Eine Gruppe von Wissenschaftlern um den Religionspädagogen Mouhanad Khorchide hat das Fach im Bundesland begutachtet. Was dabei herauskam. 

Die schwarz-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen will den Islamischen Religionsunterricht an den Schulen weiter ausbauen. Eine von der Landesregierung beauftragte wissenschaftliche Untersuchung unterstreiche, dass der vor 14 Jahren in dem bevölkerungsreichsten Bundesland eingeführte Bekenntnisunterricht „ein wichtiger Bestandteil der Bildungsaufgabe und Ort der Orientierung für muslimische Schülerinnen und Schüler“ sei, sagte Schulministerin Dorothee Feller (CDU) am Mittwoch im Bildungsausschuss des Landtags. Gerade in einer Zeit, in der Social-Media-Inhalte polarisierten, aufhetzten oder falsch seien, gebe das Fach Orientierung.

„Die Evaluation des Islamischen Religionsunterrichts zeigt, dass dieser einen wichtigen Beitrag zur Religionsmündigkeit muslimischer Schülerinnen und Schüler leistet“, sagte der Leiter der Studie, der Münsteraner Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide, vor dem Ausschuss. Zudem fördere er ein weltoffenes Islamverständnis, das demokratische Grundwerte stärke. Khorchide leitet das Zentrum für Islamische Theologie an der Universität Münster, an dem Lehrkräfte für den Islamischen Religionsunterricht ausgebildet werden. Sein Team hatte 353 Schüler sowie 60 Lehrkräfte mittels Fragebögen befragt.

Fach erreicht wenige Schüler

Die Studienautoren fordern, den Religionsunterricht an allen Schulformen flächendeckend einzuführen. Denn er erreicht nur einen Bruchteil der muslimischen Schüler. Laut Schulministerium bieten derzeit 247 der rund 5.400 Schulen in NRW den Bekenntnisunterricht für 31.673 Schüler an. Das entspricht etwa 6,3 Prozent der 500.000 muslimischen Mädchen und Jungen an den Schulen des Landes. Aktuell stehen 332 Lehrkräfte zur Verfügung; vor zehn Jahren waren es 99.

Angesichts der Zahlen fordert die FDP-Fraktion einen Kurswechsel. „Der Islamische Religionsunterricht war gut gemeint“, sagte die schulpolitische Sprecherin Franziska Müller-Rech dem WDR. Er wirke aber nicht flächendeckend. Stattdessen sollte es einen verpflichtenden Ethik- und Philosophieunterricht geben.

Extremismusprävention

Dagegen wertete die SPD-Schulexpertin Dilek Engin das Fach als wichtigen Baustein für „gelebte Vielfalt an unseren Schulen“. Der Ausbau brauche „mehr personelle und organisatorische Stabilität“.

Laut Studie nehmen die meisten Befragten den Religionsunterricht als alltagsrelevant, motivierend und zufriedenstellend wahr. Er werde als pädagogische Gegenkraft zu einseitigen oder extremistischen Deutungen in den sozialen Medien verstanden. In dem Fach sollten aber künftig Themen wie Gendergerechtigkeit, Antisemitismusprävention und Medienkompetenz ein stärkeres Gewicht bekommen.