Berlin, 20. Jan (Reuters) – Die deutschen Exporte in die USA sind wegen der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump im vorigen Jahr eingebrochen.
Die Warenausfuhren in die Vereinigten Staaten sanken in den ersten elf Monaten 2025 um 9,4 Prozent auf 135,8 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Die Importe aus den USA stiegen dagegen um 2,2 Prozent auf 86,9 Milliarden Euro. Das Geschäft mit den USA entwickelte sich damit auf der Export- und Importseite schwächer als der deutsche Außenhandel insgesamt. „Der Rückgang dürfte dabei nicht der letzte gewesen sein“, sagte Sebastian Dullien, der wissenschaftliche Direktor des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts. „Der US-Markt dürfte auf absehbare Zeit für deutsche Exporteure kein Wachstumsmarkt mehr sein, sondern ist zum Risikogeschäft mutiert.“
Außenwirtschaftschef Volker Treier von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) bezeichnete 2025 als Jahr der Rekordbelastungen im Außenhandel – besonders durch die US-Handelspolitik. „Der Handel mit unserem wichtigsten Exportmarkt, den Vereinigten Staaten, hat sich deutlich verringert.“ Während der Absatzmarkt USA enorm schwächele, steige das Konkurrenzangebot aus China – auch wegen der handelspolitischen Verwerfungen.
Die Zölle von Trump belasten die erfolgsverwöhnten Exporteure. „Der Fall Grönland zeigt, dass die US-Handelspolitik mehr und mehr für geopolitische Ziele instrumentalisiert wird“, sagte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. „Wegen der Zick-Zack-Handelspolitik der USA können Unternehmen nicht mehr verlässlich planen.“ Das Mercosur-Abkommen mit südamerikanischen Ländern könne daher nur der Auftakt für weitere neue Handelsbeziehungen sein.
US-GESCHÄFT SCHWÄCHELT – CHINA WIEDER HANDELSPARTNER NR.1
Die Investitionen deutscher Unternehmen in den USA haben sich im ersten Jahr von Trumps zweiter Amtszeit einer Studie zufolge nahezu halbiert. Von Februar bis November 2025 brachen die Direktinvestitionen um 45 Prozent auf insgesamt rund 10,2 Milliarden Euro ein, wie aus einer Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) hervorgeht. Ein Jahr zuvor lag die Summe noch bei fast 19 Milliarden Euro.
Durch den Exportrückgang bis November bei gleichzeitig steigenden Importen schrumpfte der deutsche Handelsüberschuss mit den USA deutlich. Er fiel nach Angaben des Statistikamts um fast ein Viertel auf 48,9 Milliarden Euro, nachdem er im Vorjahreszeitraum noch ein Rekordhoch von 64,8 Milliarden Euro erreicht hatte. Dies ist der niedrigste Wert seit dem Corona-Jahr 2021. Zudem verloren die USA ihre erst 2024 errungene Position als wichtigster Handelspartner Deutschlands wieder an China. Der Handelsumsatz mit China lag mit rund 230,8 Milliarden Euro über dem mit den USA von 222,8 Milliarden Euro.
Besonders stark von dem Rückgang betroffen war die für Deutschland wichtige Automobilindustrie. Die Ausfuhren von Kraftwagen und -teilen sanken um 17,5 Prozent auf 26,9 Milliarden Euro. Auch die Maschinenexporte gingen um neun Prozent zurück. Pharmazeutische Erzeugnisse verzeichneten hingegen ein leichtes Plus von 0,7 Prozent auf 26,2 Milliarden Euro. Bei den Importen aus den USA legten pharmazeutische Produkte mit plus 8,1 Prozent auf 13,7 Milliarden Euro am stärksten zu.
Die Entwicklung in Deutschland steht im Kontrast zum gesamten Handel der Europäischen Union mit den USA. Den Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat zufolge legten die Exporte der 27 Mitgliedstaaten in die USA um 4,7 Prozent zu. Dieses Plus ist jedoch fast ausschließlich auf die stark gestiegenen Ausfuhren Irlands zurückzuführen, die um mehr als 60 Prozent kletterten. 20 der 27 EU-Länder verzeichneten demnach wie Deutschland sinkende Exporte. Treibende Kraft im EU-Handel mit den USA war vor allem das Geschäft mit Pharma-Produkten, das sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen kräftig wuchs.
(Bericht von Klaus Lauer; redigiert von Ralf Banser – Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)