Der französische Präsident Emmanuel Macron hat ein Treffen im G7-Format mit einer Beteiligung Russlands und Dänemarks vorgeschlagen. Das geht aus privaten Textnachrichten zwischen Macron und Trump hervor, die der US-Präsident auf der Plattform Truth Social teilte. Der Élysée-Palast bestätigte der Deutschen Presse-Agentur die Echtheit der Nachrichten.
US-Präsident Donald Trump hatte einen Screenshot einer Nachricht auf seiner Plattform Truth Social veröffentlicht, die Macron ihm schickte. Darin heißt es: „Wir sind uns über Syrien einig, wir können großartige Dinge in Sachen Iran tun, ich verstehe nicht, was du bei Grönland tust.“ Und weiter: „Ich kann nach Davos ein G7-Treffen am Donnerstag in Paris organisieren. Ich kann die Ukrainer einladen, die Dänen, die Syrer und die Russen am Rande.“
Zudem schlug Macron Trump ein gemeinsames Abendessen in Paris vor.
Hier die Nachricht von Macron an Trump im Wortlaut:
Von Präsident Macron an Präsident Trump
Mein Freund,
wir sind uns in Bezug auf Syrien völlig einig. Wir können Großes in Bezug auf den Iran erreichen. Ich verstehe nicht, was du in Grönland tust. Lass uns versuchen, Großes zu erreichen:
1) Ich kann am Donnerstagnachmittag nach Davos ein G7-Treffen in Paris organisieren. Ich kann die Ukrainer, Dänen, Syrer und Russen am Rande einladen.
2) Lass uns am Donnerstag, bevor du in die USA zurückkehrst, gemeinsam in Paris zu Abend essen.
Emmanuel
Die Nachricht von Macron an Trump.
© Truthsocial/Donald J. Trump; Screenshot: Tagesspiegel
Macron hatte bereits im Dezember gesagt, dass es nützlich sein könnte für Europa und die Ukraine, wieder mit Kremlchef Wladimir Putin zu sprechen, um direkt an der Diskussion beteiligt zu sein. „Ansonsten diskutieren wir untereinander mit Verhandlungsführern, die allein mit den Russen diskutieren werden. Das ist nicht optimal.“
Trump veröffentlichte kurz vorher auch eine schmeichelhafte SMS von Nato-Chef Mark Rutte. „Was du in Syrien geschafft hast, ist unglaublich. Ich werde meine Auftritte vor den Medien in Davos dazu nutzen, deine Arbeit dort, in Gaza und in der Ukraine herauszustellen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir einen Weg vorwärts bei Grönland finden. Ich kann es kaum erwarten, dich zu sehen.“
Trump zuvor über Macron: „Niemand will ihn“
Das Verhältnis von Trump und Macron galt zuletzt als angespannt. Am Wochenende hatten rund 60 Staats- und Regierungschefs eine Einladung der US-Regierung zur Teilnahme an einem sogenannten „Friedensrat“ erhalten. Das internationale Gremium soll die neue Übergangsregierung des im Krieg zwischen der Hamas und Israel weitgehend zerstörten Küstenstreifens beaufsichtigen. Eine mehr als dreijährige Mitgliedschaft ist allerdings an die Zahlung von einer Milliarde US-Dollar in bar geknüpft.
Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot hatte Trumps Einladung am Montag allerdings vorerst abgelehnt. Frankreich müsse „Nein sagen, weil die Charta dieses ,Friedensrates’ über den Gazastreifen und damit über den von den Vereinten Nationen unterstützten Friedensplan hinausgeht“, sagte Barrot vor Abgeordneten. Mit Trumps „Friedensrat“ könnten die USA eine Art Konkurrenzorganisation zu dem Bündnis etablieren wollen.
Trump reagierte daraufhin promp und drohte Frankreich mit hohen US-Zöllen. Sollte Macron dem Gremium nicht beitreten, werde er Zölle in Höhe von 200 Prozent auf Wein und Champagner erheben, sagte der US-Präsident am Montag vor Journalisten in Miami. Dann werde Macron schon beitreten – „aber er muss nicht“.
Das sagte Trump über Macron:
„Niemand will ihn, weil er sehr bald aus dem Amt scheiden wird. Also ist das in Ordnung. Was ich tun werde, ist Folgendes: Wenn sie (Frankreich – Anm. d. Red.) das als Kosten empfinden, dann werde ich einen Zoll von 200 Prozent auf seine Weine und Champagner erheben. Dann wird er beitreten. Aber er muss nicht beitreten. (…) Und in ein paar Monaten wird er eh nicht mehr im Amt sein.“ (Quelle: Trump via CNBC)
Ist Trumps Nachrichtenveröffentlichung eine Retourekutsche an Macron?
Wie die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) am Dienstag berichtete, soll die Verstimmung zwischen Trump und Macron auch einem anderen Umstand zugrunde liegen. Demnach soll am Dienstagabend im französischen TV-Sender „France 2“ der Dokumentarfilm „Der Krieg, Donald Trump und wir“ ausgestrahlt werden.
In dem Film soll der Mitschnitt eines privaten Telefongesprächs zwischen Trump und Macron gezeigt werden, das Frankreichs Präsident am 10. Mai 2025 während seines Aufenthalts in Kiew geführt haben soll. Pikanterweise soll Macron sein Gegenüber zu keinem Zeitpunkt darüber aufgeklärt haben, dass er sich von einem Kamerateam filmen lässt. Kurz vor dem Telefonat habe Kiew einem Vorschlag Trumps über einen 30-Tage-Waffenstillstand zugestimmt. Der US-Präsident sagt daraufhin am Telefon: „Oh gut. Nobelpreis dafür“
Terminkollision? EU-Krisengipfel soll ebenfalls Donnerstag stattfinden
Wegen Trumps Androhungen von Strafzöllen gegen mehrere europäische Länder haben die EU-Staats- und Regierungschefs einen Krisengipfel einberufen. Das Treffen soll am Donnerstagabend in Brüssel stattfinden, wie eine Sprecherin von EU-Ratspräsident António Costa mitteilte. Den Angaben zufolge sollen an den Beratungen Bundeskanzler Friedrich Merz und die anderen Staats- und Regierungschefs teilnehmen.
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Macron plant das G7-Treffen unter Beteiligung von Vertretern der Ukraine, Dänemarks, Syriens und Russlands ebenfalls am Donnerstag – allerdings nachmittags und in Frankreichs Hauptstadt Paris. Das Abendessen mit Trump soll Macrons Nachricht zufolge am Abend ebenfalls in Paris stattfinden. Ob und in welchem Umfang es hier zu Terminkollisionen kommt, bleibt abzuwarten. (dpa, mira)