesenleidenschaft von mir.
Bei welchem Film haben Sie zuletzt geweint?
Mir gehen generell Filme nahe, wenn sie aus dem Leben sind. Biographien von Menschen, die vieles im Leben durchmachen mussten, etwa Gandhi oder Maria Callas.
Ich bin abergläubisch in dem Sinne, dass ich Handlungen wiederhole, wenn etwas gut gelaufen ist. In der Paulskirche, als ich die erste Rede gehalten habe, für jeden Oberbürgermeister ist das etwas sehr Erhabenes, da bin ich einen bestimmten Weg in Richtung Rednerpult gegangen. Und diesen Gang behalte ich seither bei.
Worüber können Sie lachen?
Über Filme, über schöne Geschichten, über mich selbst. Generell schätze ich Menschen, die Humor haben.
Die Namen meiner Kinder, Elia und Emanuil.
Machen Sie eine Mittagspause?
Teils, teils. Es gibt Tage, an denen ich mich mittags zurückziehe, einen Kaffee trinke, eine Kleinigkeit esse, um abzuschalten, runterzukommen, nachzudenken. Manchmal schätze ich es aber auch, mich mit dem Team zusammenzusetzen. Beides gelingt nicht immer, aber für eine kurze Pause nehme ich mir gerne Zeit.
In welchem Land würden Sie gerne leben?
Außerhalb von Frankfurt? In Griechenland. Meine Frau ist aus Griechenland, und wir sind da jedes Jahr immer in derselben Stadt. In Ioannina, ganz im Westen. Meine Schwiegereltern haben dort ein Haus, meine Kinder lieben es, und ich liebe die Mentalität der Griechen: Es ist alles etwas entschleunigter als bei uns.
Was fehlt nie in Ihrem Kühlschrank?
Milch. Ich trinke abends gerne ein Glas Milch.
Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?
Für mich ist ein Auto Mittel zum Zweck, ein Gebrauchsgegenstand, der mir das Leben durchaus erleichtert. Aber ansonsten verbinde ich keinen Freiheitsbegriff mit einem Auto. Nur vielleicht zu der Zeit, als ich meinen Führerschein gemacht habe, als ich dachte: Wahnsinn, ich kann mich jetzt ins Auto setzen und losfahren!
Was ist Ihr größtes Talent?
Ich gehe unvoreingenommen auf Menschen zu, ohne Vorurteile, höre zu, gebe nicht vor, alles zu wissen. Mein Gegenüber kann auch recht haben. Egal welchen Abschluss er hat, ob er mehr oder weniger Geld hat, welcher Religion er angehört. Aufgrund meiner eigenen Lebensgeschichte weiß ich, es geht am Ende immer nur um den Menschen, es geht um den Charakter.
Was tun Sie, obwohl es unvernünftig ist?
Schokolade essen. Ich liebe alles Süße.
Welcher historischen Person würden Sie gerne begegnen?
Müsste ich eine nennen, dann wäre es vielleicht Winston Churchill. Er hat viele Menschen in den Bann gezogen, obwohl er hochumstritten war. Doch es geht nicht darum, geliebt zu werden, sondern auch darum zu wissen, dass es um etwas Übergeordnetes geht.
Tragen Sie Schmuck? Und eine Uhr?
Ich trage immer eine Uhr und meinen Ehering. Und eine goldene Halskette mit einem Kreuz.
Haben Sie einen Lieblingsduft?
Ich liebe den Duft der Lasagne meiner Frau.
Was war Ihr schönstes Ferienerlebnis?
Meine Frau und ich haben ein Konzert von der Band Melisses in der Nähe von Thessaloniki, bei Chalkidiki, besucht, in einem Amphitheater. Die Atmosphäre, das Historische verbunden mit der Moderne – ein wunderschöner Abend, den ich nicht so schnell vergesse.
Auf welchem Konzert waren Sie zuletzt?
Bruce Springsteen in Frankfurt.
Was fehlt Ihnen zum Glück?
Wenn ich mir überlege, wo ich herkomme und wo ich heute bin, dann bin ich eigentlich sehr glücklich. Privat wie beruflich. Und das ist auch eine Kunst, glücklich zu sein.
Was trinken Sie zum Abendessen?
Wenn ich daheim bin, Wasser, nach dem Essen gerne noch ein Glas Milch. Wenn ich unterwegs bin, wenn ich auswärts esse, trinke ich auch gerne einmal ein Glas Wein.