Als Eric im Sommer 2023 nach Berlin kommt, steht am Tag seiner Ankunft mit dem CSD schon die erste Party an. „Es ging los mit Feiern und danach hat es mich weiter in die Clubs gezogen“, sagt er. Eine neue Stadt, ein Job als Headhunter einer IT-Firma, neue Freunde in der queeren Szene. Das Berghain, sagt er, sei „Liebe auf den ersten Blick“ gewesen. Liquid Ecstasy wurde durch das viele Feiern zum ständigen Begleiter.

GBL – Gamma-Butyrolacton – riecht ein wenig nach Lösungsmittel und schmeckt scheußlich. Aber die Wirkung ist eine Art chemische Abkürzung zu einem Gefühl, nach dem Eric sich ein Leben gesehnt hat: Ruhe. Eric hat ADHS, die Gedanken springen schnell hin und her, verheddern sich manchmal. „Ich konnte nie runterkommen“, sagt er, „nicht vom Alltag, nicht vom Feiern“.

GBL verschafft ihm außerdem innerhalb von Minuten eine neue Selbstwahrnehmung. Er fühlt sich selbstbewusst, stark, attraktiv. Was die Droge bei ihm auslöste? „Die ganzen Sachen, die mir sonst gefehlt haben, hatte ich auf einmal innerhalb von fünf Minuten von einer verdammten Flüssigkeit.“

In seinem Berliner Freundeskreis fällt sein Konsum nicht groß auf, sagt er. Ein bisschen GBL beim Abendessen mit Freunden, eine Line Mephedron, ein paar Tropfen vor dem Club. „Vieles davon gilt als normal, besonders in der schwulen Partyszene von Großstädten wie Berlin.“

Als Eric seinen Job verliert, wird das Wochend-Gefühl plötzlich Alltag. Zwei bis drei Monate lang konsumiert er jede Stunde, jeden Tag.