Bessere 30 Minuten Handball kann man kaum spielen! Beim ersten Hauptrunden-Spiel der Europameisterschaft drehte Miro Schluroff (25) gegen Portugal (32:30) in der zweiten Halbzeit so richtig auf. Der Turnierdebütant saß in der ersten Halbzeit draußen, wurde nach der Pause von Bundestrainer Alfred Gíslason (66) reingebracht. Und lieferte ab!

Schluroff erzielte sieben Treffer, traf aus teils unmöglichen Lagen und war neben Torwart Andreas Wolff (34) der Matchwinner gegen die Portugiesen. Keeper David Späth (23): „Wahnsinn. Miro hat das Spiel mitentscheidend gewonnen. Er war genau in der Phase mit seinen Hammerwürfen da. Jeder weiß, was der für eine Wumme hat.“

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Ein Beweis für Schluroffs Arm-Kanone: Bei der EM hält er bislang den Bestwert für den schnellsten Wurf mit 134,1 km/h (auch in der Bundesliga mit 130,8 km/h auf Platz 1). Ein Titel, auf den Gummersbacher jedoch nicht viel gibt. Er sagt grinsend zu BILD: „Das ist mir ziemlich scheißegal, solange wir Gold gewinnen.“

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Dabei kann sich Schluroff darauf einiges einbilden. Zum Vergleich: Bei seinem Weltrekord schleuderte der Ukrainer Juri Sedych (†66) 1986 seinen Hammer mit 115 km/h auf 86,74 Meter. Der Tscheche Jan Zelezny (59) warf 1996 mit 98,48 m Speer-Weltrekord. Dabei beschleunigte er sein Wettkampfgerät auf „nur“ 112,6 km/h. Schluroff wirft auch schneller, als die Richtgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen (130 km/h).

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Quelle: BILD22.01.2026

Wer ist unser neuer Rückraum-Knipser?

Schluroff spielt seit 2022 in Gummersbach und ist Teil der neuen VfL-Generation, die den zwölfmaligen Deutschen Meister aus der zweiten Liga zurück ins internationale Geschäft brachte. Im vergangenen März debütierte er in der Nationalmannschaft.

Sportliches Können wurde ihm in die Wiege gelegt. Vater Lars Unger (53) war Fußballprofi, spielte von 1991 bis 1997 für Werder Bremen und ist heute Koordinator der Bremer Traditionsmannschaft. 1999 wechselte er ins österreichische Bregenz, wo Sohnemann Miro 2000 zur Welt kam.

1997: Schluroff-Papa Lars Unger (l./damals 24) im Zweikampf mit Bayern-Stürmer Jürgen Klinsmann (32)

1997: Schluroff-Papa Lars Unger (l./damals 24) im Zweikampf mit Bayern-Stürmer Jürgen Klinsmann (32)

Foto: imago sportfotodienst

Vor der laufenden EM verriet Schluroff, dass die Ösis ihn abwerben wollten. Für ihn jedoch keine Option – genauso, wie dem Papa als Fußballer nachzueifern. Obwohl er in der Jugend auch gut kickte.

Schluroff zu BILD: „Der Fokus lag eher auf dem Handball in meinem Freundeskreis, auch familiär gesehen. Nur mein Vater war Fußballer, der Rest eher Handballer. Das hat sich dann mit der Zeit so ergeben.“

Dennoch drückt er auch heute noch Werder Bremen die Daumen: „Der einzige Verein, den ich je hatte und je haben werde. Ich begleite die Spiele mit viel Spannung und schaue mir alles an.“

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Auch Freundin Kathleen und Schwester Tony spielen Handball. Beim Regionalligisten TV Oyten war Letztere Mannschaftskollegin von Madita Woltemade, der Schwester von Fußball-Nationalstürmer Nick (23). Privat zockt Schluroff gern an der Playstation, hat zudem eine eigene Modebrand und nutzt seine freie Zeit für Spaziergänge mit seiner Freundin und den gemeinsamen Hunden.

Handball-EM: Schluroff ist der Kabinen-DJ

Bei der EM kommt Schluroff auch abseits der Platte eine wichtige Aufgabe zu: Er ist der Kabinen-DJ, macht die DHB-Jungs vor dem Spiel noch mal heiß. Das bringt Verantwortung mit sich! Vor der entscheidenden Vorrunden-Partie gegen Spanien (34:32) stellte er musikalisch um, setzte mehr auf Techno. Das half offenbar. Innerhalb der Mannschaft gilt Schluroff ohnehin als Entertainer. Gummersbach-Kollege Tom Kiesler (24) sagt über ihn: „Der ist ein sehr abgezockter Typ, ein sehr witziger Genosse.“

Der auf dem Platz aber Ernst macht! Bislang spielt er eine starke EM, kommt nach vier Spielen und 74 Einsatzminuten auf 17 Tore. Macht einen Schnitt von etwas mehr als vier Minuten pro Treffer. Hinter Renars Uscins (23/24 Treffer) ist er der zweitbeste deutsche Werfer – und einer der Gründe, warum Handball-Deutschland von einer EM-Medaille träumen darf.