Moskaus Außenminister Sergej Lawrow hat Russlands rechtswidrige Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim im Jahr 2014 mit Trumps Besitzansprüchen auf die selbst verwaltete Arktisinsel Grönland unter der dänischen Staatshoheit verglichen.
Bei einer Pressekonferenz sagte er: „Die Krim ist für die Sicherheit Russlands nicht weniger wichtig als Grönland für die Vereinigten Staaten.“ Lawrow verwies damit auf Trumps Standpunkt, nach dem die Sicherheit der Vereinigten Staaten lediglich gewährleistet werden könne, wenn das autonome Grönland sich vollständig unter US-Kontrolle begibt.
Im gleichen Zuge behauptete Lawrow, dass Grönland lediglich eine „koloniale Eroberung“ und damit „kein natürlicher Teil Dänemarks“ sei. „Grönland ist im Prinzip kein natürlicher Bestandteil Dänemarks, oder?“, sagte der Außenminister. „Es war weder ein natürlicher Bestandteil Norwegens noch ein natürlicher Bestandteil Dänemarks. Es ist eine koloniale Eroberung. Dass die Bewohner sich inzwischen daran gewöhnt haben und sich wohlfühlen, ist eine andere Sache.“
Russland hat kein Interesse daran, sich in Grönland einzumischen.
Sergej Lawrow, russischer Außenminister
Dem russischen Narrativ folgend ist die Krim historisch betrachtet seit jeher „russisch“. Moskau begründet die Annexion der Halbinsel stets damit, dass die Region bereits seit Jahrhunderten der Militärstandort der Schwarzmeerflotte ist. Außerdem betonte der Kreml immer, dass man die russischsprachigen Menschen auf der Krim schützen wolle, da diese durch die Herrschaft und Kolonialisierung durch Kiew bedroht seien.
Lawrows Kritik: Trump handelt nicht rechtskonform
Trumps Ansprüche auf die Arktis-Insel kommen Moskau gelegen, weil sie die Aufmerksamkeit der EU-Staaten von Putins Krieg gegen die Ukraine ablenken. Vor den Journalisten zeigte sich Lawrow dann auch mehr als zufrieden über die stetig wachsende Kluft zwischen den USA und Europa. So wies er spöttelnd auch darauf hin, dass Trump seine eigenen moralischen Maßstäbe zur Grundlage seiner Politik mache – und nicht das internationale Recht.
Dass Russland selbst im Rahmen seiner großangelegten Invasion in die Ukraine zahlreiche Menschenrechtsverletzungen verübt hat und der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag bereits 2023 einen internationalen Haftbefehl gegen Wladimir Putin wegen der rechtswidrigen Deportation ukrainischer Kinder erlassen hat, ließ Lawrow unerwähnt.
Der russische Chefdiplomat merkte ironischerweise an, dass die Völker das Recht auf Selbstbestimmung hätten. Russland hatte sich 2014 erst die Krim und im Rahmen des Angriffskriegs gegen die Ukraine später die Gebiete Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson einverleibt. Die Einnahme erfolgte im Rahmen von Volksabstimmungen und Scheinwahlen, die international nicht anerkannt wurden.
Sergej Lawrow bei seiner jährlichen Pressekonferenz zu Jahresbeginn.
© IMAGO/SNA/IMAGO/Yuri Kochetkov
Russland hat „kein Interesse an Grönland“
Über Trumps stetige Andeutungen, nach denen Moskau ebenfalls eine Kontrolle über Grönland anstrebe und die Insel daher verteidigt werden müsste, ärgerte sich Lawrow allerdings sichtlich. Demnach hätten weder Russland noch China ein Interesse daran, Grönland zu erobern, so Lawrow.
„Die Nato durchläuft eine Phase der Herausforderungen, und Russland hat kein Interesse daran, sich in Grönland einzumischen“, so der 75-Jährige. Er betonte: „Washington weiß sehr genau, dass Russland keine solchen Pläne hat.“
Lawrow betonte außerdem erneut, dass Moskau in der Arktisregion nach wie vor an einer Zusammenarbeit mit Anrainer-Staaten interessiert sei. In der Region schlummern riesige Rohstoffvorkommen, an denen die Arktis-Staaten interessiert sind.
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Zudem bewertete Lawrow Trumps Idee zur Gründung eines „Friedensrates“ positiv. Am Wochenende hatte der US-Präsident rund 60 Staats- und Regierungschefs zur Teilnahme an einem internationalen „Friedensrat“ eingeladen. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin erhielt ein Angebot, wie Trump später bestätigte. Mit seinem „Friedensrat“, den der US-Präsident selbst leiten will, möchte Trump ein Gremium schaffen, das in Konkurrenz zu den Vereinten Nationen weltweit Konflikte lösen soll. (mit dpa)