Die Wahrscheinlichkeit, dass Borussia Mönchengladbach am Sonntag (15.30 Uhr, Sky) gegen den VfB Stuttgart gewinn, liegt bei nur 34 Prozent. Das sagt die KI-Prognose des Datenportals Opta. Zudem haben die obersten sieben Teams in dieser Saison nur drei von 62 Spielen gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte verloren.
Favorit in Gladbach ist darum der Europa-League-Teilnehmer, der am Donnerstag 0:2 bei der AS Rom verlor. Und das nicht allein wegen der KI-Prognose und der Saisonbilanz, sondern auch aus den althergebrachten Gründen: fußballerische und individuelle Qualität. Von beidem hat Stuttgart eine Menge, das weiß auch Gladbachs Trainer Eugen Polanski.
„Wenn wir 100 Prozent bringen, ist es ein 50:50-Spiel“, sagte der 39-Jährige im Vorfeld der Partie und zählte die Stärken des Gegners auf. Er sagte aber auch: „Die Qualität des Gegners nicht zuzulassen, ist auch eine Qualität.“ Genau das ist der Leitsatz, den er seinen Spielern mit auf den Weg gibt für das zweite Heimspiel des Jahres.
Das erste wurde deutlich gewonnen, mit 4:0 gegen den FC Augsburg. Allerdings sind die bayerischen Schwaben eine andere Hausnummer als die Stuttgarter. „Beide Spiele sind ganz anders zu bewerten und durch den Sieg gegen Augsburg haben wir gegen Stuttgart keine Punkte“, stellt Polanski klar.
Gleichwohl hofft er, dass die Erinnerung an den Sieg seiner Mannschaft etwas gibt nach einem katastrophalen Spiel bei der TSG Hoffenheim (1:5) und einem kaum überzeugenden Auftritt beim Hamburger SV (0:0). „Wir haben gemerkt, wie schön es ist, ein Heimspiel zu gewinnen, und was das mit der Mannschaft macht“, sagte Polanski.
Daheim die Basis zu legen für mehr Sicherheit, für mehr Ruhe, womöglich für mehr Konstanz, das ist stets der Ansatz, wenn es um die These „Festung Borussia-Park“ geht. Da gibt es Nachholbedarf. Dass die Borussen auswärts schon elf Punkte eingesammelt haben, ist nur leidlich ein Gewinn, dafür gingen zu viele Heimzähler (18) verloren.
Polanski weiß, dass es auch um die Gunst der Fans geht, die wichtig ist für Gladbach. Zuletzt sind diese Hunderte Kilometer gefahren für nichts bis wenig. „Wir wollen unsere Fans zufriedenstellen, das geht am besten mit Ergebnissen und Leistungen“, sagte Polanski. Gemeint ist das nicht mit Blick auf Spiele im eigenen Stadion, aber insbesondere dort kann eine Basis gelegt werden.
Gerade gegen Stuttgart bietet sich da eine gute Chance, ein Zeichen zu setzen. Indem ein Gegner besiegt wird, der aus einer vermeintlich anderen Sphäre kommt, aus einer, in der Teams wie die aktuelle Borussia nicht viel gewinnen können, kann sich Gladbach viel erarbeiten. Für die Tabelle, für den Kopf.
Um die Künstliche Intelligenz tatsächlich Lügen zu strafen, ist erstens ein gutes Spiel nötig. Im modernen Fußball geht der Trend zum Mann-gegen-Mann, dagegen fanden die Gladbacher zuletzt kaum Lösungen. Sie müssten mit dem Ball mehr und Besseres anstellen. Darauf, das verriet Polanski, lag ein Fokus in der vergangenen Trainingswoche. „Wir haben den Jungs gezeigt, dass es mehrere Optionen gibt. Die Mannschaft ist gut, und wenn sie das auf den Platz bringt, ist es ein anderes Spiel“, versichert Polanski.
Gladbach: Entscheiden ist der Umgang mit Fehlern
Ein zweiter Faktor ist mentale Stärke. „Jeder macht Fehler, die Frage ist, wie man damit umgeht“, sagte Polanski. Sich nicht runterziehen lassen, nicht verzweifeln, nicht in eine Negativ-Spirale geraten: „Wir müssen ins Machen kommen, nicht ins Denken“, sagte Polanski. Fußball ist auch Kopfsache, am Ende müssen es aber die Füße richten, so ist das nun mal.
Dass es geht, Mannschaften von oben zu besiegen, das hat unter anderem der letzte Gegner der Gladbacher, der Hamburger SV, belegt – gegen den VfB Stuttgart in einem Heimspiel.