Auf seiner Plattform Truth Social hat US-Präsident Donald Trump den Screenshot einer privaten Textnachricht veröffentlicht, die der französische Präsident Emmanuel Macron ihm geschrieben haben soll. Darin hat ein Treffen im G7-Format mit einer Beteiligung Russlands und Dänemarks in Paris vorgeschlagen.

Der Élysée-Palast bestätigte der Deutschen Presse-Agentur die Echtheit der Nachricht. Allerdings hat Macron selbst seinen Plan für ein gemeinsames G7-Treffen wohl zwischenzeitlich wieder aufgegeben. „Es ist kein Treffen geplant“, sagte der Franzose der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag in Davos. 

Was steht in Macrons Nachricht an Trump?

In der Nachricht Macrons hieß es: „Wir sind uns über Syrien einig, wir können großartige Dinge in Sachen Iran tun, ich verstehe nicht, was du bei Grönland tust.“ Und weiter: „Ich kann nach Davos ein G7-Treffen am Donnerstag in Paris organisieren. Ich kann die Ukrainer einladen, die Dänen, die Syrer und die Russen am Rande.“

Zudem schlug Macron Trump ein gemeinsames Abendessen in Paris vor. Eine Antwort Trumps war nicht Teil des Screenshots. Ein US-Regierungsbeamter teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, Trump habe während seines geplanten Aufenthalts in Europa derzeit keine Reise nach Paris geplant.

Hier die Nachricht von Macron an Trump im Wortlaut:

Von Präsident Macron an Präsident Trump

Mein Freund,
wir sind uns in Bezug auf Syrien völlig einig. Wir können Großes in Bezug auf den Iran erreichen. Ich verstehe nicht, was du in Grönland tust. Lass uns versuchen, Großes zu erreichen:
1) Ich kann am Donnerstagnachmittag nach Davos ein G7-Treffen in Paris organisieren. Ich kann die Ukrainer, Dänen, Syrer und Russen am Rande einladen.
2) Lass uns am Donnerstag, bevor du in die USA zurückkehrst, gemeinsam in Paris zu Abend essen.
Emmanuel

Trump Truth Social Post, Macron Nachricht, 20.1.2025
Screenshot

© Truthsocial/Donald J. Trump; Screenshot: Tagesspiegel

Zum Grönland-Konflikt hieß es aus Macrons Umfeld, dass die Achtung der Souveränität und territorialen Integrität der Staaten für Frankreich nicht verhandelbar sei und Frankreichs Engagement als Nato-Verbündeter für die Sicherheit in der Arktis unverändert bleibe. Am Dienstag warnte Macron auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, dass die Welt aktuell einen Wandel erlebe, und zwar „hin zu einer Welt ohne Regeln, in der das Völkerrecht mit Füßen getreten wird und in der das einzige Gesetz, das zu zählen scheint, das des Stärkeren ist.“ Sogenannte „imperiale Ambitionen“ kehrten zurück.

Rutte schmeichelt Trump

Trump veröffentlichte kurz vorher auch eine schmeichelhafte SMS von Nato-Chef Mark Rutte. „Was du in Syrien geschafft hast, ist unglaublich. Ich werde meine Auftritte vor den Medien in Davos dazu nutzen, deine Arbeit dort, in Gaza und in der Ukraine herauszustellen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir einen Weg vorwärts bei Grönland finden. Ich kann es kaum erwarten, dich zu sehen.“

Trump zuvor über Macron: „Niemand will ihn“

Das Verhältnis von Trump und Macron galt zuletzt als angespannt. Am Wochenende hatten rund 60 Staats- und Regierungschefs eine Einladung der US-Regierung zur Teilnahme an einem sogenannten „Friedensrat“ erhalten. Das internationale Gremium soll die neue Übergangsregierung des im Krieg zwischen der Hamas und Israel weitgehend zerstörten Küstenstreifens beaufsichtigen. Eine mehr als dreijährige Mitgliedschaft ist allerdings an die Zahlung von einer Milliarde US-Dollar in bar geknüpft.

Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot hatte Trumps Einladung am Montag allerdings vorerst abgelehnt. Frankreich müsse „Nein sagen, weil die Charta dieses ,Friedensrates’ über den Gazastreifen und damit über den von den Vereinten Nationen unterstützten Friedensplan hinausgeht“, sagte Barrot vor Abgeordneten. Mit Trumps „Friedensrat“ könnten die USA eine Art Konkurrenzorganisation zu dem Bündnis etablieren wollen.

„Eine koloniale Eroberung“ Lawrow vergleicht Trumps Grönland-Pläne mit Putins Krim-Annexion

Trump reagierte daraufhin promp und drohte Frankreich mit hohen US-Zöllen. Sollte Macron dem Gremium nicht beitreten, werde er Zölle in Höhe von 200 Prozent auf Wein und Champagner erheben, sagte der US-Präsident am Montag vor Journalisten in Miami. Dann werde Macron schon beitreten – „aber er muss nicht“.

Das sagte Trump über Macron:

„Niemand will ihn, weil er sehr bald aus dem Amt scheiden wird. Also ist das in Ordnung. Was ich tun werde, ist Folgendes: Wenn sie (Frankreich – Anm. d. Red.) das als Kosten empfinden, dann werde ich einen Zoll von 200 Prozent auf seine Weine und Champagner erheben. Dann wird er beitreten. Aber er muss nicht beitreten. (…) Und in ein paar Monaten wird er eh nicht mehr im Amt sein.“ (Quelle: Trump via CNBC)

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Ist Trumps Nachrichten-Leak eine Retourkutsche an Macron?

Wie die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) am Dienstag berichtete, soll die Verstimmung zwischen Trump und Macron auch einem anderen Umstand zugrunde liegen. Demnach soll am Dienstagabend im französischen TV-Sender „France 2“ der Dokumentarfilm „Der Krieg, Donald Trump und wir“ ausgestrahlt werden.

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In dem Film ist der Mitschnitt eines privaten Telefongesprächs zwischen Trump und Macron zu sehen, das Frankreichs Präsident am 10. Mai 2025 während seines Aufenthalts in Kiew geführt haben soll. Pikanterweise soll Macron sein Gegenüber zu keinem Zeitpunkt darüber aufgeklärt haben, dass er sich von einem Kamerateam filmen lässt.

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Kurz vor dem Telefonat habe Kiew einem Vorschlag Trumps über einen 30-Tage-Waffenstillstand zugestimmt. Der US-Präsident sagt daraufhin am Telefon: „Oh gut. Nobelpreis dafür“. (mira, dpa)