Berlin – Der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (54, CSU) hält es für ein mögliches Szenario, dass US-Präsident Donald Trump (79) Grönland militärisch angreift. „Bei diesem Mann ist überhaupt nichts auszuschließen“, so Guttenberg am Dienstagabend bei „Maischberger“. Seine klare Warnung: Europa muss sich jetzt gegen den US-Präsidenten behaupten und „die richtige Sprache finden“ – ob das allerdings gelingt, da ist der ehemalige Verteidigungsminister bislang skeptisch.

Guttenberg bezweifelt, dass Europa schon eine abgestimmte Strategie gegen Trumps Drohgebärden habe. Das Auftreten von Nato-Generalsekretär Mark Rutte (58) nannte Guttenberg eine „Schleimspur“ – Rutte müsse sich wahrscheinlich selbst immer wieder auf die Zunge beißen. Doch auch das Auftreten von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (48), der zuletzt frontal auf Trump losging und die „Handels-Bazooka“ gegen die USA forderte, wertet Guttenberg kritisch: Wer so auftritt, müsse auch liefern – sonst reagiere der Bully Trump so „wie ein Bully nun mal reagiert. Er wird wieder zuschlagen.“

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Beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos kommt es heute zum Zusammentreffen der Europäer mit dem US-Präsidenten, am Nachmittag soll Trump seine mit Spannung erwartete Rede halten. Inwieweit die Europäer ihn abseits des Rednerpults persönlich zur Rede stellen oder einen Kompromiss suchen, bleibt abzuwarten.

Guttenberg: „In dem Moment, wo man durchatmet, fliegt einem die nächste Faust ins Gesicht”

Für Guttenberg ist klar: Die Europäer müssen wachsam bleiben. „In dem Moment, wo man durchatmet bei Donald Trump, fliegt einem die nächste Faust ins Gesicht”, warnte er.

Das von Trump vorgebrachte Argument, Grönland einnehmen und dadurch sichern zu wollen, nennt Guttenberg eine „völlige Farce“. Die Möglichkeit hätten die Amerikaner auch jetzt schon – ohne eine Annexion. Stattdessen attestiert der Sicherheitsexperte Trump zwei zentrale Motive, warum er Grönland haben wolle: erstens, das „unfassbar narzisstische Ego des US-Präsidenten“ und zweitens wirtschaftliche Interessen.

Guttenberg fasst zusammen: Trump benehme sich „wie ein Drittklässler, dem man den Frisbee wegnimmt“.

US-Politikberater Andrew Langer, ebenfalls am Dienstag zu Gast bei „Maischberger“, hielt allerdings gegen das Szenario einer Grönland-Invasion. „Wir sollten diese Idee kategorisch ausschließen”, empfahl er. Die europäischen Sorgen nannte er überzogen.