Die Kunstszene ist durch finanzielle Kürzungen stark belastet. In seinem Jubiläumsjahr zum 30. Geburtstag will der Hamburger Bahnhof gegensteuern und Berlins Stärke zeigen. Zum Auftakt findet im März eine Gala mit hochkarätigen Gästen statt
Der Hamburger Bahnhof in Berlin plant zu seinem 30. Geburtstag im Frühjahr eine Fundraising-Gala mit internationalen Stars. Zum Komitee der Gastgeber gehören unter anderem die Filmgrößen Cate Blanchett, Nina Hoss und Matt Dillon, der Regisseur Wim Wenders, Berlinale-Chefin Tricia Tuttle, Schaubühnen-Intendant Thomas Ostermeier, die Techno-Musikerin Ellen Allien, „Vogue Germany“-Chefredakteurin Kerstin Wenig, die Intendantin der Berliner Philharmoniker Andrea Zietschmann und Elisabeth Sobotka, Intendantin der Staatsoper Unter den Linden. Außerdem sind bedeutende Künstlerinnen und Künstler wie Monica Bonvicini, Mark Bradford, Elmgreen & Dragset, Anne Imhof und Wolfgang Tillmans dabei.
Der Hamburger Bahnhof öffnete am 3. November 1996 erstmals als Museum für Gegenwart seine Tore. Auf dem Programm des Jubiläumsjahres steht unter anderem ein großes Festwochenende Mitte November mit einem 30-stündigen Sonderprogramm bei freiem Eintritt.
Die exklusive Gala im März bildet den Auftakt der Feierlichkeiten. Für die Direktoren des Hamburger Bahnhofs, Sam Bardaouil und Till Fellrath, bedeutet der Abend mehr als nur eine Präsentation des eigenen Hauses. „Für uns ist der Hamburger Bahnhof so etwas wie ein Mikrokosmos von Berlin. In unserem Jubiläumsjahr wollen wir in zahlreichen Ausstellungen und Veranstaltungen darüber reflektieren, was die letzten 30 Jahre in Berlin bedeutet haben und was wir aus der Vergangenheit in die Zukunft mitnehmen. Und dann dachten wir, wir brauchen auch einen Moment, in dem wir all das kondensieren und sichtbar machen können: Wie wir über Institutionen denken, wie wir über Berlin denken. Wir wollten, dass die Institutionen der Stadt zusammenkommen und sagen: Berlin ist wichtig und wird es immer sein“, erklärt Sam Bardaouil im Monopol-Interview.
„Wir müssen uns von dieser Erzählung des Niedergangs befreien“
Das Programm des Abends ist ein Gemeinschaftswerk vieler Akteure. Cate Blanchett wird eine der Hauptrednerinnen der Gala sein, musikalische Beiträge kommen von der Philharmonie, der Staatsoper und von Ellen Allien. Die Schaubühne zeigt Performances, die künstlerische Gestaltung der großen Halle übernehmen Elmgreen & Dragset mit einer Intervention von Monica Bonvicini.
„Berlin ist ein wichtiges kulturelles Zentrum. Wir müssen uns von dieser Erzählung des Niedergangs befreien. Natürlich, die Budgetkürzungen, der politische Druck, all das existiert, nicht nur hier, sondern an vielen Orten in der Welt. Aber trotzdem kann man die Erzählung umdrehen. Wir wollen den Hamburger Bahnhof und die ganze Stadt auf einem globalen Level sichtbar machen. Und zwar, indem wir nicht nur auf unser Haus fokussieren, sondern viele der kulturellen Kraftzentren dieser Stadt zusammenbringen und ein Statement darüber abgeben, wie Kunst und Kultur hier funktionieren: mit Experimentiergeist, Offenheit und dem interdisziplinären Ansatz, der diese Stadt auszeichnet“, erklärt Sam Bardaouil.
Gastgeberinnen des Dinners sind neben Bardaouil und Fellrath die Sammlerinnen Monique Burger aus Hongkong und Christine Würfel-Stauss aus München. Beide sind Mitglieder im Leitungsrat der International Companions, des internationalen Freundeskreises, den das Direktoren-Duo aufgebaut hat.
„Sie werden sehen, was Berlins Kulturszene leisten kann“
Aus diesem Kreis kommt auch der Großteil der rund 500 Gäste, die an der Gala teilnehmen und den Jubiläumsfonds des Hamburger Bahnhofs unterstützen sollen. „Es werden viele internationale Gäste in die Stadt kommen. Und sie werden sehen, was Berlins Kulturszene leisten kann. Die Oper und die Philharmonie gehören zu den besten der Welt. Die Kunstszene ist hier, die Mode, die Techno-Szene. Deswegen auch der Titel der Gala: ‚A Night in Berlin'“, so Bardaouil.
Auf dem Programm des Abends stehen auch vier neue Preise, die in Zukunft jährlich verliehen werden sollen: ein Lifetime Achievement Award für ein Lebenswerk eines Künstlers, ein Global Arts Patron Award für philanthropisches Engagement, ein Changemaker Award für eine besonders innovative Kunstinstitution sowie der Hamburger Bahnhof Studio Award mit einer Geldzuwendung von je 15.000 Euro für drei Künstlerinnen und Künstler bis zum Alter von 35 Jahren.