Es ist ein Rückschlag für die Entwicklung des historischen Bogensee-Areals bei Berlin: Ein Großbrand hat große Teile des denkmalgeschützten Hauptgebäudes zerstört – das sogenannte Lektionsgebäude der ehemaligen Hochschule der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung. Unterdessen hält die Gemeinde Wandlitz an ihren Plänen für das Gelände mit der Goebbels-Villa fest.
Auf dem geschichtsträchtigen Bogensee-Areal mit der Goebbels-Villa nördlich von Berlin ist ein Großbrand ausgebrochen.
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Das Feuer war am Mittwochabend ausgebrochen. „Nach erster Einschätzung fielen der große Saal, die Bühne sowie die ehemaligen Sprecherkabinen den Flammen zum Opfer. Die Seitenflügel des Gebäudes sind nicht unmittelbar vom Feuer erfasst worden“, teilte die Gemeinde Wandlitz mit.
Das bestätigte Daniel Kurth (SPD), Landrat des Kreises Barnim. Der große Saal des ehemaligen Unterrichtsgebäudes sei „komplett verloren“. Die gesamte Innenausstattung, die Sitzreihen und das Parkett seien bei dem Brand zerstört worden. „Es ist ein großer Verlust.“ Die Villa, die sich NS-Propagandaminister Joseph Goebbels auf dem Areal bauen ließ, blieb bei dem Brand unbeschädigt.
Zeugen hätten gegen 20.49 Uhr Rauchentwicklung aus einem Gebäude auf dem Areal gemeldet, teilte die Polizei mit. Daraufhin eilte die Feuerwehr aus Wandlitz und umliegenden Orten zum Bogensee-Areal.
„Die Kameraden der Feuerwehr bekämpften erst einen Brand im Dachstuhl, der später auf das komplette Gebäude übergriff“, teilte die Polizei mit. Das Feuer breitete sich auf einer Fläche von rund 800 Quadratmetern aus, sagte ein Sprecher der Regionalleitstelle Nordost auf Anfrage. Die Löscharbeiten dauerten bis zum Donnerstagmittag.
„Die Witterung ist der Gegner“
In der Nacht seien zwischenzeitlich rund 90 Kräfte im Einsatz gewesen. „Die Witterung ist der Gegner“, sagte der Sprecher. Die Löscharbeiten gestalteten sich wegen der niedrigen Temperaturen schwierig. Bei Temperaturen von minus fünf Grad seien die Schläuche und Fahrzeuge vereist gewesen, was die Arbeiten erschwert habe, sagte der Bürgermeister von Wandlitz, Oliver Borchert (Freie Bürgergemeinschaft), dem RBB.
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Zudem befanden sich in der Nähe des Brandes nur zwei Hydranten. Zur Sicherstellung der Versorgung mit Löschwasser wurde ein Pendelverkehr mit Tanklöschwagen eingerichtet. Aus Sicherheitsgründen konnte der Brand zunächst nur von außen bekämpft werden.
Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei kam bei dem Feuer niemand zu Schaden. Die Polizei habe ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und habe erste Zeugen identifizieren können. Ein Wachmann soll nach ersten Informationen zwei Personen gesehen haben, die vom Gelände rannten. Das berichten „Bild“ und die „B.Z.“. Die Polizei bestätigte dies auf Anfrage nicht. Es werde jedem Hinweis nachgegangen, sagte ein Sprecher.
Die Witterung erschwerte die Löscharbeiten. Seit Donnerstagmorgen laufen Nachlöscharbeiten.
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Ein Ermittlungsverfahren wegen Brandstiftung wurde eingeleitet. Die Suche nach der genauen Brandursache kann laut Polizei jedoch erst begonnen werden, wenn das Gebäude abgekühlt ist. Zudem müsse die Statik überprüft werden. Möglicherweise müssten zunächst Gebäudeteile abgetragen werden, ehe die Ermittler ihre Arbeit aufnehmen können.
Bogensee-Areal
Das Gelände am Bogensee gehörte ab 1913 zum Berliner Stadtgut Lanke. 1936 ließ sich NS-Propagandaminister Joseph Goebbels als Gauleiter der NSDAP in Berlin dort ein Areal zur Nutzung zur Verfügung stellen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs gründete die „Freie Deutsche Jugend“ (FDJ) dort 1946 ihre zentrale Jugendleiterschule. 1951 begannen Bauarbeiten zu einem neuen palastartigen Gebäudekomplex der Jugendhochschule im Stil des sozialistischen Klassizismus.
Seit Jahren wird über einen möglichen Abriss oder eine weitere Nutzung der Gebäude diskutiert, die seit mehr als 20 Jahren leerstehen. Bis Ende 2027 soll nach Gemeindeangaben eine Perspektivstudie erstellt werden, um herauszufinden, wie das Areal wirtschaftlich tragfähig genutzt werden könnte. (epd)
Eigentümer des gut 16 Hektar großen Bogensee-Areals ist Berlin. Weil das Land kein Geld und kein Interesse an einer Entwicklung hat, hatte der Senat das Gelände bis Ende 2027 der Gemeinde Wandlitz unentgeltlich zur Nutzung überlassen. Nach der Wende gab es auf dem Areal ein Kongresszentrum. Seit dem Jahr 2000 ist das Areal ungenutzt und verfällt.
Zeitweise waren auf dem Areal bis zu 90 Feuerwehrleute im Einsatz.
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Birgit Möhring, Geschäftsführerin der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement (BIM), die für das Gelände zuständig ist, sagte dem Tagesspiegel: „Wir sind sehr bestürzt über den Brand auf dem Bogensee-Areal.“ Die BIM stehe nun „in engem Austausch mit der Gemeinde Wandlitz“ und unterstütze die laufenden Untersuchungen von Polizei und Feuerwehr zur Klärung der Brandursache. „Parallel dazu prüfen wir gemeinsam die nächsten Schritte zur Sicherung des betroffenen Gebäudes“, sagte Möhring.
Der Wandlitzer Bürgermeister Oliver Borchert sagte: „Der Brand ist ein tiefer Einschnitt – für unsere Gemeinde und für alle, die sich seit rund zwei Jahren so intensiv für ein tragfähiges Zukunftsmodell dieses Ortes einsetzen.“
Borchert betonte, dass der Brand nichts an der grundsätzlichen Haltung der Gemeinde ändere, das Bogensee-Areal nicht sich selbst zu überlassen. „Für uns bedeutet dieses tragische Ereignis nicht das Ende, sondern einen Wendepunkt“, sagte der Bürgermeister. „Jetzt geht es darum, mit kühlem Kopf zu entscheiden, wie wir weiter vorgehen.“ Die Gemeinde wolle nun mit dem Land Berlin „neu bewerten, wie sich die bereits angestoßenen Planungen anpassen lassen“.
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Nach der Überlassung durch das Land Berlin hatte die Gemeinde versprochen, mit einer Perspektivstudie ein wirtschaftlich tragfähiges Nutzungskonzept für das Areal zu entwickeln. Zudem will sie das Gelände und die Gebäude wieder für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Führungen, Besichtigungen und erste Veranstaltungen seien bereits angedacht, heißt es von der Gemeinde. So wolle man „das Bogensee-Areal aus dem Zustand des jahrzehntelangen Stillstands lösen und eine neue, öffentliche Wahrnehmung ermöglichen“.
Dieses Bild zeigt ein Fenster, das durch den Brand zerstört wurde.
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Daran hält die Gemeinde weiter fest. Das Areal stehe für ein schwieriges Kapitel deutscher Geschichte, aber auch für die Chance, Erinnerung, Bildung und gesellschaftliche Auseinandersetzung miteinander zu verbinden, sagte Bürgermeister Borchert. „Diese Chance ist durch das heutige Ereignis nicht beendet.“
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Landrat Daniel Kurth drängte auf schnelle Lösungen. Die Erfahrung habe gezeigt, dass Unbefugte sich umso schneller Zutritt dazu verschaffen könnten, je länger ein Gebäude leer stehe. Deshalb: „Wir müssen uns beeilen“, sagte Kurth.