An der Fakultät für Gestaltung der Technischen Hochschule Augsburg wird Joshua Fritsch derzeit als Ausnahmeerscheinung gefeiert. Am Höhepunkt seiner Studienzeit als Designer für Kommunikation wurde er mit einem regelrechten Preisregen ausgezeichnet. Für seine Semesterarbeit „Gutty“ erhielt er die goldene Nadel beim ADC Talent Wettbewerb 2025. Zudem gewann er gemeinsam mit seiner Kommilitonin Amelie Kallup für das Projekt „Fore“ den Hauptpreis des Nachwuchs-Awards Junior Corporate Design, dotiert mit 1000 Euro. Wer ist dieser junge, ausgezeichnete Designer?

Teamarbeit hilft im Kommunikationsdesign, sagt der Augsburger Student

Trotz seiner Erfolge entspricht Joshua nicht dem Klischee des talentierten Einzelkämpfers. Zwar arbeitet er gerne selbstständig, schätzt jedoch ebenso die Chancen gemeinschaftlicher Projekte. „Gerade im Gestaltungsbereich ist Teamarbeit förderlich. Man lernt, sich von eigenen Ideen zu lösen und Kompromisse einzugehen. Schwierig wird es erst, wenn das gemeinsame Ziel aus dem Blick gerät“, sagt er.

Der 27-Jährige ist in München aufgewachsen und absolvierte seine Ausbildung als Mediengestalter bei der FUNKE Mediengruppe. Mit der Zeit entsprach die Tätigkeit dort aber nicht mehr seinen Vorstellungen: In diesem Job führte er Ideen aus, aber der Wunsch nach einer eigenen kreativen Herausforderung wuchs. Heute studiert Joshua im ersten Semester den Masterstudiengang Identity Design an der TH Augsburg, um seine Auseinandersetzung mit dem Thema Identität und Design zu vertiefen. Parallel arbeitet er als Werkstudent bei einer Designagentur in Hamburg.

Sein Projekt „Gutty“ führte zu Fritschs Durchbruch als Designer

Bereits während seines Bachelorstudiums im Kommunikationsdesign konnte er seine gestalterischen Fähigkeiten kontinuierlich weiterentwickeln. Besonders in seinem Projekt „Gutty“ überrascht er auf freche und humorvolle Art mit einem Thema, über das selten offen gesprochen wird: die Verdauung. Das Konzept basiert auf einem fiktiven Veggie-Burgerladen und beleuchtet die Schattenseite herkömmlicher Fast-Food-Kultur. In einer sanften Retro-Ästhetik, in der Rosa den Ton angibt, wagt er es, ein gesellschaftliches Tabu sichtbar zu machen und ihm neue Facetten abzugewinnen.

Joshua Fritsch widme sich im Projekt "Gutty" der menschlichen Verdauung.

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Joshua Fritsch widme sich im Projekt „Gutty“ der menschlichen Verdauung.
Foto: Joshua Fritsch

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Joshua Fritsch widme sich im Projekt „Gutty“ der menschlichen Verdauung.
Foto: Joshua Fritsch

„Anfangs hatte ich schon Bedenken, den Bogen zu überspannen. Aber am Ende waren alle persönlich ergriffen“, sagt Joshua mit einem Lächeln über seine spielerische Art, mit Tabuthemen umzugehen. Während das Projekt bei der ersten Agentur zunächst überraschend nüchtern aufgenommen wurde, verlor Joshua die Arbeit nicht aus den Augen. In Zusammenarbeit mit seinem Professor Kai Bergmann – und zusätzlich motiviert durch die Aussicht auf einen Kasten Bier bei fristgerechter Fertigstellung – entwickelte er das Konzept konsequent weiter. Der kreative Prozess forderte ihn dabei in höchstem Maße heraus: Das Projekt sollte weder eklig noch übergriffig wirken, gleichzeitig aber auch nicht in ein klassisches gestalterisches Korsett gezwängt werden.

Wenn er nicht designt, spielt Joshua Fritsch Metal-Musik

Der Appell für eine gesunde vegane Ernährung wird im Werk „Gutty“ nicht nur visuell vermittelt, sondern durch kreative Transformationen tiefgründig erzählt. Wortspiele und Assoziationen mit bestimmten Körperöffnungen gehören dabei bewusst zum Konzept. Die Idee entstand aus dem Wunsch heraus, eine Geschichte über „gute Burger“ zu erzählen. „Ein veganer Burger allein zieht heute nicht mehr. Ich wollte die Leute wirklich abholen“, erzählt der Design-Student. Um seine theoretischen Überlegungen zu überprüfen, begann er zu Hause sogar mit dem Fermentieren.

Einen Ausgleich zu seiner Arbeit findet Joshua nicht nur in der Zubereitung veganer Speisen, sondern auch in Filmkunst und Musik. Wenn er nicht gerade versucht, seine Freundin von einem Film aus dem Horrorgenre zu überzeugen, spielt er Bass in einer Nu-Metalcore-Band. Die Gitarre begleitet ihn bereits seit seiner Kindheit, den Weg in die Big Band der Hochschule fand er jedoch über das Schlagzeug.

Joshua Fritsch entwickelt einmalige Markenidentitäten

Wie es in den kommenden zehn Jahren weitergeht, lässt Joshua bewusst offen. Aktuell reizen ihn vor allem Branding-Projekte, bei denen er unverwechselbare Markenidentitäten entwickelt. Designs, die sich abheben, klar am Markt positioniert sind und Kunden binden. Auch kann er sich eine langfristige Tätigkeit in der Hamburger Designagentur vorstellen. Dass er sich eines Tages vielleicht selbstständig macht, schließt er ebenfalls nicht aus. Sicher ist jedoch eines: Dem künstlerischen Schaffen will er treu bleiben. Er ist überzeugt, dass Kommunikation durch Kreativität stärker und wirkungsvoller wird. „Über Kreativität findet man einen Zugang zu den Menschen. Das Rebellische macht Spaß – und bei mir muss es immer einen Twist geben.“ Und wo ließen sich Grenzen besser aufbrechen, veraltete Strukturen hinterfragen und neue Perspektiven eröffnen als in der Kunst?

  • Leni Fuhl

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