Deutschland gilt als Wiege der Brotkultur: Kaum ein anderes Lebensmittel wird so zelebriert, es ist sogar als immaterielles Kulturerbe registriert. Doch hält die Liebe zur Backware oft nur wenige Tage, denn in der Brotnation landen (nach Obst und Gemüse) Backwaren besonders häufig in der Mülltonne. Damit soll Schluss sein, findet der Bundesminister Alois Rainer und nimmt in der Grünen Woche in Berlin den Kochlöffel selbst in die Hand. Zusammen mit Starkoch Christian Mittermeier zeigt er in einer Live-Kochshow, wie man aus alten Brotresten und wenig Aufwand einfache Gerichte zaubern kann. Denn: zur Brotkultur gehören nicht nur rund 3000 Sorten, sondern auch viele Wege, aus alt(backen) wieder neu zu machen.

Rainer und Mittermeier, beide aus der Metzgerbranche, servieren an diesem Montagmittag gleich zwei nostalgische Klassiker: Scheiterhaufen und Brotsuppe, ganz wie aus Omas Küche und mit einer klaren Botschaft. Weil Brot oft weggeworfen wird, sobald es hart ist, wird es in der Brotsuppe wieder weich und macht satt. Beim Scheiterhaufen werden trockene Semmeln mit Milch, Eiern und Obst zum süßen Auflauf statt zum Abfall. „Es ist meine Leidenschaft, Lebensmittelverschwendung einzudämmen“, erklärt der Landwirtschaftsminister, während er das Öl in den Topf gießt. Nebenbei erzählt er, warum ihm das Thema so nah ist: Er sei in einer Gaststätte aufgewachsen, mit eigenem Garten und Landwirtschaft, und bei ihnen sei immer alles gezielt verwertet worden.

Rund 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle in Deutschland

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, warum die Grüne Woche an diesem Tag Fokus auf das Thema Lebensmittelverschwendung legt. Denn jährlich fallen laut dem Bundeslandwirtschaftsministerium in Deutschland rund 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an, 58 Prozent davon in Privathaushalten. Um dagegen vorzugehen, soll eine vom Ministerium entwickelte App den Nutzern zeigen, welche Gerichte sich aus Lebensmittelresten kochen lassen. Ob süß oder deftig, darunter findet man auch die Brotsuppe und den Scheiterhaufen, welche der Politiker und der Starkoch gerade zubereiten.

Bei zwei Bayern am Tresen darf natürlich eine Zutat für die Suppe nicht fehlen: Bier (wenn auch für die Grüne Woche in alkoholfreier Variante). Plopp, macht es, als Alois Rainer die Flasche gekonnt mit einem Brotmesser öffnet, „gelernt ist gelernt“, sagt er mit einem Lachen. Welche Brotsorten man daheim hat, spielt keine Rolle, die Rezepte funktionieren, ob mit Grau- oder Schwarzbrot. Davon konnte sich das Publikum am Ende der Kochshow selbst überzeugen. Und, wie schmeckt es?

Am Ende der Kochshow darf sich das Publikum selbst von den Rezepten überzeugen.

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Am Ende der Kochshow darf sich das Publikum selbst von den Rezepten überzeugen.
Foto: Mariana Silva Lindner

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Foto: Mariana Silva Lindner

„Sehr würzig, aber lecker. Genauso habe ich es früher in der Schule in der Ernährungslehre auch gelernt“, sagt die 71-jährige Besucherin Angelika Scheer, die das Süppchen vom Minister kosten durfte. Ihr Fazit zeigt: Ob mit „Schrippe“, „Brötchen“ oder „Semmel“, das Rezept funktioniert.

Starkoch Christian Mittermeier gibt Tipps: So wird altes Brot wieder frisch

Doch während der Kochshow gab es nicht nur Rezepte, Starkoch Mittermeier gibt auch kleine Haushaltstipps: „Man kann trockenes Brot wieder frisch machen, indem man es unter den Wasserhahn hält und dann in den Ofen schiebt.“ Dadurch werde es innen wieder fluffig, und außen schön kross. Am besten lagere man das Brot in Zimmertemperatur und geschützt in einem Brotkasten. Dann bleibt die „Schrippe“ länger frisch. Und wenn sie doch mal trocken wird, bleibt immer noch das Suppenrezept.

  • Mariana Silva Lindner

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  • Internationale Grüne Woche Berlin

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