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Auch bei der Galerie Voss, die Flávia Junqueira ausstellt, ist nicht nur der Blick auf die Kunst eindrucksvoll. © Christoph Boeckheler
43 Galerien präsentieren in den leeren Chefetagen des Frankfurter Trianon-Hochhauses ihre Werke. In diesem Jahr gibt es deutlich mehr Tickets als 2025.
Zu diesem außergewöhnlichen Ort in den obersten drei Etagen des Frankfurter Trianon-Hochhauses passen zahllose Wortspiele, und sie stimmen alle: Es ist ein erster Höhepunkt des Jahres für die Frankfurter Galerienwelt, es sind atemberaubende Aussichten, und zu sehen ist dort Kunst auf höchstem Niveau. Und doch sollte man nicht nur wegen der Ausblicke auf die Stadt und Rhein-Main hierherkommen, auch was ausgestellt wird, lohnt unbedingt einen Besuch.
Der Frankfurter Galerist Kai Middendorff zeigt Arbeiten von Markus Weisbeck. © Christoph Boeckheler
Zum zweiten Mal sind in den leerstehenden früheren Chefetagen der Deka-Bank von diesem Freitag bis Sonntag die Frankfurter Kunstgalerien mit eigenen Künstlerinnen und Künstlern zu Gast. 2025 waren die Karten rasch ausverkauft, in den Hochhausetagen dürfen sich nicht zu viele Gäste gleichzeitig aufhalten.
Viele kamen damals vergeblich und waren enttäuscht. In diesem Jahr gibt es ein Stockwerk mehr und einen Ausstellungstag zusätzlich, dadurch steigen die Besucherkapazitäten ganz erheblich. Allerdings ist auch der Eintrittspreis deutlich gestiegen.
Wie im vergangenen Jahr durfte sich jede der gastgebenden Frankfurter Galerien eine Partnergalerie einladen. Insgesamt stellen nun 43 aus, knapp die Hälfte davon aus der Region. Kai Middendorff beispielsweise, dessen Galerie in der Niddastraße im Bahnhofsviertel liegt, hat sich die Wiener Galerie Christine König als Partnerin ausgesucht. Sie zeigt Werke des Berliner Künstlers Olaf Holzapfel, Jahrgang 1967.
Middendorff selbst ist noch beim Aufbauen, aus der Hosentasche des Galeristen lugt ein Metermaß heraus. „Zum Glück ist die Aussicht aus meinen Räumen nicht ganz so spektakulär, das lenkt nicht von den Bildern ab“, sagt er lächelnd. Er untertreibt, auch dort ist der Blick wirklich atemberaubend.
Mit der Hängung der Bilder von Markus Weisbeck ist er aber schon ziemlich zufrieden. Der Ort sei ideal, sagt Middendorff, der zum zweiten Mal ausstellt, und die Messe habe ein sehr hohes Niveau. Das meint er jetzt aber nicht auf den Ort bezogen.
Es sind faszinierende Fotografien, in denen der Grafiker Weisbeck mit Schärfen und Unschärfen spielt. Das passt erstaunlich gut zu den hellen, hohen Räumen mit den riesigen Fenstern. Middendorff erklärt mit großer Begeisterung, wie der Künstler arbeitet. Es ist ein großer Reiz der „House of Galleries“-Ausstellung, dass man mit Künstlerinnen und Galeristen, vielleicht auch mit anderen Kunstbegeisterten ins Gespräch kommen kann. Was dort ausgestellt wird, kann man auch kaufen, und weil auch viel junge Kunst gezeigt wird, sind die Preise teils noch recht erschwinglich.
Eine Arbeit von Markus Weisbeck, zu sehen im „House of Galleries“. © Christoph Boeckheler
Wenn man allerdings Höhenangst hat, ist dies vielleicht nicht unbedingt der ideale Ort. Der Berliner Galerist Kai Erdmann, der erstmals als Gast der Galerie Hanna Bekker vom Rath dabei ist, war sich lange nicht sicher, ob das angesichts der Aussicht eine gute Entscheidung war. „Aber jetzt hat es klick gemacht, und ich finde es toll!“
Während er erzählt, repariert „sein“ Künstler Michael Schmidtmann, geboren 1996 in Wiesbaden und gerade fertig mit dem Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, einen seiner witzigen Automaten aus Pappe, „Zeugnisse einer verschwindenden Technik“, wie Erdmann erklärt. Zu sehen sind unter anderem ein Münztelefon, ein Kaugummiautomat und ein Zeitungsspender – nur eine von zahllosen Ideen, die sich entdecken lassen, wenn man nicht nur zum Fenster hinausschaut.