Der russische Angriffskrieg in der Ukraine ist längst zu einem Krieg der Drohnen geworden. Bereits seit Jahren lässt sich so auch mit günstigen Drohnen großer Schaden anrichten. Während Russland trotz Kriegswirtschaft noch immer auf iranische Schahed-Drohnen angewiesen ist, greift die Ukraine auf Know-how ihrer Nato-Partner zurück.

Nicht zuletzt für die Europäer ist die Produktion von militärischem Equipment äußerst lukrativ geworden. Rüstungsunternehmen erleben einen Boom und fangen so teilweise die starken Verluste der schwächelnden Autobauer auf. In einzelnen Fällen beginnen diese beiden Wirtschaftszweige mittlerweile sogar, miteinander zu kooperieren. So beispielsweise in Frankreich.

Dort hat der größte französische Autobauer Renault mit dem Rüstungsunternehmen Turgis Gaillard eine Vereinbarung über die Herstellung von Drohnen für die Ukraine getroffen, wie unter anderem die „Financial Times“ berichtet. Dieser Schritt folgt auf eine Aufforderung der französischen Regierung an Automobil- und Verteidigungsunternehmen, bei der Produktion von Drohnen zusammenzuarbeiten.

„Wir wurden aufgrund unserer Produktions- und kreativen Industriekompetenz kontaktiert. Dieses Projekt läuft derzeit und wird vom Verteidigungsministerium geleitet. Wir bestätigen unsere Teilnahme an diesem Projekt auf Wunsch des Staates“, sagte Renault-Direktor Fabrice Cambolive am Dienstag dem Sender BFM Business.

Für Renault ist es nicht der erste Abstecher in die Rüstungsbranche: Im Ersten und Zweiten Weltkrieg hatte der französische Autobauer bereits Panzer hergestellt.

Es ist nicht bekannt, ob die Drohnen für offensive, defensive oder Überwachungszwecke eingesetzt werden sollen. Wie der Output letztlich aussehen könnte, zeigt allerdings das Portfolio von Turgis Gaillard: Zu den Produkten gehört eine 20 Meter lange Drohne mit langer Flugdauer namens „Aarok“, die fast drei Tonnen Treibstoff, Waffen oder Ausrüstung transportieren kann.

Die wichtigsten Nachrichten des Tages

  • Russland hat die Ukraine nach Angaben aus Kiew in der Nacht mit mehr als 300 Drohnen angegriffen. Zudem seien eine erhebliche Zahl ballistischer Raketen und Marschflugkörper eingesetzt worden, schreibt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf der Online-Plattform X. Bei den Attacken wurde ein Mann getötet. Mehr dazu im Newsblog.
  • Moskaus Außenminister Sergej Lawrow hat Russlands rechtswidrige Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim im Jahr 2014 mit den Besitzansprüchen von US-Präsident Donald Trump auf die selbst verwaltete Arktisinsel Grönland unter der dänischen Staatshoheit verglichen. Bei einer Pressekonferenz sagte er: „Die Krim ist für die Sicherheit Russlands nicht weniger wichtig als Grönland für die Vereinigten Staaten.“ Mehr dazu hier.
  • Italienische Eurofighter haben ein russisches Flugzeug abgefangen, weil es dem europäischen Luftraum nahekam. Es gab zwar bereits zahlreiche ähnliche Vorfälle in den vergangenen Monaten. Doch dieses Mal flog kein Kampfjet auf das Nato-Gebiet zu, sondern ein seltenes Amphibienflugzeug. Mehr dazu hier.
  • Selenskyj hat die Schaffung einer gemeinsamen Armee der Ukraine und Europas mit bis zu drei Millionen Soldaten vorgeschlagen. Er habe das Thema angesichts der Bedrohung durch Russland bereits im vergangenen Jahr angesprochen, sagt Selenskyj in einem Online-Chat mit Journalisten. Russland plant, seine Streitkräfte bis zum Jahr 2030 auf 2,5 Millionen Soldaten aufzustocken.
  • Selenskyj hat einen Besuch beim Weltwirtschaftsforum in Davos von möglichen Vertragsunterzeichnungen oder weiteren Hilfszusagen abhängig gemacht. „Doch bisher habe ich in der Ukraine einen Auftrag und für mich ist es essenziell, hier alle Dienste zu koordinieren“, sagte er, wie mehrere örtliche Medien übereinstimmend berichten.
  • Der russische Investmentbanker und Vertraute Wladimir Putins, Kirill Dmitrijew, soll am Weltwirtschaftsforum teilnehmen. Nach Einschätzung von „Euronews“ könnte seine Präsenz das erwartete Zustandekommen von Sicherheitsgarantien zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten gefährden.
  • In der Ukraine hat das stillgelegte Atomkraftwerk Tschernobyl der Internationalen Atomenergiebehörde zufolge nach weitreichenden Militäraktivitäten zwischenzeitlich seine gesamte externe Stromversorgung verloren. Mehrere für die nukleare Sicherheit wichtige Umspannwerke seien von den Militäraktivitäten betroffen gewesen, teilt die IAEA auf der Online-Plattform X mit.
  • Der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU hat eigenen Angaben zufolge einen russischen Soldaten festgenommen, dem vorgeworfen wird, an der Erschießung eines ukrainischen Kriegsgefangenen in der Region Kursk beteiligt gewesen zu sein. Selenskyj bestätigte, dass es sich bei dem Festgenommenen um den mutmaßlichen Täter handeln soll. 
  • Zum besseren Schutz vor feindlichen Drohnen organisiert die Ukraine ihre Flugabwehr um. Mit dieser Aufgabe ist Pawlo Jelisarow als neuer Vizekommandeur der Luftwaffe betraut worden. „Unsere Aufgabe ist es, einen Anti-Drohnen-Schutzschild über der Ukraine zu errichten“, erläuterte Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow.
  • Durch einen russischen Bombenangriff ist mindestens eine Frau in der ostukrainischen Großstadt Charkiw getötet worden. Das teilte der Militärgouverneur der Region, Oleh Synjehubow, auf Telegram mit. Den Angaben nach hatten russische Flugzeuge nachmittags drei sogenannte Gleitbomben abgeworfen, die in einem Viertel mit Einfamilienhäusern einschlugen.

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