Warum starke Schärfe Schmerzen lindert: Wie Capsaicin die Schmerzrezeptoren dämpft

Der Behandlungsansatz wirkt zunächst paradox, denn die Chilischärfe löst ja selbst Schmerzen aus. „Wer Gerichte mit viel Chili zu sich nimmt, kann regelrecht brennende Schmerzen im Mundraum entwickeln“, sagt Scheike. Allerdings: Wer regelmäßig Chili isst, gewöhnt sich daran, und genau das ist auch das Ziel der Behandlung mit einem Capsaicin-Pflaster.

Wenn die Ärzte das Pflaster aufkleben, wird der Schmerz zunächst meistens stärker. Wird es nach einer halben Stunde entfernt, muss die entsprechende Stelle gekühlt werden. Ist die Therapie aber erfolgreich, klingen die Schmerzen schon nach einigen Stunden ab. Dann haben die TRPV1-Kanäle, bestimmte Schmerzrezeptoren, Empfindlichkeit verloren. Idealerweise hält die Wirkung dann einige Wochen an.

Sichere Anwendung in der Klinik: Chili-Pflaster jetzt in Leitlinien für Post-Zoster-Neuralgie

Das Pflaster ist so scharf, dass Patienten es nicht selbst anwenden können, sondern in die Ambulanz kommen müssen. Auf keinen Fall darf das Konzentrat auf Schleimhäute gelangen oder in die Augen, denn das würde zu gefährlichen Reizungen führen.

Neu ist die Behandlung mit dem Chili-Pflaster im Grunde nicht. Sie ist schon seit 2010 zugelassen. Doch seit vergangenem Jahr ist die Behandlung in neuen medizinischen Leitlinien verankert. So empfiehlt die Leitlinie „Schmerzmanagement bei geriatrischen Patient:Innen in allen Versorgungssettings (GeriPAIN)“ das Pflaster bei der Post-Zoster-Neuralgie.