Der Weiße Ball, dessen Geschichte bis ins Jahr 1906 zurückreicht, ist heute die letzte große karnevalistische Gala dieser Art in Mannheim. Er lebt vom Ehrenamt und von vielen helfenden Händen im Hintergrund. Präsident Tschierschke nutzt den Abend, um genau diesen Einsatz zu würdigen: Partner, Sponsoren und Unterstützer, ohne die der Ball nicht möglich wäre. Besonders bedankt er sich bei der Firma Otto, die mit viel Gespür für Atmosphäre für die aufwendige und stimmungsvolle Dekoration des Saales verantwortlich zeichnet – ein entscheidender Beitrag zu dem Glanz dieses Abends.Auch die Politik zeigt Präsenz. Oberbürgermeister Christian Specht sowie weitere Vertreter der Stadt unterstreichen mit ihrem Besuch die Bedeutung der Fasnacht für Mannheim. Dazwischen sorgt das kubanische Artistenduo Ebenezer aus dem Palazzo für staunende Gesichter: elegante Bewegungen, extreme Akrobatik, ein Finale, bei dem der Saal den Atem anhält, bevor begeisterter Applaus losbricht. Mit dem Einzug der Garde und dem Abschied des Prinzenpaars der vergangenen Kampagne wird der Abend kurz nachdenklich. Marco I. erinnert an den abrupten Abbruch der Kampagne nach der Amokfahrt am Rosenmontag und lobt den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft sowie den Einsatz der „Blaulichtfamilie“. Fasnacht, macht er deutlich, ist mehr als Ausgelassenheit – sie ist Teil der städtischen Identität.
Wenn dann im Mozartsaal des Rosengartens das Licht erlischt und dramatische Musik den Raum füllt, liegt dieser besondere Moment in der Luft, in dem alle spüren: Jetzt passiert etwas Außergewöhnliches. Einzelne Lichtkegel schneiden durch das Dunkel, dann tritt Fabian Klenk ein. Weiss die Hose, schwarz die Stiefel, darüber eine blaue Samtjacke mit goldenen Verzierungen und ein Umhang, der jede Bewegung begleitet. Für einen Augenblick wirkt es märchenhaft – und zugleich sehr ernst.
So wird Fabian I. vom LebensOrt beim Weißen Ball der Feuerio-Gesellschaft als neuer Prinz inthronisiert. Als Feuerio-Präsident Bodo Tschierschke ihn begrüßt und ihn kurz „Marco I.“ nennt, huscht ein Schmunzeln durch den Saal. Der Versprecher wird mit Humor genommen, das Zepter überreicht. Fabian I. blickt in den vollbesetzten, prachtvoll dekorierten Mozartsaal und sagt schlicht: „Das ist schon anders als auf der Probe – eindrucksvoll.“
Dann gehört die Bühne dem neuen Prinzen. Gemeinsam mit Stadtprinzessin Nadine II. stellt er sich vor.„Ich bin Fabian der Erste, mit Herz, Hirn und Humor, vom LebensOrt komm ich – und hab Wichtiges vor“. Erstmals in der Geschichte des Weißen Balls enthält das Prinzenmotto sogar einen lateinischen Leitsatz: „Unitas in Varietate et Inclusione“
Die Übersetzung folgt sofort, im Dialekt und ohne Umwege: Vereint in Vielfalt und Inklusion – für alle Menschen, und zwar jetzt. Der Applaus zeigt, dass diese Botschaft ankommt. Der 42-Jährige, früher Unternehmensberater, heute in der Pflege tätig, will die Fasnacht nutzen, um für Teilhabe und Miteinander zu werben.
Oberbürgermeister Specht greift diese Haltung in seiner Ansprache auf. Dass ein Prinz aus Schwaben Mannheim repräsentiere, stehe sinnbildlich für Offenheit und Vielfalt. Er lobt die soziale Arbeit des Prinzen wie auch den Weißen Ball als Aushängeschild der Stadt.
Nach den Worten folgt das Feiern. Die Gemischte Garde begeistert mit einem selbstironischen Showtanz, nach dem Ehrentanz des Prinzenpaars füllt sich die Tanzfläche. Für ausgelassene Stimmung sorgt die Hit Radio Show mit einem bunten Streifzug durch die Musikgeschichte – von Klassikern bis zu Partyhits. Gesungen, getanzt und gefeiert wird bis weit nach Mitternacht.
Als die Nacht langsam ausklingt, bleibt mehr als die Erinnerung an einen festlichen Ball. Es bleibt das Gefühl, dass dieser Abend zeigt, was Fasnacht sein kann: glanzvoll, gemeinschaftlich – und getragen von vielen helfenden Händen im Hintergrund.