Donald Trump

Stand: 20.01.2026 05:15 Uhr

Ukraine, Iran, Gaza, Venezuela oder Grönland: Spätestens jetzt – ein Jahr nach seinem Amtsantritt – ist klar, dass US-Präsident Trump die Weltordnung erschüttert hat. Ein Überblick über zwölf Monate seiner Außenpolitik.


Carsten Kühntopp

„In Washington gibt es einen neuen Sheriff in der Stadt“: Die erste kalte Dusche bekommen die Europäer gleich im Februar durch US-Vizepräsident JD Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz in Washington.

Vance stellt dar, wo er und der „neue Sheriff“ der USA, Präsident Donald Trump, die eigentliche Gefahr für Europa sehen: im Innern. „Am meisten besorgt mich nicht eine Bedrohung Europas durch Russland, China oder andere Mächte. Mich besorgt die Bedrohung im Inneren, dass sich Europa von den Werten abwendet, die es mit den USA teilt.“

In der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie wird später stehen, einige europäische Regierungen träten grundlegende Prinzipien der Demokratie mit Füßen, um die Opposition zu unterdrücken.

Streit vor laufenden Kameras

Schnell folgt der nächste Schock für die Europäer, als Trump den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj empfängt. „Sie haben keine Karten. Sie spielen mit dem Schicksal von Millionen Menschen. Sie riskieren einen dritten Weltkrieg“, sagte der US-Präsident damals.

Später ändert Trump die Richtung und droht Kremlchef Wladimir Putin mit Sanktionen, nur um ihm dann in Alaska den roten Teppich auszurollen: „Ich hatte immer eine fantastische Beziehung zu Präsident Putin, zu Wladimir. Wir sprechen uns bald wieder und treffen uns wahrscheinlich auch sehr bald wieder.“ Doch eine Waffenruhe in der Ukraine konnte Trump bis heute nicht aushandeln.

Angriff auf den Iran und ein Gaza-Deal

Mehr gelingt ihm im Nahen Osten: US-Kampfbomber beschädigen Atomanlagen im Iran. Für Trump ein „spektakulärer militärischer Erfolg“. „Die wichtigsten Stätten für die Urananreicherung sind vollständig ausgelöscht.“

Ein entscheidender Schlag gegen Israels Gegner. Der Moment ist günstig und Trump nutzt ihn, um eine Feuerpause für den Gazastreifen durchzusetzen. Alle noch lebenden Geiseln kehren nach Israel zurück – es gehe „in Richtung eines großartigen, herrlichen und dauerhaften Friedens“, findet er.

Venezuelas Staatschef in Handschellen

In Venezuela hingegen lässt Trump zuschlagen und Nicolás Maduro gefangen nehmen. In New York wird der entmachtete Staatschef wegen Drogenterrorismus vor Gericht gestellt. Trump greift nach dem Ölreichtum des Landes.

Die Monroe-Doktrin von vor 200 Jahren soll künftig wieder gelten. Nach der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie werde die „amerikanische Dominanz in der westlichen Hemisphäre niemals wieder in Frage gestellt“, so Trump.

Besitzansprüche auf Grönland

In Grönland hingegen geht es ihm nicht nur um Dominanz, sondern um Besitz. Wegen der nationalen Sicherheit der USA müsse Grönland amerikanisch werden. Die Insel zu besitzen, so der Präsident, sei psychologisch wichtig für ihn.

Spätestens jetzt ist klar: In nur zwölf Monaten hat Trump die regelbasierte Weltordnung schwer beschädigt. Er besteht auf das Recht des Stärkeren. Seine Kritiker sprechen von einer Rückkehr von Kolonialismus und Imperialismus.