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In einer unscheinbaren Halle in der Eifel parkt ein 900-PS-Monster: der Capricorn 01 Zagato. Carbon, Kompressor-V8, Handschaltung – nur 19 Stück. Italienisches Design, deutsches Herz, gebaut wie ein Rennwagen für die Straße.
Meuspath, früher Morgen. Die Eifel liegt noch im Nebel, doch hinter den nüchternen Industriehallen der Gottlieb-Daimler-Straße passiert etwas, das die Autowelt elektrisiert: Im Capricorn-Hauptquartier wächst ein Hypersportwagen heran, der klingt wie die Hölle und aussieht wie ein Kunstwerk aus Mailand. Der Capricorn 01 Zagato: 900 PS, V8-Kompressor, Carbon, so weit das Auge reicht.

Robertino Wild, der Mann hinter dem Mythos
Foto: Fabian Hoberg
In der Halle fühlt man sich wie im Reinraum einer Raumfahrtmission. Hinter großen Glasfenstern entstehen Chassis-Teile, die eher an Nasa-Technik erinnern. In der Entwicklungswerkstatt steht er plötzlich vor uns. Keine Bühne, kein Showlicht. Nur Betonboden, Neonlicht – und eine Karosserie, die aussieht, als hätte Zagato sie mit einem Füllfederhalter entworfen: die „Double Bubble“-Dachkuppel, die langen Muskellinien, ein Diffusor wie ein Maulwurfshügel des Wahnsinns. Darunter: hochkonzentrierte deutsche Ingenieurskunst von Capricorn.
Capricorn 01 Zagato: 900 PS, 1000 Nm
Auf einem Montageständer daneben liegt das Monocoque – federleicht, pechschwarz, fast unverschämt steif. Ein Techniker öffnet die Heckhaube. Drinnen liegt ein 5,2-Liter-V8-Kompressor, so sauber verkabelt wie die Saiten eines Konzertflügels. 900 PS, 1000 Newtonmeter, 9000 Touren. In unter drei Sekunden auf 100, Spitze 360 km/h. Und geschaltet wird – festhalten! – per Hand. Fünfgang-Dogleg, wie im Rennauto. „Mehr Leistung braucht kein Mensch. Wir wollten ein fahrbares, analoges Auto“, sagt Capricorn-Chef Robertino Wild, der Mann, der einst den Nürburgring gekauft hat. Seine Firma liefert seit Jahrzehnten Carbon-Bauteile für die ganz Großen: Bugatti, Porsche, Audi, sogar die Formel 1.

Analoges Paradies: Rundinstrumente, Leder und Dogleg-Schaltung – das Cockpit des Capricorn 01 Zagato ist eine Hommage an die reine Fahrkunst
Foto: Fabian Hoberg
Jetzt also das eigene Auto. Und zwar mit einer für einen Newcomer fast frechen Fertigungstiefe: Carbon-Karosserie, Chassis, Fahrwerkskomponenten, sogar die Motormodifikationen kommen aus eigener Hand. Das Chassis? Vollcarbon, LMP1-Niveau. Das Fahrwerk? Von Bilstein, komplett ohne Assistenzsysteme, weil die Ingenieure überzeugt sind: Wer so ein Auto kauft, kann fahren. Bremsen von Brembo, 21-Zöller, Gewichtsverteilung fast 50:50, unter 1.200 Kilogramm Gesamtgewicht. Leichter wird in dieser Klasse kaum jemand. Innen geht’s weiter wie im PS-Zeitreisemuseum: Rundinstrumente, Leder, feste Schalen, Vierpunkt-Gurte. Kein riesiges Display, kein Elektronik-Zoo. Aber: Klimaanlage, Kamera, Lift-System.
KERS von Mercedes, HANS von Schroth
Die Eifeler Carbon-Profis wissen, was sie tun. Das KERS von Mercedes, das HANS-System von Schroth, die Carbonteile des Porsche 911 GT, Bugatti-Komponenten – alles Capricorn. Rund 200 WM-Titel gehen indirekt auf ihr Konto. Und jetzt entwickeln sie ihr erstes eigenes Straßen-Hypercar.

Nur 19 Stück, 2,95 Millionen Euro – und ein Versprechen: Fahrspaß ohne digitale Filter
Foto: Fabian Hoberg
Nur 19 Exemplare baut Capricorn – eine Verbeugung vor dem Gründungsjahr von Zagato, 1919. Preis pro Stück: 2,95 Millionen Euro netto. Ein Drittel davon geht allein für die Bauteile drauf. Trotzdem drängeln sich die Interessenten. 75 sollen angeklopft haben, die Hälfte ist schon weg: Profi-Racer, Sammler, Millionäre mit Geschmack für Carbon und Kompressor-Power. Als Nächstes? Ein Spider. Offen. Wilder. Noch mehr Zagato, noch mehr Eifel.