Seit Monaten wird in Berlin über eine mögliche Expo-Bewerbung für das Jahr 2035 gestritten. Nun befeuert ausgerechnet US-Präsident Donald Trump die Debatte aufs Neue – indem er eine Bewerbung der USA ankündigte.

„Heute gebe ich die Absicht der Vereinigten Staaten bekannt, sich um die Ausrichtung der Weltausstellung Expo 2035 zu bewerben“, schrieb Donald Trump am Donnerstag auf seinem Netzwerk „Truth Social“. Eine Expo in Miami könnte der „nächste große Meilenstein in unserem neuen goldenen Zeitalter Amerikas“ sein.

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Zahlreiche Wirtschaftsvertreter um den früheren Präsidenten der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), Daniel-Jan Girl, trommeln seit Langem für eine Expo in der Hauptstadt. „Die Ankündigung der Vereinigten Staaten unterstreicht die globale Bedeutung von Weltausstellungen, und darüber freuen wir uns“, sagte Girl dem Tagesspiegel am Freitag.

Kai Wegner bleibt bei seiner Haltung

„Europa kann sich jetzt ebenfalls mit Deutschland und Berlin bewerben – wir sind startklar und der einzige dafür vollständig vorbereitete Standort.“ Konzept und Finanzplan liegen laut Girl vor. „Wir können sofort in den Bewerbungsprozess einsteigen“, sagte er.

In der schwarz-roten Koalition steht das Thema jedoch im Schatten einer möglichen Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele. Diese habe absolute Priorität, erklärten Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) im Dezember. Einen Senatsbeschluss zur Expo schlossen sie aus. Senatssprecherin Christine Richter sagte auf Nachfrage, dass sich an der Haltung des Regierenden Bürgermeisters nichts geändert habe.

Ganz zumachen wollte Wegner die Tür für eine Bewerbung um die Weltausstellung aber zuletzt nicht. Auf dem Neujahrsempfang der IHK Mitte Januar sagt er, dass er einen gemeinsamen Aufschlag mit Brandenburg, also eine Bewerbung als Metropolregion, für möglich halte.

IHK: Senat soll Farbe bekennen

Eine Beteiligung Berlins fordert nach der Ankündigung des US-Präsidenten nun auch die IHK mit Nachdruck. „Trumps Ankündigung ist hoffentlich ein Weckruf für Berlin, die eigene zögerliche Haltung zu revidieren“, teilte IHK-Präsident Sebastian Stietzel am Freitag mit. „Wenn Berlin seinem Anspruch als Weltmetropole gerecht werden will, muss der Senat Farbe bekennen und in den Wettbewerb einsteigen.“

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Bereits am Montag hatte sich der SPD Landesvorstand für eine Expo-Bewerbung Berlins ausgesprochen. Auch SPD-Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey wirbt seit Monaten für eine Berliner Bewerbung für die Expo und die Olympischen Spiele – anders als ihre Parteikollegin Spranger.

SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach sieht sich durch die Trump-Ankündiung bestätigt. „Die Standortfrage für die Expo 2035 ist über Nacht noch politischer geworden“, sagte er dem Tagesspiegel-Newsletter „Checkpoint“. „Soll sie 2035 in der freien Welt oder in der Welt frei nach Donald Trump stattfinden?“

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Ähnlich äußerte sich Bettina Jarasch, Fraktionsvorsitzende und Co-Spitzenkandidatin für die Berliner Grünen. „Berlin muss als Stadt der Freiheit gerade in Zeiten der weltweiten Umbrüche ein Leuchtturm für Weltoffenheit, nachhaltige Innovation und lebenswerte Zukunft sein“, sagte Jarasch. „Mit einer Bewerbung für die Expo 2035 würde Berlin diesen Anspruch auch international unterstreichen.“

Das Bureau International des Expositions, das die Ausschreibung und Vergabe der Weltausstellung koordiniert, wird voraussichtlich im April das Bewerbungsverfahren für die Expo 2035 eröffnen.